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„No War“ im Staatsfernsehen

Protest im russischen Staatsfernsehen: Wer ist Marina Ovsyannikova?

Der Screenshot aus der abendlichen Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehen zeigt die Protestaktion von Marina Ovsyannikova während der Liveübertragung am Montag.

Der Screenshot aus der abendlichen Hauptnachrichtensendung des russischen Staatsfernsehen zeigt die Protestaktion von Marina Ovsyannikova während der Liveübertragung am Montag.

Moskau. Es ist eine mutige Aktion mit wohl weitreichenden Folgen für die Initiatorin: Eine Frau springt am Montagabend während der Liveübertragung der Hauptnachrichtensendung „Wremja“ (21 Uhr, vergleichbar mit der „Tagesschau“) des russischen Staatssenders Erster Kanal hinter der Nachrichtensprecherin ins Bild. Sie hält ein Schild mit der Aufschrift „Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen“ in den Händen. Dazu ruft sie mehrmals laut: „Nein zum Krieg!“ Der Sender schaltet nach wenigen Sekunden zu einem Videobeitrag.

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Ovsyannikova zu 30.000 Rubel Strafe verurteilt

Nach der Protestaktion wurde Marina Ovsyannikova, die bei dem russischen Staatssender arbeitet, festgenommen. Laut EU-Angaben galt sie zwischenzeitlich als verschwunden. „Ihre Anwälte dürfen keinen Kontakt zu ihr aufnehmen“, sagte der Sprecher des EU-Chefdiplomaten Josep Borrell am Dienstag.

Später wurde dann bekannt, dass Ovsyannikova wegen eines zuvor veröffentlichten Videos auf Twitter noch am Nachmittag zu 30.000 Rubel (rund 250 Euro) Geldstrafe verurteilt wurde. Der prominente russische Journalist Alexej Wenediktow hatte zuvor ein Foto der Redakteurin mit ihrem Anwalt Anton Gaschinski in einem Gerichtsgebäude veröffentlicht. Nach der Verurteilung sagte sie gegenüber Journalisten, dass sie keine Mitwisser oder Helfer gehabt habe.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

Wegen eines neuen Mediengesetzes in Russland drohen ihr wegen Diffamierung der russische Armee und nach Kremlansicht „falschen“ Aussagen bis zu 15 Jahre Haft.

Protest im russischen Staatsfernsehen: Mitarbeiterin unterbricht Livesendung mit Anti-Kriegs-Plakat

Am Montagabend zeigte sie in einer laufenden Sendung ein Schild und rief: „Stoppt den Krieg“. Offenbar handelte es sich um eine Mitarbeiterin des Senders.

Doch wer ist die Frau, die für eine Protestaktion strafrechtliche Verfolgung in Kauf nimmt?

Schwimmerin, Hundeliebhaberin und zweifache Mutter

Marina Ovsyannikova arbeitet laut ihrer Instagram-Seite seit mehreren Jahren für das russische Staatsfernsehen. Zuvor war sie beim regionalen Sender Kuban TV angestellt. Die heute 44-Jährige studierte laut ihrer Facebook-Seite an der Kuban State University und der Presidential Academy of National Economy and Public Administration in Moskau. 2005 habe sie ihren Abschluss an der Presidential Academy gemacht. Weitere Informationen über ihre Karriere sowie ihrer Aufgabe beim Staatsfernsehen sind nicht bekannt.

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Ovsyannikova hat laut ihres Facebook-Profils zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter im Alter von 17 und elf Jahren, und lebt mit ihnen in Moskau. Ihr Vater sei Ukrainer, ihre Mutter Russin, sagt sie in einem Twitter-Video, das sie vor ihrer Protestaktion veröffentlichte. Sie wurde als Marina Tkachuk geboren und nahm nach einer Hochzeit den Ehenamen Ovsyannikova an. Sie war mit einem Direktor des staatlich kontrollierten TV-Sender Russia Today verheiratet.

Auf Facebook und Instagram schrieb sie über ihre Liebe zu Golden Retrievern. Ein Foto zeigt, dass sie und ihre Familie mehrere Welpen aufgezogen und diese 2021 zur Adoption freigegeben haben.

Während ihres Studiums war Ovsyannikova Wettkampfschwimmerin. Das geht aus einem Interview mit „Yuga.ru“ aus dem Jahr 2002 hervor. Später hielt sie als Freiwasserschwimmerin an dem Sport fest. „Fitness und Schwimmen auf dem offenen Wasser. Bosporus, Wolga, Swimstar und Oceanman“, steht in ihrer Profilbeschreibung auf Instagram.

Ovsyannikova: „Krieg in der Ukraine ist ein Verbrechen“

Ob die 44-Jährige erst nach Ausbruch des Krieges gegen die Ukraine oder schon zuvor Protestgedanken hegte, ist nicht bekannt. Jedoch kündigte sich ihre Aktion in einer Videobotschaft, in der Ovsyannikova den Krieg in der Ukraine als „Verbrechen“ bezeichnet, an dem alleine Wladimir Putin die Schuld trage, an. „In den vergangenen Jahren habe ich leider beim Ersten Kanal gearbeitet und mich mit Kremlpropaganda beschäftigt. Ich schäme mich jetzt sehr dafür“, sagt sie in dem Video.

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Zu sehen ist sie darin mit einer Kette mit den Farben der Flaggen Russlands und der Ukraine. Ovsyannikova nimmt unter anderem Bezug auf die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland 2014 sowie die Vergiftung des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny.

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Der Wortlaut des im Netz verbreiteten Videos in einer Übersetzung:

„Das, was jetzt in der Ukraine geschieht, ist ein Verbrechen. Und Russland ist der Aggressor. Und die Verantwortung für diese Aggression liegt nur auf dem Gewissen eines Menschen – und dieser Mensch ist Wladimir Putin. Mein Vater ist Ukrainer, meine Mutter ist Russin – und sie waren nie Feinde. Diese Kette an meinem Hals ist wie ein Symbol dafür, dass Russland den Bruderkrieg sofort stoppen muss und unsere Brudervölker sich noch versöhnen können.“

In den vergangenen Jahren habe ich leider beim Ersten Kanal gearbeitet und mich mit Kremlpropaganda beschäftigt. Ich schäme mich jetzt sehr dafür. Ich schäme mich dafür, dass ich zuließ, dass vom TV-Bildschirm gelogen wurde. Ich schäme mich dafür, dass ich zuließ, dass Russen in Zombies verwandelt wurden.

Wir haben 2014 geschwiegen, als das alles anfing. Wir sind nicht für Demonstrationen rausgekommen, als der Kreml Nawalny vergiftet hat. Wir haben dieses menschenfeindliche Regime einfach nur stillschweigend beobachtet. Jetzt hat sich die ganze Welt von uns abgewendet. Und noch zehn Generationen unserer Nachfahren werden sich von der Schande dieses Brudermordkrieges nicht reinwaschen können.

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Wir, die russischen Menschen, können denken und sind klug. Es liegt nur an uns, diesen ganzen Wahnsinn zu beenden. Geht demonstrieren. Fürchtet nichts. Sie können uns nicht alle einsperren.“

RND/nis mit dpa und Teleschau

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