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  • Matthias Schweighöfer über Dreharbeiten zu „Army of Thieves“ und „Army of the Dead“ im Interview

Matthias Schweighöfer über Dreharbeiten: „Konnte meine Kinder fünf Monate lang nicht sehen“

  • Matthias Schweighöfer war schon im Frühjahr als Safeknacker in Zack Snyders „Army of the Dead“ zu sehen.
  • Jetzt hat der 40-Jährige das eigene Netflix-Spin-off „Army of Thieves“ gedreht.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der Filmemacher über das Traumland Amerika, Richard Wagner und warum er seine Kinder fünf Monate lang nicht gesehen hat.
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Matthias Schweighöfer greift nach den Hollywoodsternen. Der 40-Jährige hat im Frühjahr unter den wachsamen Augen von „300″-Regisseur Zack Snyder einen skurril-nerdigen deutschen Safeknacker im Zombiefilm „Army of the Dead“ gespielt. Von Snyder persönlich kam der Auftrag für ein eigenes Spin-off: Bei „Army of Thieves“ hat Schweighöfer seinen ersten amerikanischen Netflix-Film gedreht – und die Hauptrolle gespielt. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht er über den Unterschied zwischen Amerika und Deutschland, Hochkultur sowie Unterhaltung und erklärt, warum er nie über den Antisemitismus bei Richard Wagner nachgedacht hat.

Was gefällt Ihnen an Hollywood – gerade im Vergleich zur deutschen Filmbranche?

Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel vom gestrigen Interviewtag. Von den deutschen Journalisten bin ich eine verhaltene Reaktion gewöhnt – und eine gewisse Skepsis. Die sagen vielleicht höchstens, dass sie einen Film ‚okay‘ finden. Von den Kollegen in Nordamerika habe ich gestern aber eine ganz andere Reaktion bekommen: Was für ein großartiger Film! Die machen erst einmal die Tür auf. Dass es erlaubt ist zu träumen, zu übertreiben, richtige Märchen zu erzählen, ist das, was mich an Hollywood schon immer interessiert hat.

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Ihr Charakter Sebastian muss fürs Safeknacken seine Versagensängste überwinden. Welchen Ängsten mussten Sie sich in Ihrem Job stellen?

In meinem Beruf habe ich keine Ängste – es ist eher so, dass ich es liebe, mir wie jetzt neue Herausforderungen und Gelegenheiten zu schaffen. Wobei – das Fliegen ist jetzt nicht mein liebstes Thema. Ich hatte echt Flugangst. Aber ich stelle mich dem immer wieder.

Stuart Martin (l.), Ruby O. Fee (unten), Matthias Schweighöfer und Nathalie Emmanuel planen in „Army of Thieves“ einen spektakulären Bankraub. © Quelle: Stanislav Honzik/Netflix 2021/dp

Sie sind Produzent, Regisseur und Schauspieler. Wird es Ihnen manchmal nicht zu viel?

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Ich habe jetzt heruntergeschraubt – und die Musik erst einmal zur Seite geschoben.

In „Résistance“ sind Sie derzeit im Kino als Gestapo-Chef Klaus Barbie in einer ganz anderen Rolle im Vergleich zum lustig-nerdigen Safeknacker in „Army of Thieves“ zu sehen. Wird es in Deutschland kritisch beäugt, wenn Unterhaltungsprodukte und Hochkultur nebeneinander entstehen?

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Wenn jemand ein Problem damit hat, sagt das mehr über die Person aus, die sich das anguckt. Bei „Army of Thieves“ hatte ich das Gefühl, dass viele Journalisten sofort kritisieren: Potsdam sähe in echt ganz anders aus. Berlin auch. In Deutschland lassen wir die Realität oftmals nicht draußen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich liebe Deutschland, das ist mein Zuhause. Aber für die kreative Arbeit ist dieser erste Moment der Wertung manchmal tödlich.

Richard Wagner und sein „Ring“-Zyklus sind ein zentrales Motiv für den Film. Die Deutschen haben aufgrund seiner antisemitischen Aussagen und seiner Gunst bei den Nazis nicht unbedingt ein einfaches Verhältnis zu dem Komponisten: Wie sind Sie damit im Film umgangen?

In der letzten Szene fährt der Truck zur „Siegfried“-Oper von Wagner die Straße nach Berchtesgaden herunter. Natürlich ist Richard Wagner umstritten – aber er hat auch krasse Opern geschrieben. Ehrlich gesagt habe ich über Antisemitismus und Wagner gar nicht nachgedacht und ihn einfach als Erzählstrang von „Army of the Dead“ übernommen.

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Wäre die komplexe Rezeption der Deutschen von Wagner in den USA vielleicht schwer vermittelbar gewesen?

Das ist eine gute Frage. Ich muss ehrlich sagen, dass wir in der Vorbereitung nie über diese Thematik gesprochen haben. Ich weiß es nicht.

Ihre Freundin hat am Set als die Hackerin Korina ebenfalls eine wichtige Rolle übernommen. Wie wichtig ist es da, Privates und Berufliches zu trennen?

Es gab eine feste Regel: Sobald wir abends zusammen im Hotel waren, wurde nicht mehr über den Film geredet. Wenn wir diese Abmachung nicht gehabt hätten, wäre das nicht gut gegangen.

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Man erlebt Sie als wirklich sehr leidenschaftlichen Filmemacher und Schauspieler: Gibt es aber doch etwas, das Sie beim Film nervt?

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Ich liebe meinen Beruf. Mich nervt manchmal nur, dass ich so lange von meinen Kindern weg bin. Aber auch die Kinder müssen lernen, dass sie Zeit aufwenden müssen, wenn sie Dinge machen wollen, die sie richtig abfeiern. Wegen der Dreharbeiten im Lockdown und der Schule der Kinder konnte ich sie fünf Monate lang nicht sehen.

Haben Sie denn Tipps für Schauspieler oder Filmemacher, wenn sie Familie und Beruf miteinander vereinen wollen?

Das ist einfach schwierig. Man braucht ein gutes Zeitmanagement und einen guten Drehplan. Zur Not nimmt man die Kinder halt mit.

„Army of Thieves“ ist ab dem 29. Oktober bei Netflix zu sehen.

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