“Mein Altweibersommer”: Sanfter Zirkus zum 70. Geburtstag von Iris Berben

  • Im ARD-Film „Mein Altweibersommer“ bricht die 60-jährige Ebba aus ihrem Leben aus.
  • Sie schließt sich einem Wanderzirkus an und tanzt als Bärin in der Manege, während ihr Mann das Eheaus vermutet.
  • Ein Wohlfühldrama zum 70. Geburtstag von Iris Berben an diesem Mittwoch.
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Ebba (Iris Berben) hat einen Albtraum. Sie gebärt statt eines Menschenkindes ein Bärenjunges. Der Traum holt sie wieder ein, als sie im Ostseeurlaub – ihr Mann und ihre Freunde hängen gerade über der Toilettenschüssel, weil sie nicht gar gekochte Schnecken gegessen haben – am Strand auf einen kleinen Wanderzirkus trifft. In der Manege: eine Person in einem ausgestopften, lebensecht wirkenden Bärenkostüm.

Das ist der Anfang des ZDF-Dramas “Mein Altweibersommer” um eine 60-jährige Frau, die ein scheinbar zufriedenes Leben führt. Gemeinsam mit ihrem Mann Markus (Rainer Bock) hat sie gerade ein neues Unternehmen gegründet, sich beruflich selbst verwirklicht – und will doch plötzlich aus allem ausbrechen: aus dem Job, aus der Ehe, aus ihrem Leben.

Ein Tanz im Bärenkostüm und alles ist anders

Ein Tanz im Bärenkostüm, der dänische Zirkusdirektor Arne (Peter Mygind) lädt sie dazu ein, und alles ist anders. Ihrem Mann erzählt Ebba, dienstlich unterwegs zu sein. In Wirklichkeit reist sie mit dem Wanderzirkus an der polnischen Küste entlang, gibt die Bärin in der Manege und lässt sich auf eine Affäre mit dem Zirkusmann ein, den sie kaum kennt, aber der Teil dieses Ausbruchs aus der Alltag gewordenen Realität ist. Und der sich selbst mehr von dieser Liebelei erhofft.

“Wie ist das, wenn man überall die Schönste ist?”, fragt der Zirkusdirektor diese grazile, scheinbar in sich ruhende Frau. Eine Frage, die auch Berben sicher schon häufiger mal gehört hat – wird ihre Schönheit trotz ihres Alters doch immer wieder thematisiert. Doch ihre Figur Ebba will davon nichts wissen, antwortet nur: “Was, wenn ich das gar nicht sein will?”

Währenddessen hat Ebbas Mann Markus zu Hause längst bemerkt, dass nicht alles gut ist – und seine Frau nicht auf einer Fortbildung. Doch er spielt mit, telefoniert mit ihr, gibt den Unwissenden. Und versteht gleichzeitig die Welt nicht mehr.

Verletzlichkeit und Fragilität der beiden Charaktere wird aufgezeigt

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Auf sanfte Weise wird die Verletzlichkeit und Fragilität dieser beiden Charaktere und ihrer langjährigen Ehe aufgezeigt. Nach außen hin passiert nicht viel, auf Action wird in diesem Film nicht gesetzt. Doch innerlich sind die beiden Protagonisten in Aufruhr, in Bewegung, auf dem Sprung. Wo ist plötzlich dieses routinierte, bisher so gut funktionierende Leben hin? Wie geht es weiter?

“Den Rest des Lebens gelassen zuzubringen, bei dem Gedanken gruselt es mich”, sagt Markus am Anfang der Geschichte, als noch alles gut zu sein scheint und sie im Apartment von Freunden an der Ostsee sitzen und über das Leben und das Älterwerden sinnieren. Die gefürchtete Gelassenheit ist nun längst weg, und plötzlich sehnt er sie sich zurück.

Was bisher so selbstverständlich war, ist plötzlich unsicher, im Umbruch. Zwei Menschen im “besten Alter”, wie es oft heißt, stellen plötzlich Lebensentscheidungen und die gemeinsame Zukunft infrage. Der Druck, glücklich zu sein, ist groß. Doch was bedeutet überhaupt Glück? Fragen, mit denen sich Ebba und Markus und der Film beschäftigen.

Ein Drama, das eher sanft dahinplätschert

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Es ist ein Drama, das eher sanft dahinplätschert als einen zu überrumpeln, zu schockieren. Es ist die berührende Geschichte eines Paares, dem man gern auf seinen Abwegen folgt, auch wenn es manchmal ein bisschen wehtut. Die Geschichte ist wie der Titel es schon sagt ein bisschen wie ein Altweibersommer am Meer – das warme Ausklingen einer Jahreszeit.

Gleichzeitig ist der Film eine Hommage an Iris Berben, die an diesem Mittwoch ihren 70. Geburtstag feiert und in diesem Drama ihre sanfte, nachdenkliche Seite zeigt. Sie steht ihr gut.

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