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Mark Ruffalo in Doppelrolle: Serie “I Know This Much Is True” wird literarischer Vorlage gerecht

  • Wie schon bei den “Avengers” übernimmt Mark Ruffalo in der Serie “I Know This Much Is True” eine Doppelrolle.
  • Die Sky-Serie dreht sich um Zwillingsbrüder, die eine schlimme Familiengeschichte durchlitten haben.
  • Der Erzählton ist reichlich düster, doch überzeugt die Serie durch das ehrliche Interesse an den Figuren.
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Mark Ruffalo ist mit Doppelrollen vertraut. Schließlich muss er sich als Mitglied im “Avengers”-Team vom verschrobenen Wissenschaftler Bruce Banner in einen wütenden, giftgrünen Hulk verwandeln. In dem HBO-Sechsteiler “I Know This Much Is True” übernimmt Ruffalo nun die Rollen gleich beider Zwillingsbrüder Dominick und Thomas Birdsey. Auch hier geht es um zwei konträre Persönlichkeiten, die zwar in unterschiedlichen Körpern stecken, aber dieselbe Familiengeschichte durchlitten haben.

Die Handlung setzt im Jahr 1990 ein, als Thomas sich aus Protest gegen den herannahenden Golfkrieg den rechten Arm abschneidet. Seit seiner High-School-Zeit leidet er an einer paranoiden Schizophrenie. Bisher lebte er mit entsprechender Medikation in einer betreuten Wohneinrichtung.

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Rückblenden beschreiben verdrängte Erinnerungen

Nach dem Vorfall wird er in eine Hochsicherheitspsychiatrie verfrachtet – ein Albtraum für einen Paranoiker wie ihn. Mit allen Mitteln versucht Dominick, ihn dort herauszuholen. Zeit seines Lebens war er für den Bruder verantwortlich. Die Sorge um Thomas treibt ihn an, führt jedoch auch dazu, dass er die eigenen Probleme verdrängt. Erinnerungen an die Kindheit, an der Thomas wahnsinnig wurde, steigen in Dominick hoch. Er war immer der stärkere von den Brüdern und der bevorzugte Sohn des gewalttätigen Stiefvaters (John Procaccino). Schuldvorwürfe haben sich tief in seine Seele hineingefressen.

In Rückblenden arbeitet sich Regisseur Derek Cianfrance (“Blue Velvet”) in die verdrängte Erinnerung vor und erzählt die Geschichte einer dysfunktionalen Familie über mehrere Generationen hinweg. Sicherlich ist “I Know This Much Is True” kein Kuschelfilm für Quarantänezeiten, aber die lange Erzählform eines Sechsteilers hat ihre Berechtigung. Cianfrance, der den 900 Seiten starken Roman von Wally Lamb – deutscher Titel: “Früh am Morgen beginnt die Nacht” – adaptiert, lässt sich ganz auf die psychologische Tiefe seiner Vorlage ein. Während im Kinoformat Traumabewältigung stets wie ein Kinderspiel erscheint, bei dem die Katharsis oft schon kurz nach der Problemaufstellung eingeleitet wird, bietet die fast sechsstündige Serie adäquatere Erzählmöglichkeiten. So ist Dominicks seelische Genesung ein schmerzhafter, aber überaus glaubwürdiger Prozess.

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“I Know This Much Is True” ab 8. Mai bei Sky zu sehen

Mark Ruffalo gelingt es, beide Bruderfiguren zu komplexen Charakteren auszubauen. Die britisch-indische Schauspielerin Archie Panjabi (“Run”) beeindruckt als Psychologin, die mit insistierender Gelassenheit und analytischer Schärfe die harte Schale ihres aggressiven Patienten aufbricht.

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Umwerfend spielt Rosie O’Donnell die patente Sozialarbeiterin in der Psychiatrie und zeichnet ein präzises Bild der Kraftanstrengungen in diesem weithin unterschätzten Beruf. Auch wenn der düstere Erzählton nicht leicht zu verdauen ist, überzeugt die Serie durch das ehrliche Interesse an den Figuren, die sich kraftvoll entfalten können.

“I Know This Much Is True”, ab 8. Mai bei Sky, 6 Episoden, von Derek Cianfrance, mit Mark Ruffalo, Rosie O’Donnell

RND/Martin Schwickert

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