• Startseite
  • Medien & TV
  • “Masked Singer”, “DSDS” und Co. – Warum die beliebtesten TV-Formate nicht aus Deutschland kommen

“Masked Singer”, “DSDS” und Co. – Warum die beliebtesten TV-Formate nicht aus Deutschland kommen

  • Showformate wie “The Masked Singer” oder “Let’s Dance” erreichen Woche für Woche Topquoten – trotz der Corona-Krise.
  • Doch sie haben eines gemeinsam.
  • Kein einziges ist in Deutschland entwickelt worden.
Anzeige
Anzeige

Stell dir vor, es ist Showtime, und keiner geht hin: Pro7 setzt “The Masked Singer” allerdings trotz Corona-Krise unverdrossen fort; der Applaus kommt dieser Tage halt vom Band. Am Dienstagabend wurden Sänger Angelo Kelly (Kakerlake) und Schauspielerin Rebecca Immanuel (Göttin) demaskiert. 26,2 Prozent der 14- bis 49-Jährigen sahen zu. Eine Topquote! Die Show ist der mit Abstand größte Überraschungserfolg der letzten Jahre.

Dabei ist das Konzept ganz einfach: Verkleidete Prominente mit Gesangstalent geben bekanntes Liedgut zum Besten, eine Jury soll erraten, wer sich unter den Masken verbirgt, und das TV-Publikum kürt den Sieger. Allerdings muss man auf diese Idee erst mal kommen, und tatsächlich ist das Konzept origineller als schlichte Talentsuchen wie “Deutschland sucht den Superstar” (DSDS), “Das Supertalent” oder ein Tanzwettbewerb wie “Let’s Dance” (alle RTL).

Kein Erfolgsformat stammt aus Deutschland

Diese Erfolgsformate haben nun aber eines gemeinsam: Kein einziges ist hierzulande entwickelt worden. Es fällt auf, dass es im hiesigen Unterhaltungsprogramm nur so von Importen wimmelt. Das deutsche Fernsehen ist anscheinend kein guter Nährboden für Formatkonzepte.

Anzeige

Dafür gibt es zwei Erklärungen. Es seien hohe Investitionen nötig, um ein Konzept auf Serienreife zu trimmen, erläutert Ute Biernat, Geschäftsführerin der Ufa-Tochter Show & Factual (“DSDS”, “Das Supertalent”): “Jede Entwicklung, jede Pilotsendung kostet natürlich erst mal; und manchmal bleibt es auch nicht bei nur einem Piloten. Es wird getestet und getestet.” Deutsche Sender seien noch lange nicht so weit, “dass Entscheider auch mal ein Wagnis eingehen, ohne sich auf Marktforschung und Zahlen zu verlassen”.

“The Masked Singer”-Original stammt aus Südkorea

Anzeige

RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm sieht das ähnlich: “In Deutschland hat sich ein gewisses Misstrauen in Bezug auf Konzepte entwickelt; für TV-Macher ist es leichter, anhand einer visuellen Umsetzung Entscheidungen zu treffen.” Ein Beleg dafür ist ausgerechnet “The Masked Singer”. Das Originalformat kommt aus Südkorea, aber seinen Weg nach Deutschland fand es erst, als es in den USA adaptiert wurde. Allerdings hat sich das deutsche Fernsehen schon in der Vergangenheit nicht als innovationsfreudige Formatschmiede hervorgetan. Sturm spricht von traditionellen Vorbehalten: “Es gibt bei uns quer durch alle Bereiche eine tiefe Kluft zwischen ernsthafter und unterhaltender Kultur; natürlich auch im Fernsehen.” Deshalb sind Unterhaltungskonzepte hierzulande schon früh importiert worden, allen voran der Klassiker “Was bin ich?” (1955 aus den USA).

Der Medienwissenschaftler und Unterhaltungsspezialist Gerd Hallenberger nennt auch einen Grund: “Das deutsche Fernsehen sollte einst als Bildungsmedium dienen. Unterhaltungssendungen wurden nur halbherzig und zähneknirschend produziert; die Redaktionen sahen sich vor allem als Kulturvermittler.” Das verdeutliche eine Anekdote aus den früheren Sechzigern, als sich ein neuer Unterhaltungsredakteur des Bayerischen Rundfunks beim Pförtner erkundigt habe: “Wo geht’s denn hier zur Abteilung Firlefanz?”

Eigenentwicklungen bei RTL

Ein Konzept entwickeln kann dabei doch jeder. Frank Elstner genügten 1980 ein Küchentisch und eine Flasche Wein, um in einer schlaflosen Nacht “Wetten, dass …?” zu erfinden. Tatsächlich scheinen sich die Zeiten zu ändern, wie ein Blick in die Programme jenseits von RTL zeigt: Es gibt Eigenentwicklungen. Bei Pro7 sind dies aktuell “Schlag den Star”, “Das Duell um die Welt” oder “Joko & Klaas gegen Pro7”, bei der ARD “Wer weiß denn sowas?”, “Klein gegen Groß”, “Frag doch mal die Maus”, “Hirschhausens Quiz des Menschen”, “Ich weiß alles!” oder “Quizduell”, beim ZDF “Der Quizchampion” oder “Bares für Rares”.

Anzeige

Aber kann man schon von einem Umkehrtrend sprechen? Womöglich ja. Ute Biernat führt “Wer weiß denn sowas?” an. Das ARD-Vorabendquiz funktioniere so gut, weil es die perfekte Mischung aus Unterhaltung, Vermittlung von Wissen und Alltagstipps sei. Das Format sei bereits in sieben Länder verkauft worden.

RND/Tillmann P. Gangloff

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen