• Startseite
  • Medien & TV
  • “Lindenstraße”-Produzent Hans W. Geißendörfer: “Alles, was gut ist, hat auch mal ein Ende.”

„Lindenstraße“-Produzent: „Alles, was gut ist, hat auch mal ein Ende“

  • Im exklusiven Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprechen die beiden Kreativköpfe der „Lindenstraße“, Hana und Hans W. Geißendörfer, über das Serienaus.
  • „Die ‚Lindenstraße‘ gehört zur ARD, und wenn es vorbei ist, ist es eben vorbei“, erklärt Hans W. Geißendörfer.
  • Der Produzent und Autor der Serie glaubt, dass die Einstellung reine Willkür sei.
|
Anzeige
Anzeige

Köln. Am 20. Dezember 2019 fällt in Köln-Bocklemünd nach 34 Jahren die letzte Klappe der ARD-Serie „Lindenstraße“. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sprechen die beiden Kreativköpfe der "Lindenstraße", Hana (35) und Hans W. Geißendörfer (78), über das Aus.

Die allerletzte Folge heißt „Auf Wiedersehen“. Wird die „Lindenstraße“ sich treu bleiben und mit einem Cliffhanger aufhören?

Hans W. Geißendörfer: Auf jeden Fall. Ein Cliffhanger, bei dem viele Spekulationen möglich sind. Der eine oder andere wird danach sagen: Es klingt fast so, als wäre es noch nicht das Ende.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Aber gibt es vielleicht einen oder mehrere Streaminganbieter, die an einer Fortsetzung der „Lindenstraße“ interessiert sind?

Hana Geißendörfer: Es wird nicht weitergehen, die „Lindenstraße“ endet am 29. März 2020 mit der letzten Folge in der ARD.

Hans W. Geißendörfer: Die „Lindenstraße“ gehört zur ARD, und wenn es vorbei ist, ist es eben vorbei. Alles, was gut ist, hat auch mal ein Ende.

So richtig gibt es ja auch gar keinen Grund, warum die „Lindenstraße“ nun eingestellt wird.

Anzeige

Hans W. Geißendörfer: Es ist uns allen ein Rätsel, was die Ursachen der Absetzung anbelangt. Es kann nicht das Geld sein, denn das Geld war ja auch bisher vorhanden. Es ist Willkür, und ich glaube, dass das Wort Willkür auch eine gewisse Boshaftigkeit beinhaltet. Mehr sage ich jetzt nicht. (lacht)

Hana Geißendörfer: Ich glaube, es wäre sehr spannend, in den Fernsehprogramm-Konferenzen mal Mäuschen zu spielen, um die Entscheidungsprozesse mitzukriegen. Da kommt sicherlich vieles zusammen, was man als Außenstehender nie zu Ohren bekommt.

Anzeige

Es gab in der Vergangenheit ja immer mal wieder Verschiebungen der „Lindenstraße“ durch sportliche Großereignisse.

Hana Geißendörfer: Das ist immer ärgerlich. Nichts gegen Sport, aber dauernde Sendezeitverschiebungen oder Folgenausfälle sind nicht besonders zuschauerbindend. Mir wär‘s irgendwann auch zu blöd, wieder um 18:50 einzuschalten, wenn die Sendung, die ich gucken will, dann nicht kommt. Die ARD-Programmdirektion hätte sich etwas Zielführenderes ausdenken können, wenn sie unsere Quote wirklich hätte fördern wollen – im Laden verstecke ich auch nicht die Produkte, die ich verkaufen möchte, im hintersten Regal.

Ist es Ihr Anspruch, jede Figur in der „Lindenstraße“ zu Ende zu erzählen?

Hana Geißendörfer: Als wir die Info bekommen haben, dass es nicht weitergeht, hatten wir nur noch 18 ungeschriebene Folgen bis zur letzten. Wir haben uns große Mühe gegeben, für jede Figur ein gewisses Ende zu entwickeln. Aber die letzte Folge heißt ja nicht umsonst „Auf Wiedersehen“. Jeder darf gespannt sein, wo sich seine Lieblinge in der letzten Folge befinden.

Welches waren aus Ihrer Sicht die schönsten Szenen oder die aufwendigsten Folgen?

Anzeige

Hans W. Geißendörfer: Da bin ich immer sehr zurückhaltend. Für mich als Produzent, Mitautor und teilweise auch Regisseur ist jede Folge eine Herausforderung. Und wenn sie dann fertig ist, findet man, dass sie die beste ist. Bei der nächsten Folge müsste es dann wieder genauso sein. Deswegen kann ich nicht sagen, dass ich irgendwelche Lieblinge hätte. Die „Lindenstraße“ ist ein Gesamtkunstwerk, und jede einzelne Folge ist ein Stück davon. Man kann die „Lindenstraße“ nicht isoliert sehen. Eine Folge reicht nicht. Die „Lindenstraße“ ist eine eigene Welt.

Hana Geißendörfer: Ich hatte zum Beispiel besonders großen Spaß an der Livefolge. Das war, glaube ich, für alle Beteiligten eine ganz neue Herangehensweise und Herausforderung. Wir waren alle voller Adrenalin und denken oft an die spannenden Wochen zurück. Natürlich ist das aber nicht der Alltag der „Lindenstraße“.

Fast 400 Folgen der „Lindenstraße“ sind bereits in der Deutschen Kinemathek in Berlin zu bestaunen. Dabei sendet ihr ja noch bis Ende März 2020.

Hans W. Geißendörfer: Das ist kein Hinderungsgrund. Das Museum ist eine wunderbare Rettungsanstalt und eine Garantie, dass die „Lindenstraße“ auch in zehn Jahren noch gesehen werden kann, wenn man will. Man muss sich natürlich ins Auto, in den Zug oder in die Straßenbahn setzen, um ins Museum zu kommen. Das hängt von der Willensleistung der Zuschauer ab. Aber ich finde es wunderbar, dass wir quasi ein Haus gefunden haben, wo Frau Beimer und Co. noch viele Jahre munter erzählen können, was sie so auf dem Herzen haben.


“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen