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Matthias Brandt: „Ich habe nicht den Lebenstraum, nur Polizisten zu spielen“

  • Schauspieler Matthias Brandt ist 2018 aus dem „Polizeiruf“ ausgestiegen.
  • Nun ist er als LKA-Chef im ARD-Dreiteiler „Das Geheimnis des Totenwaldes“ zu sehen.
  • Im RND-Interview spricht er über Konkurrenz im Job, das Älterwerden und die ewigen Polizistenrollen.
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Der ARD-Dreiteiler „Das Geheimnis des Totenwaldes“ (2., 5. und 9. Dezember, jeweils 20.15 Uhr) basiert auf einer wahren Geschichte: Darin verschwindet im Sommer 1989 die Schwester (Silke Bodenbender) des Hamburger LKA-Chefs Thomas Bethge (Matthias Brandt) spurlos aus ihrem Haus in Niedersachsen, in dessen Nähe furchtbare Doppelmorde geschehen sind. Die Polizei in Weesenburg scheint überfordert. Bethge will seine Schwester finden, darf aber als Hamburger Polizist nicht in Niedersachsen ermitteln. Fast drei Jahrzehnte lang recherchiert Thomas Bethge gegen große Widerstände in einem rätselhaften Kriminalfall, ehe er, bereits pensioniert, einem mysteriösen Serienmörder auf die Spur kommt.

Im RND-Interview spricht Hauptdarsteller Matthias Brandt über das Projekt:

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Sie spielen in „Das Geheimnis des Totenwaldes“ den Hamburger LKA-Chef Thomas Bethge, dessen Schwester verschwindet. Der Fall belastet Ihre Figur über Jahrzehnte. Hatten Sie es mal, dass ein Film oder Projekt Sie noch über die Dreharbeiten hinaus beschäftigt hat?

Natürlich in einem ganz anderen Rahmen, als es da erzählt wird. Aber ich habe einen künstlerischen Beruf, da ist die Trennung zwischen Beruflichem und Privatem insofern gar nicht so leicht, als dass einen die Dinge immer beschäftigen. Trotzdem muss man eine Form finden, Dinge nicht zu vermischen. Das ist eine der Hauptvoraussetzungen, um das länger machen zu können. Aber wenn ich in der Arbeit stecke, trage ich das mit mir rum.

Aber dass Sie etwas Jahre nach der konkreten Arbeit noch beschäftigt, ist noch nicht passiert?

Nein, aber man geht immer anders aus so einer Arbeit heraus als man hereingegangen ist. Das war bei diesem Film auch so, weil ich mich mit Dingen beschäftigt habe, über die ich vorher nicht nachgedacht hatte in der Intensität. Ich empfinde das als totalen Gewinn, auch wenn das manchmal schwere oder belastende Themen sind. Die sind ja Teil unseres Lebens.

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Was haben Sie von „Das Geheimnis des Totenwaldes“ mitgenommen?

Für mich war das Wesentliche an der Geschichte die ungewöhnliche Perspektive, aus der erzählt wird. Es werden zwar wahnsinnig viele Kriminalfilme gedreht, aber dass einer gedreht wird, der sich für die Opferperspektive interessiert und dafür, was mit den Zurückbleibenden passiert, habe ich noch nicht so oft gesehen. Das ist etwas, worüber ich mir vorher zu wenig Gedanken gemacht habe. Man ist dieser Attraktion, die das Verbrechen an sich hat, vielleicht zu sehr erlegen. Auch im Nachhinein, wenn ich jetzt in der Zeitung von Kriminalfällen lese, denke ich mehr an die Leute, die da zurückbleiben, als ich es vorher getan habe.

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Es gibt im Film eine Konkurrenz zwischen ländlichen Ermittlern und den Hamburger Polizisten. Wie oft erleben Sie in Ihrem Job als Schauspieler Konkurrenzsituationen?

Schauspielerei ist eine Tätigkeit, bei der Konkurrenz eine starke Rolle spielt. Wie alle Tätigkeiten übrigens, bei denen jeder auf eigene Rechnung arbeitet und wo es wesentlich mehr Leute gibt, die das machen wollen als die es machen können. Aber ich habe dem nie etwas abgewinnen können. Ich finde dieses Konkurrenzempfinden, wenn man dann tatsächlich im Dreh oder den Proben steckt, auch hinderlich. Es soll ja Leute geben, die sich davon pushen lassen und daraus Kraft ziehen.

Es kommt also nicht nur bei der Rollenbesetzung, bei Castings, zu Konkurrenz, sondern auch während Dreharbeiten?

Wir sprechen ja von einem Beruf, der damit zu tun hat, dass man Aufmerksamkeit will. In dem Moment, wo mehrere das wollen, gibt es auch Konkurrenz. Dann gibt es eben Kolleginnen und Kollegen, die dem Irrtum unterliegen, es wäre ihrer Performance zuträglich, wenn alle anderen nicht mehr zu sehen sind. Das ist natürlich Unsinn. Ich habe sehr früh gelernt: Je besser die Leute um mich herum sind, desto mehr kommt es mir zugute.

Sogar als Ihre Figur Bethge schon in Rente ist, fährt er mit der Arbeit fort. Wie stellen Sie sich Ihr Leben im Alter vor? Wollen Sie irgendwann in Rente gehen und nicht mehr schauspielern?

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Ich werde nächstes Jahr 60 und bin kein junger Mensch mehr, aber das ist für mich kein Beruf, bei dem man zu einem festgelegten Zeitpunkt aufhört. Man muss natürlich immer gucken, wie die Möglichkeiten sind und worauf man Lust hat. Aber ich mache mir darüber nicht so große Gedanken. Ich finde Älterwerden auch nicht so ein Problem. Die Alternative zum Älterwerden finde ich ein Problem. (lacht)

Sie sind 2018 als Kommissar im „Polizeiruf“ ausgestiegen, jetzt spielen Sie wieder einen Polizisten. Hatten Sie doch noch nicht genug von der Thematik?

Im Moment ist es im deutschen Fernsehen gar nicht so leicht, irgendwas zu drehen, das nichts mit Polizei zu tun hat. Aber davon abgesehen sind die Fälle doch sehr unterschiedlich gelagert. Ich finde es aber schon ein bisschen monothematisch im deutschen Fernsehen, es wird sich sehr viel fokussiert auf Polizei- und Kriminalgeschichten. Ich fand in diesem Fall jedoch die andere Perspektive reizvoll, dass man auf die Opfer guckt. Aber sagen wir es mal so: An mir liegt es nicht. Ich habe nicht den Lebenstraum, nur Polizisten zu spielen. (lacht)

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