Nicolas Puschmann tritt mit Mann bei „Let’s Dance“ an: „Sollte bei Tanz zwischen zwei Männern nicht wegschauen“

  • Ex-„Prince Charming“ Nicolas Puschmann ist einer der „Let’s Dance“-Teilnehmer.
  • Er wird der erste sein, der mit einem männlichen Tanzpartner antritt.
  • Im RND-Interview erzählt er, warum ihm das wichtig ist, wie sein Freund Lars Tönsfeuerborn ihn unterstützt und wie sich sein Leben seit der Partnersuche im Fernsehen verändert hat.
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Sie sind der erste Mann, der bei „Let’s Dance“ mit einem männlichen Tanzpartner antreten wird. Wie ist die Idee entstanden?

Ursprünglich wollte ich mit einer Frau tanzen, weil ich das optisch schön finde, wenn die Kleider der Damen so schön schwingen. Das Gesamtbild wirkt auf mich einfach sehr stimmig. Dann habe ich mich aber auch mit Männertanz beschäftigt und bin auf das männliche Tanzpaar von 2011 aus Österreichs Tanzshow „Dancing Stars“ gestoßen und fand das im ersten Moment ungewohnt. Ich hab mich also selbst als queeres Communitymitglied dabei erwischt, dass ich zwei tanzende Männer im ersten Moment gewöhnungsbedürftig fand. Das war mein Schlüsselmoment. Ich dachte mir, das ist doch genau das, wofür ich stehe. Ich habe damals bei „Prince Charming“ gesagt: Ein Kuss zwischen zwei Männern ist nichts, wo man wegschauen sollte. Wie man auch bei einem Tanz zwischen zwei Männern nicht wegschauen sollte. Was gibt es Schöneres, als zwei Menschen dabei zu beobachten, wie sie eine Leidenschaft teilen und gemeinsam etwas auf der Tanzfläche kreieren? Je öfter die Gesellschaft neue Sachen sieht, desto gewöhnlicher findet sie es. Es gibt leider immer noch viele queere Menschen, die sich nicht trauen, auf der Straße Händchen zu halten, weil es gleich Aufmerksamkeit erweckt. Wenn man gleichgeschlechtliche Paare aber immer öfter sieht, ist es irgendwann nicht mehr der Rede wert. Und das ist das Ziel.

Das ist also auch die Botschaft, die Sie damit nach draußen vermitteln wollen – dass es nichts Ungewöhnliches ist, wenn zwei Männer miteinander tanzen?

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Ja, ich bin ein schwuler Mann, und beim Tanzen geht es um authentische Gefühle. Natürlich kann man die auch mit einer Frau haben, aber ein heterosexueller Mann kann diese rassigen, wahren Emotionen vielleicht mit einer Frau besser hervorbringen, und ich kann es besser mit einem Mann.

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Wie haben Sie sich auf die Sendung vorbereitet?

Aktuell bereite ich mich mit Ausdauersport und „Homeworkout“ vor. Ansonsten achte ich auch sehr auf meine Ernährung und versuche, mich viel zu dehnen. Ein paar Tanzvideos habe ich mir auch schon angeschaut.

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Haben Sie denn schon ein bisschen klassische Tanzerfahrung?

Klassische Tanzerfahrung habe ich nicht, aber Tanzen begleitet mich schon mein Leben lang. Das fing damit an, dass meine Mutter mich als kleinen Jungen zu Bauchtanzfesten mitgenommen hat. Da habe ich das mit dem Tanzen zum ersten Mal ein bisschen mitbekommen. Ich komme vom Dorf, da haben mir auf den Schützenfesten das erste Mal die Mädels gezeigt, wie so ein Diskofox eigentlich funktioniert. Da habe ich die ersten Schritte gelernt und die auf 50. und 60. Geburtstagen immer anwenden können. Aber ich war damals nicht in der Tanzschule und habe keinen Standard- oder Lateintanz gelernt. Da bin ich ein absoluter Neuling.

Ihrer Schützenfesterfahrung zufolge dürfte der bei „Let’s Dance“ auch anstehende Discofoxmarathon dann Ihr Ding sein, oder?

(lacht) Also ich möchte mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, und die Zuschauer müssen mich erst mal in die Show mit dem Discofox wählen, aber das könnte ganz nett werden.. Es ist schon ein bisschen her, aber so was verlernt man ja nicht. Natürlich kommt jetzt die saubere Technik dazu, und wahrscheinlich geht der Tanz dann ganz anders, als man ihn auf dem Schützenfest tanzt. Diese Feinheiten zu lernen, darauf freue ich mich auch.

Bei der klassischen Tanzkonstellation führt der Mann die Frau: Meinen Sie, das könnte schwierig werden mit zwei Männern? Oder lassen Sie sich sowieso führen – weil der andere der Profi ist?

Dadurch, dass ich ein Mann bin und auch mit den Männern verglichen werde, gehe ich davon aus, dass ich führe. Aber was da genau geplant ist, wird man dann sehen. Ich gehe da ganz unvoreingenommen rein und freue mich auf alles, was da kommt.

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Wie sieht’s denn aus mit Hebefiguren – können Sie sich das vorstellen?

Also wenn der Profi meint, mich heben zu können, wieso nicht? Also ich würde das lustig finden, auch mal hochgeschleudert zu werden. (lacht)

2019 waren Sie der erste „Prince Charming“: Seitdem stehen Sie in der Öffentlichkeit. Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Mein Leben hat sich in der Hinsicht verändert, dass sich auf einmal Personen, die ich nicht kenne, für mein Leben interessieren oder auch inspiriert sind davon, dass ich offen schwul bin und das einfach selbstverständlich lebe. Und „Prince Charming“ hat mir natürlich auch ermöglicht, bei Projekten wie „Let’s Dance“ mitwirken zu dürfen. Das ist für mich manchmal immer noch unvorstellbar, dass ich vor zwei Jahren noch bei „Let’s Dance“ im Publikum saß und jetzt selbst auf der Bühne stehen darf.

Bekommen Sie denn viel Feedback von anderen schwulen Männern, die sich durch Sie inspiriert fühlen, offener damit umzugehen?

Es gab gerade nach der Veröffentlichung von „Prince Charming“ einen großen Schwung an Nachrichten und jetzt auch noch mal nach der Vox-Ausstrahlung. Da haben mir viele geschrieben, dass sie sich endlich getraut haben, sich zu outen oder zu sich zu stehen – und sie sich endlich mal mit jemandem identifizieren konnten, weil es zum Beispiel auf dem Dorf kein Vorbild gibt, bei dem sie sehen können, dass schwule Liebe normal ist.

Lars Tönsfeuerborn, für den Sie sich bei „Prince Charming“ entschieden haben“, und Sie geben sich jetzt nach einer zwischenzeitlichen Trennung eine zweite Chance, Sie wollen Ihre Beziehung nun aber privater halten. Wird er Sie dann bei „Let’s Dance“ trotzdem anfeuern?

Ja, natürlich wird Lars mich anfeuern. Ob er das vor Ort macht, weiß ich nicht, weil wir ja gerade noch besondere Maßnahmen haben wegen Corona. Aber sollte es irgendwann möglich sein, wird er auch im Publikum sitzen. Es ging bei uns jetzt darum, dass wir uns etwas zurückziehen und die Beziehung weitestgehend privater halten wollen, was aber nicht ausschließt, dass man uns mal zusammen sieht oder wir mal was von uns preisgeben. Aber wir haben uns in der Öffentlichkeit sehr verrannt und eigentlich nur noch darauf reagiert, was andere von uns wollten. Wir wollen jetzt wieder selbst entscheiden, was wir preisgeben, ohne den Druck von außen und das Gefühl, fremdgesteuert zu sein.

Wie hat Ihr Freund denn reagiert, als Sie ihm erzählt haben, dass Sie bei „Let’s Dance“ mitmachen?

Lars hat sich wahnsinnig für mich gefreut. Er wusste, dass das ein großer Traum von mir war. Er drückt mir alle Daumen und wird mich hoffentlich schön massieren, wenn ich vom Training nach Hause komme, und ein nettes Abendbrot hinstellen. (lacht)

Haben Sie denn als Vorbereitung schon mal mit ihm tanzen geübt?

Wir haben tatsächlich mal zusammen getanzt, aber nur bei meinem Vater und seiner Frau zu Hause, aber das ist nicht der Rede wert. Sonst übe ich nicht mit ihm. Ich weiß gar nicht, ob Lars Standard oder Latein tanzen kann. Ich glaube, er kann es, aber bei ihm könnte ich dann nur die Frauenschritte lernen, das ist mir zu unflexibel (lacht). Da warte ich lieber auf meinen Tanzprofi.

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