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Dieter Hallervorden bei „maischberger“: „Freiheit ist kein Privileg, das verliehen wird“

Am Mittwoch war Dieter Hallervorden bei „maischberger. die woche“ zu Gast. Dabei sprach der Kabarettist unter anderem über seine ersten Wahlen in DDR und BRD.

Mit den Worten „Seit 50 Jahren fast mischt er sich politisch ein“ wurde Komiker, Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden am Mittwoch bei „maischberger. die woche“ angekündigt. Sandra Maischberger wurde der Fauxpas, ihn zuerst als „Dieter Hildebrandt“ vorzustellen, im ARD-Talk schnell verziehen. Der meinungsstarke 86-Jährige – der zuletzt mit seinen Aussagen zum Thema Gendern einen Shitstorm auslöste – sprach dann ausgesprochen offen mit der Gastgeberin über das große Thema Freiheit und die anstehende Bundestagswahl. Die Vergangenheit des DDR-Flüchtlings, der 1958 nach Westberlin kam, hat offenbar große Auswirkungen auf sein gegenwärtiges Denken.

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Hallervordens erste Wahl fand noch in der DDR statt, „ein Erlebnis, das mir ständig in Erinnerung geblieben ist“. Denn sein Gang zur Wahlkabine erfolgte nicht freiwillig. Er wurde von Polizisten abgeholt, um seinen „bürgerlichen Pflichten“ nachzukommen. „In der DDR war man ja bei Wahlen uns weit voraus“, so Hallervorden. „Man wusste ja schon ein Jahr im Voraus, wer gewinnt.“ Da musste sogar Maischberger lachen. Deutlich bessere Erinnerungen hat der Kabarettist an seine ersten Wahlen im Westen. „Das war toll für mich. Das erste Mal in meinem Leben als freier Mensch in eine Wahlkabine gehen zu können.“ Keine Beobachtung und freie Auswahl auf dem Wahlzettel – nach eigener Aussage hätte Hallervorden, wenn er das Geld gehabt hätte, mit Champagner angestoßen.

„Ich muss die Linken nicht noch links überholen“

„Was haben Sie erlebt an Ungleichheit in der DDR?“, fragte Maischberger daraufhin. „Gleichschaltung aller Medien“, war Hallervordens erste Reaktion. In Schule und Studium habe zudem „der Staat immer seine Finger im Spiel gehabt“. Als Dolmetscher führte er zu DDR-Zeiten unter anderem französische Kommunisten durch die Stadt. Dabei hielt er sich ausdrücklich nicht an den Wort für Wort vorgegebenen Text. Genauso hielt er es auch bei einem Symposium auf Usedom. Pech für den heutigen Satiriker, dass Mikrofone in den Tischblumen versteckt waren. „Ich bin da gewarnt worden und schnell noch der Stasi von der Schippe gesprungen.“

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Auf die Frage, ob es stimmen würde, dass er den DDR-Partei- und Staatschef Walter Ulbricht erschießen wollte, antwortete Hallervorden: „Ja, das stimmt schon.“ Allerdings hätte er das im Fernsehen bereits genug erläutert. „Es ist ja leider auch schiefgelaufen.“

Als er schließlich in den Westen flüchtete, bezeichnete er sich als „Antikommunisten“ – wie das in der links geprägten Kabarettistenszene ankam, wollte Maischberger wissen. „Ich habe immer darauf geachtet, zu sagen: Ich muss die Linken nicht noch links überholen.“ Dafür sei er manchmal scheel angeguckt worden. Hallervorden betonte ausdrücklich, sich nicht nach dem Mainstream zu richten. „Ich schwimme gerne gegen den Strom, denn da kommt man am ehesten an die Quelle.“

„Freiheit muss wirklich erkämpft werden“

Aus seinen langjährigen Sympathien für die FDP macht Dieter Hallervorden keinen Hehl – es wurde sogar ein Werbespot mit ihm aus dem Jahr 1983 gezeigt. Bei allen Entscheidungen, die er politisch treffe, laufe dies folgendermaßen: „Mein Kompass ist quasi: Wer garantiert mir meine persönliche Freiheit am besten“, so der Theaterbesitzer. „Denn Freiheit ist ja kein Privileg, das verliehen wird, sondern Freiheit muss immer wieder neu erworben werden.“ Aktuell fühle er sich da bei den Liberalen gut aufgehoben – Erst- und Zweitstimme wolle er der FDP geben.

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So vergleiche er Freiheit immer mit Zeit. „Wenn man Zeit hat, denkt man nicht dran und merkt dann plötzlich: Jetzt habe ich sie verplempert“, erklärte Hallervorden. „So ist es mit Freiheit auch. Sie muss wirklich erkämpft werden.“ Seiner Meinung nach ist Freiheit ein „Gut, das stärker wird, wenn man es braucht, und bei Nichtgebrauch verkümmert“.

„Olaf Scholz ist für mich ein trojanisches Pferd“

Auch zur SPD – aktuell führt deren Kanzlerkandidat Olaf Scholz die Umfragen an – äußerte sich Hallervorden, aber nicht gerade wohlwollend: „Olaf Scholz ist für mich ein trojanisches Pferd.“ So habe die SPD einen Kanzlerkandidaten ins Schaufenster gestellt, der das Programm, welches dahinterstehe, verdecken solle. Es sei hintersinnig, Scholz zwar als Kanzlerkandidaten aufzustellen, ihn aber nicht als Parteivorsitzenden zu wollen. Ohne ihn würden die Sozialdemokraten noch in einem „Jammertal“ von 14, 15 Prozent stecken, meint Hallervorden. In Bezug auf ein mögliches Bündnis von Rot-Rot-Grün und die Haltung der Linken zur Bundeswehr hatte der Theaterbesitzer noch einen Seitenhieb auf die SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken parat: „Wenn man die Frau Esken zur Verteidigungsministerin macht, dann geht das auch. Weil, die ist ja abschreckend genug.“

Gegen Ende wurde Hallervorden noch auf die amtierende Kanzlerin Angela Merkel angesprochen, über die er sich 2005 spöttisch geäußert hatte. „Ich habe die Meinung geändert. Wer 16 Jahre lang Deutschland vertritt und den Ruf von Deutschland in der Welt so gemehrt hat, dem gebührt Anerkennung“, stellt Hallervorden klar. In der Flüchtlingsfrage 2015 sei er auf ihrer Seite gewesen und habe die „Geste der Hospitalität“ begrüßt. Er sei „gerne ins Ausland gefahren. Ich habe mich damit geschmückt.“ Ob Merkels Haltung dazu beigetragen hat, die AfD groß zu machen, kann Hallervorden nach eigener Aussage nicht beurteilen. „Ich bin ja Satiriker. Das heißt, ich kann gut kritisieren, aber ich kann es nicht besser machen.“

RND/Teleschau

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