Joko und Klaas lassen Sophie Passmann und Co. sprechen: 15 Minuten gegen sexuelle Belästigung

  • Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf übergaben ihre 15 Minuten Sendezeit an Frauen
  • Diese berichteten von Dick-Pics, anzüglichen Sprüchen und sexueller Gewalt.
  • Die Ausstellung “Männerwelten” offenbart, dass sich seit #MeToo nicht viel verändert hat.
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Eine Woche nachdem sich Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf über RTL lustig gemacht haben, zeigen sie in ihren 15 Minuten gewonnener Sendezeit wieder ihre ernste Seite – und lassen Frauen zu Wort kommen. Autorin und Journalistin Sophie Passmann führte durch “Männerwelten”, eine Ausstellung im “Museum of Masculine Art”.

“Diese Kunstausstellung wird nur für 15 Minuten zu sehen sein, viele Teile können verstörend wirken, aber sie sind Teil des Alltags”, sagt Passmann zu Beginn. Die Räume sind allesamt dunkel und bedrohend gehalten, hin und wieder scheint gelbliches oder lila Licht.

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Es bleibt in Deutschland straffrei, ungefragt Penisbilder zu verschicken

Jede siebte Frau in Deutschland hat schon einmal strafrechtlich relevante Gewalt erlebt. Auch wenn die häusliche Gewalt während der Corona-Krise vermutlich zunimmt, war sexualisierte Gewalt schon immer Teil des Alltags von Frauen: von anzüglichen Kommentaren bis hin zu Vergewaltigungen. All diese Dinge thematisiert Passmann bei ihrem Rundgang – unterstützt von berühmten und nicht berühmten Frauen.

Im ersten Raum sind “Dick-Pics” zu sehen – Bilder von Penissen, die Frauen ungefragt über soziale Medien geschickt bekommen. Palina Rojinski führt durch diesen Raum – es sind Bilder, die sie bekam oder ihre Freundinnen, darunter auch welche, die nicht im Rampenlicht stehen.

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Palina Rojinski: “Verstörend und an Missbrauch grenzend”

“Muss man etwas tun, um diese Kunstwerke zu erhalten”, fragt Passmann sarkastisch. “Nein, die wurden uns von den Künstlern ungefragt zur Verfügung gestellt”, antwortet Rojinski und sagt, dass sie es verstörend finde, jedes Mal, und dass das an Missbrauch grenze. In Deutschland allerdings ist das ungefragte Versenden von Schwanzfotos straffrei.

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Passmann greift noch beim Übergang in den zweiten Raum auf, was sich zu diesem Moment wohl in den sozialen Medien abspielen würde. Bestimmt würde jemand schreiben, sie brauche auch mal wieder einen Mann, um entspannter zu werden – oder dass Palina ein bumsbares Outfit tragen würde.

Männer und ihre Kommentare zu Moderatorinnen

Im Anschluss berichtet Jeannine Michaelsen, was in den sozialen Medien über sie geschrieben wurde, während sie “Joko und Klaas – das Duell um die Welt" moderierte. Ein sexistischer Kommentar reiht sich an den nächsten, so schreibt ein Mann etwa, Michaelsen dürfe auch nur moderieren, weil sie danach lutschen müsse. “Wir sind immer dankbar für so viel konstruktive Kritik”, sagt Passmann schließlich sarkastisch.

Rapperin und Schauspielerin Visa Vie ist die Nächste, die abwertende Kommentare vorliest: Sie sei nur ihrer Brüste wegen angestellt, sie solle die Fresse halten und ihm einen lutschen, Visa Vie lutsche bei jedem Rapper, um Interviews zu bekommen.

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Bodyshaming und Sexismus – egal, ob das Opfer in der Öffentlichkeit steht

Influencerin und Model Stefanie Giesinger ist laut eines Nutzers “viel zu dünn, sie bricht bestimmt durch, wenn man sie mal richtig fickt”. Sie solle ihre Spalte zeigen und die Frage kommt auf, ob sie sich ihre Brüste habe amputieren lassen. Die verbalen Angriffe auf Giesinger zeigen dabei nicht nur das Widerliche von Sexismus, sondern gleichzeitig eine Form des Bodyshaming. Passmann erläutert im Anschluss, dass bei Influencerinnen im Schnitt 16 von 100 Kommentaren sexistisch seien – bei Männern null.

In Kooperation mit der Kampagne Antiflirting 2 werden schließlich Chatverläufe nachgestellt. Simple Gespräche via Twitter, Instagram oder gar auf Verkaufsplattformen wie Ebay. Männer, die Frauen sofort anmachen. Die Gewaltfantasien veröffentlichen, Frauen Schlechtes wünschen, sie als Huren oder fett oder beides bezeichnen.

Anzüglich bis strafbar: Frauen erzählen aus ihrem Alltag

Im vorletzten Raum erzählen Frauen, die kein Teil der Öffentlichkeit sind – die Sexismus und sexuelle Gewalt aber aus ihrem Alltag kennen. Sie berichten von Männern, die bei einem Date im Restaurant einfach ihren Penis auspacken, von Taxifahrern, die ihre Hand auf den Oberschenkel legen und sagen, sie müsse für die Fahrt auch nicht zahlen, oder davon, massiv bedrängt zu werden. Einige Szenen sind nur anzüglich und widerlich, andere strafrechtlich relevant.

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“Männerwelten ist eigentlich eine Dauerausstellung, die während und nach dieser Sendung weitergeht”, sagt Passmann gegen Ende der Tour. Nach wie vor werden geschätzt nur zehn Prozent aller Vergewaltigungen angezeigt. Sie ermuntert Frauen dazu, den Mut aufzubringen, zur Polizei zu gehen – auch wenn dann blöde Fragen gestellt würden, etwa: Welche Kleidung hattest du an?

“What I was wearing”: Frauen zeigen Kleidung, in der sie vergewaltigt wurden

Vielleicht ist der letzte Raum auch deshalb so verstörend: “What I was wearing” heißt er – Was ich anhatte. Dort sind Schaufensterpuppen ausgestellt, die Kleidung tragen, wie Vergewaltigungsopfer sie bei der Tat trugen – dazu erzählt eine Off-Stimme die Geschichte unter der Kleidung. Lange Röcke, Jeans, Schlabberpullis, Badeanzüge, Pyjamas – es spielt nämlich einfach keine Rolle, was eine Frau trägt.

Die Sendung entstand in Zusammenarbeit mit “Terre des Femmes”, die Kleidungsstücke wurden einst von der Universität in Kansas zusammengetragen. Und sie zeigt erneut auf, dass sich am Sexismus und an sexueller Gewalt seit #MeToo nicht viel verändert hat. Die beiden Moderatoren, die ansonsten für viel Klamauk bekannt sind, knüpfen damit auch wieder an an den Beginn der gewonnenen Sendezeit: Damals ließen sie Menschen der Seenotrettung zu Wort kommen.

Auf Twitter jedenfalls kam die Sendung gut an. Viele Nutzer bedankten sich, dass Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf darauf aufmerksam machen. “Die besten 15 Minuten ever”, schreibt eine Frau.

RND/msk



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