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„Maischberger“-Talk

Militärexperte Masala zu Russlands Krieg: Westen muss „unberechenbarer“ werden

Sandra Maischberger sprach mit Carlo Masala (links) und Boris Bondarew über die Lage in der Ukraine.

Sandra Maischberger sprach mit Carlo Masala (links) und Boris Bondarew über die Lage in der Ukraine.

Als „total verkorkst“ bezeichnete „t-online“-Chefredakteur Florian Harms am späten Mittwochabend in der ARD-Talkshow „Maischberger“ die Fußball-WM in Katar. Die DFB-Elf war am Nachmittag mit einer unrühmlichen 1:2-Niederlage gegen Japan ins Turnier gestartet, was angesichts der anderen Schlagzeilen, etwa zur „One Love“-Kapitänsbinden-Frage, aber fast zur Nebensache geworden war.

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In geradezu „mafiöser“ Manier hatte die Fifa, so Fußballkommentator Marcel Reif zu Gastgeberin Sandra Maischberger, Konsequenzen angedroht, würde man diese Binde tragen. „Mafiös im Sinne von: Wir sagen euch nicht, was passiert, aber ihr wollt doch nicht, dass was ganz Schlimmes passiert ...“

„Mit Verlaub, ich fands ein bisschen lächerlich“

Mit der Entscheidung, sich der Drohung zu beugen und stattdessen mit der Hand vor dem Mund zu posieren, habe man die Situation eher „verschlimmbessert“, fand „Tagesspiegel“-Kolumnistin Hatice Akyün. „Mit Verlaub, ich fand‘s ein bisschen lächerlich, das hat mich an die drei Affen erinnert“, mokierte sie sich.

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Dass das Kernproblem aber letztlich weniger bei den Spielern auf dem Platz liege als bei den Verbänden, darin waren sich die drei in der Diskussionsrunde weitgehend einig. „Das Geld ist die Droge, die diesen Sport kaputtmachen kann“, befand Harms.

Immerhin - die Geste der iranischen Nationalmannschaft, die beim Abspielen ihrer Landeshymne demonstrativ nicht mitsang, das war eine andere Hausnummer. Oder? Reif zeigte sich davon „zutiefst beeindruckt“, im Iran sei die Aktion „gar nicht gut angekommen“, erzählte am Ende der Sendung die in Teheran geborene deutsch-iranische Ärztin, Politikwissenschaftlerin und Journalistin Gilda Sahebi.

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Kann Putin den Krieg gewinnen?

Doch zuvor wurden noch zwei weitere Themen diskutiert - neben der Bürgergeld-Einigung vor allem der Krieg in der Ukraine, über den Maischberger mit dem Militärexperten Carlo Masala sowie (per Videoschaltung) dem ehemaligen russischen UN-Diplomaten Boris Bondarew sprach, der im Mai nach 20 Jahren seinen Dienst quittiert hatte. Würde es Russlands Präsident Wladimir Putin gelingen, die mittlerweile von einer in weiten Teilen kaputten Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung betroffene Ukraine zu zermürben und in die Knie zu zwingen?

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Auf ein baldiges Ende des Krieges jedenfalls wagten beide Gäste trotz des kürzlichen russischen Rückzugs aus der ukrainischen Seehafenstadt Cherson nicht zu hoffen. Das sei zwar, so Masala ein „wichtiger symbolischer Erfolg“, auch habe die Stadt „zentrale strategische Bedeutung“, von einem wirklichen Wendepunkt könne aber noch keine Rede sein.

Russischer Ex-Diplomat über Putin: „Reiner Wahnsinn“

Eine entscheidende Rolle spiele in diesem Krieg der Westen, glaubt Bondarew. Denn um den Krieg durch Verhandlungen beenden zu können, brauche die Ukraine zunächst eine starke Position, es komme darauf an, welche Unterstützung sie etwa aus den USA und Europa bekomme und wie lange.

Putin selbst sei für ihn „buchstäblich der Führer eines Wolfsrudels“, eine Niederlage könne er sich eigentlich nicht erlauben. Dass sich der Präsident so hatte irren können, indem er offenbar geglaubt hatte, den Krieg innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen gewinnen zu können, schockierte den Ex-Diplomaten im Nachhinein immer noch: „Reiner Wahnsinn!“

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Was aber ist jetzt zu tun? Masala plädierte dafür, dass westliche Länder wie Deutschland „unberechenbarer gegenüber den Russen“ werden sollten. Momentan ziehe man so klare Grenzen und sei so berechenbar, dass man ihnen „komplett freie Hand in der Ukraine“ ließe. Man könnte den Russen zum Beispiel „auch dort Grenzen setzen und das verknüpfen mit der Ankündigung spezieller Waffenlieferungen, die wir bisher noch nicht geliefert haben.“

„Wie ein dritter Weltkrieg“

Möglich seien seitens der EU auch Ankündigungen zu Gazprombank-Sanktionen oder einem SWIFT-Rauswurf ... Für Bondarew war vor allem eines klar: Dass Putin nicht allein gegen die Ukraine Krieg führe, sondern im Grunde gegen die westlichen Länder, die er als Feind betrachte, „wie bei einem dritten Weltkrieg“. Es könne daher „nur eine Lösung geben: indem man nicht zulässt, dass Putin diesen Krieg gewinnt, Punkt.“

Am Schluss der Sendung kam, wie angedeutet, noch mal das Thema Fußball auf den Tisch. Dass Deutsche die Geste der iranischen Nationalmannschaft berühre, könne sie angesichts des wenig mutigen Auftritts der eigenen Mannschaft nachvollziehen, so Gilda Sehabi. Im Iran aber seien viele wütend auf die iranische Elf, etwa weil die sich mit dem Präsidenten Ebrahim Raisi getroffen habe und weil deren Kapitän Ehsan Hajsafi bei der Pressekonferenz erklärt habe, dass iranische Volk sei „nicht glücklich“.

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Im Iran wünschte man sich ein stärkeres Statement

Angesichts der brutalen Geschehnisse im Land sei das eine „seltsame Beschreibung“. Man habe sich ein stärkeres Statement gewünscht. Denn im Iran passiere gerade eine Revolution, für die die Menschen tatsächlich ihr Leben riskierten, auch, weil sie bemerken, dass „endlich mal hingeschaut wird“. Der Zusammenhalt sei trotz massiver Bedrohungen groß, man kämpfe gemeinsam für etwas, beschrieb sie die Situation und zitierte dabei auch die Liedzeile des Rappers Toomaj Salehi, der kürzlich verhaftet und gefoltert wurde: „Unser Schwert ist die Liebe“.

RND/Teleschau

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