„Die falsche Idee“: Claudia Neumann kritisiert bei Markus Lanz die EM-Austragung

  • Fast 60.000 Menschen im Stadion – und gleichzeitig steigen die Inzidenzen, etwa in Großbritannien, stark an.
  • Ist das gesellschaftlich vertretbar oder einfach nur leichtsinnig?
  • EM-Reporterin Claudia Neumann kritisiert bei Markus Lanz den Austragungsmodus, Virologin Jana Schroeder klärt zur Delta-Variante auf.
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Knapp 58.000 Menschen, kaum Abstand, so gut wie keine Masken: Beim EM-Halbfinale zwischen Spanien und Italien im Londoner Wembley-Stadion war von der Corona-Pandemie wieder einmal nicht mehr viel zu spüren – und das, obwohl in Großbritannien wegen der Verbreitung der Delta-Variante die Inzidenzen gerade besorgniserregend in die Höhe schnellen. Generell scheiden sich am Austragungsmodus der paneuropäischen EM mit Spielen in elf Ländern die Geister.

Auch EM-Reporterin Claudia Neumann sparte am späten Dienstagabend als Gast im ZDF-Talk „Markus Lanz“ nicht mit Kritik. „Das ist definitiv eine Europameisterschaft, die es nicht auf meine Top Ten, nicht einmal Top 20 schaffen wird“, sagte die Journalistin. Es sei „die falsche Idee“ gewesen, trotz der Pandemie an der gesamteuropäischen Ausrichtung festzuhalten. Außerhalb der Stadien habe „alles, was ein Fußballfest ausmacht, so nicht stattgefunden“, beobachtete Neumann. In den Arenen sei die Situation eine andere gewesen: „Das, was wir in den Stadien mit zunehmender Dauer des Turniers erlebt haben, konterkariert genau das, was wir gerade hören.“

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Ihrer Meinung nach hätte man sich bei der EM-Organisation an der Austragung der Champions-League-Endrunde 2020 orientieren sollen, also sich auf „einen Austragungsort, vielleicht noch zwei Länder“ festlegen. Die Realität zeichnet freilich ein eigenes Bild. Neumanns Reiseroute bei der EM ging von St. Petersburg über Warschau nach Kopenhagen, dann weiter nach München, Rom, Frankfurt und nochmals Kopenhagen. „Natürlich hat man mit den Emotionen gespielt, den Menschen wieder das normale Leben zurückgeben zu wollen“, beschrieb Neumann. Aber: „Das Ganze ist in der jetzigen Zeit alles sehr diskutabel und auf die Spitze getrieben.“

„Ohne Immunität keine Normalität“

Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass es nach den EM-Spielen Corona-Ausbrüche gab, etwa in Schottland. Das sei „nicht besonders überraschend“, schaltete sich Jana Schroeder in die Diskussion ein. Die Impfquoten seien schlichtweg „noch nicht hoch genug, um einen Gesellschaftsschutz daraus ableiten zu können“, erläuterte die Virologin. Gleichzeitig wies sie auf die hohe Wirksamkeit des vollständigen Impfschutzes hin – auch gegen die grassierende Delta-Variante.

Schroeder zeigte sich nicht nur überzeugt davon, dass „ohne Immunität keine Normalität“ möglich sei, sondern warnte auch davor, dass eine hohe Inzidenz in einer teilgeimpften Gesellschaft „Varianten züchtet“. Kurz- bis mittelfristig gebe es ausschließlich die Wahl zwischen „infiziert oder geimpft“. Umso überraschter zeigte sich Schroeder von dem „großen Vertrauensvorschuss in das Virus“ – sprich, dass bei manchen Menschen offenbar eine größere Angst vor Impfschäden bestehe als vor den Spätfolgen des Coronavirus.

Dabei sei Long Covid gemäß der Medizinerin „eine sehr große Unbekannte“, die Erwachsene und Kinder gleichermaßen betreffe. Den Hinweis von Gastgeber Markus Lanz auf die sinkende Zahl an Krankenhausaufenthalten und Covid-Toten ließ Schroeder nur teilweise gelten. Diese Entwicklung liege auch an der hohen Impfquote bei den Älteren. Und bei den Jungen „dauert es einfach länger“, so die Virologin: „Weil sie jung sind, sind sie zäh.“ Längere Behandlungen an der künstlichen Lunge seien bei jüngeren Patienten normal.

Im ZDF-Talk von Markus Lanz stand zunächst die Plagiatsdebatte zu Annalena Baerbocks Buch „Jetzt auf der Agenda. Einmal mehr erwies sich der Gastgeber im Gespräch mit dem Grünen-Politiker Oliver Krischer als hartnäckiger bis gnadenloser Fragensteller. Die Argumentation Krischers bezeichnete er unter anderem als „Nebelkerzen-Wurfaktion“.

RND/Teleschau

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