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  • Markus Lanz: Sportjournalist kritisiert UEFA-Verbot der Regenbogen-Beleuchtung in München – „Kniefall vor Orban“

Sport­journalist kritisiert Uefa-Verbot des Münchner Regen­bogen­stadions: „Knie­fall vor Orban“

  • Die Uefa sagt Nein: Die Münchner Allianz-Arena darf zum Spiel gegen Ungarn nicht in Regen­bogen­farben leuchten.
  • Das Land verabschiedete vor Kurzem ein Gesetz, das die Rechte der LGBTQ-Community einschränkt.
  • Sport­journalist Lucas Vogelsang vertrat bei „Markus Lanz“ dazu eine klare Meinung.
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Leuchtet sie oder leuchtet sie nicht? In den vergangenen Tagen wurde die Frage diskutiert, ob die Münchner Allianz-Arena zum EM‑Spiel der deutschen Fuß­ball-National­mannschaft gegen Ungarn in den Regen­bogen­farben erstrahlen darf. Die Uefa verbot schließlich das Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Community, die in Ungarn mit einem neuen Gesetz gegängelt wird. Bei „Markus Lanz“ wurde die Diskussion am Dienstag aufgegriffen, und alle Gäste bedauerten die Entscheidung des europäischen Fuß­ball­verbandes. Sport­journalist und Pod­caster Lucas Vogelsang bemerkte allerdings, es wäre sinnvoller gewesen, auch bei den vergangenen Partien gegen Frankreich und Portugal das Stadion in den Pride-Farben leuchten zu lassen. „Wieso nicht an allen drei Spiel­tagen die Regen­bogen­fahne?“

Statt­dessen mache man es „ausgerechnet gegen Ungarn“ und liefere der Uefa Argumente für das Verbot: „Damit ist es aber die Steil­vorlage für die Uefa zu sagen: Damit ist es ein politisches Signal“ – und könne auch so instrumentalisiert werden. Warum diese politische Dimension im Fuß­ball immer offen­sichtlicher wird? „Es ist deshalb noch politischer geworden, weil die Politik Ideen in den Fuß­ball gebracht hat – die gut sind“, so Vogelsang. Im Gegen­satz zur großen Geste Stadion­beleuchtung wird Manuel Neuers Regen­bogen-Kapitäns­binde anlässlich des Pride-Month – die weiterhin erlaubt bleibt – als Einsatz aus der Mannschaft heraus bewertet.

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Schadet oder nutzt der Protest Viktor Orban?

Doch schadet der Protest wirklich Ungarns Minister­präsidenten Viktor Orban, der für seine restriktive Politik gegen Homo­sexuelle und Trans­gender kritisiert werden soll? Journalist Robin Alexander war da anderer Meinung, er sieht vielmehr die Gefahr einer Instrumentalisierung. „Es ist doch nicht so, dass das für Herrn Orban ein harter Schlag ins Kontor wäre. Im Gegenteil, es ist eine Steil­vorlage. Wenn man ihm den Gefallen tut, dass man ihn dort ausbuht, dann wird das in Ungarn rauf und runter gespielt.“ Die Medien vor Ort würden das Narrativ weiter­tragen, dass Europa die ungarische Gesell­schaft verändern wolle.

Für Tobias Hans, CDU-Politiker und Minister­präsident des Saar­lands, war es „total schade“, dass auf die Regen­bogen­farben an der Allianz-Arena verzichtet wird. Robin Alexander merkte hingegen an, dass die „Ehe für alle“ in Deutschland auch erst vor vier Jahren eingeführt wurde – und die CDU lange mehr­heitlich dagegen gewesen sei.

Vermeintliche Bigotterie Deutsch­lands spielte in diesem Fall für Lucas Vogelsang eine unter­geordnete Rolle. „Es geht bei dieser Europa­meisterschaft auch um europäische, um westliche und um demokratische Werte. Und dann sind die Regen­bogen­farben nicht nur eine deutsche Idee, sondern eine gesamt­europäische Idee.“ Vogelsang zeigte sich erfreut, dass die Debatte nun überhaupt geführt werde. „Wann denn sonst, wenn nicht jetzt“, habe man die Chance, über solche Werte zu diskutieren?

„Das ist ein klassisches Shit-Sandwich“

So sei es seiner Meinung nach auch kein Zufall gewesen, dass das Gesetz zur Einschränkung der Rechte Homo­sexueller in Ungarn während des Turniers verabschiedet wurde. Die Entscheidung der Uefa sei ein „Kniefall vor Orban“, so Vogelsang. Die Uefa würde den ungarischen Minister­präsidenten immer als Verbündeten sehen. „So wie er damals Zäune gebaut hat, macht er jetzt die Grenzen für die Uefa auf, um die Stadien voll­zumachen“, spielte er auf Ungarns unnach­giebige Rolle in der Flüchtlings­thematik an.

Dabei hat Vogelsang nicht allein die Situation in Ungarn und die Position des europäischen Fußball­verbandes im Blick, sondern den Welt­fuß­ball an sich: 2018 fand die WM in Russ­land statt, 2022 steht die höchst umstrittene Welt­meisterschaft in Katar an. „Das ist ein klassisches Shit-Sandwich“, kommentierte der Sport­journalist. Dies würde viel über den Zustand des Fuß­balls aussagen. Die Debatte kritisierte er als „bigott“, da erst die Frage nach der Regen­bogen­beleuchtung eines Stadions nötig sei, um dies zum Thema zu machen. „Wir wissen seit Monaten, dass wir gegen Ungarn spielen.“ Mehr noch: „Seit zehn Jahren wissen wir, wir spielen in Katar, warum wachen wir erst auf, wenn wir mittendrin sind?“

RND/Teleschau

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