ARD-Talk mit Louis Klamroth

Lauterbach wird „Corona-Angst“ und „Cannabis-Euphorie“ vorgeworfen - der kontert scharf

Karl Lauterbach in der ARD-Talkshow "hart aber fair".

Karl Lauterbach in der ARD-Talkshow "hart aber fair".

„Saufen kann keine Legitimation fürs Kiffen sein“, stellte CSU-Politiker Markus Blume am Montagabend bei „Hart aber fair“ ganz nüchtern fest. Der Adressat: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, der die Legalisierung von Cannabis in naher Zukunft in der Ampel-Koalition durchsetzen will. Blume, bayerischer Staatsminister für Wissenschaft und Kultur, quittierte die Pläne im von Louis Klamroth moderierten ARD-Talk mit Unverständnis.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Sie reden von den Gefahren von Cannabis und auf der anderen Seite betätigen Sie sich als jemand, der für die Legalisierung ist“, warf er dem Kabinettsmitglied vor. Das passe für ihn nicht zusammen. Auch Lauterbachs Mahner-Rolle in der Pandemie hatte der Unionspolitiker nicht vergessen: „Corona-Angst auf der einen Seite und Cannabis-Euphorie auf der anderen“, resümierte Blume kopfschüttelnd.

Lauterbach reagiert scharf auf Kritik

Lauterbach reagierte scharf: „Bei so einem komplizierten Thema kommt man mit einem populistischen Gassenhauer nicht weiter“, konterte der Bundesgesundheitsminister und erntete dafür Applaus aus den Reihen der Studio-Gäste. Schließlich habe er einen Plan. Er sehe nur im kontrollierten staatlichen Anbau sowie dem Verkauf und Eigenanbau eine Möglichkeit, dem Cannabis-Schwarzmarkt entgegenzuwirken.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Ich will die Drogenkriminalität wegbekommen“, erklärte der SPD-Politiker und Mediziner. Das funktioniere nur, wenn man selbst gleichsam „am Ausschank“ sitze. Die Einnahmen wolle er dann in die Prävention und Aufklärung von Jugendlichen investieren. „Beim Alkohol geht es runter, beim Cannabis geht es hoch, auch in Bayern“, spielte Lauterbach darauf an, dass die legale Droge Alkohol toleriert werde, ohne dass ihr Konsum überhandnehme. „Wir führen nicht in Bayern den Cannabis ein, sondern Sie kriegen ihn nicht in den Griff!“, setzte es eine ministeriale Spitze in den Freistaat.

Blume geht von steigender Nachfrage nach Legalisierung aus

Blume überzeugte das wenig. Er beharrte auf der gegenteiligen Annahme: Eine logische Folge der Legalisierung sei eine steigende Nachfrage. Der CSU-Politiker rechnet deshalb auch mit „deutlich mehr signifikanten Folgeerkrankungen“. Er wünsche sich einen Gesundheitsminister, der Prävention und Gesundheitsschutz an erste Stelle setze „und nicht Wege findet, wie man für die Jugend den Zugang zu Cannabis legalisiert“.

Lauterbachs Kombi-Plan aus Legalisierung und Aufklärung sei eine Mischung aus „Vollgas und Handbremse“ und führe am Ende nur „zum Schleudergang“. Blume: „Die Vorstellung, dass sich der Staat am Drogenmarkt beteiligt, halte ich für ziemlich absurd.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Jugendpsychologin fordert mehr und frühere Prävention

Mehr Aufklärung über Drogenkonsum an den Schulen mahnte in der „Hart aber fair“-Runde die Psychotherapeutin Sabine Ahrens-Eipper an. „Unsere Jugendlichen werden sowieso illegal konsumieren“, erwartet sie. „Ob Legalisierung ja oder nein, wir brauchen trotzdem Prävention.“ Die Jugendpsychologin forderte in diesem Kontext, „früher in die Schulen zu gehen, in die dritten Klassen“. Man könne nicht erst den 17-Jährigen sagen: „Es ist nicht so gut für dein Gehirn, wenn du kiffst.“

Rapper Curly (bürgerlich: Sebastian Moser) verriet indes: Er sehe sich gezwungen, Marihuana auf dem Schwarzmarkt einzukaufen. Gegen den müsse Politik aber viel stärker vorgehen: „Wer bereits Zugang zum Schwarzmarkt hat, um Cannabis zu kaufen, kann auch sehr leicht auf andere Drogen umsteigen.“

Haben Sie schon mal gehört, dass es einen Schwarzmarkt für eine legalisierte Droge wie Alkohol gibt?

Karl Lauterbach, Bundesgesundheitsminister

Podcasterin und BR-Journalistin Nathalie Stüben (37) hatte anfangs der Sendung offen über ihre Alkoholsucht gesprochen und vor dem Gefahrenpotenzial dieser gesellschaftlich akzeptierten Droge gesprochen. Gegen die Übermacht der Cannabis-Debatte kam sie an diesem Talk-Abend im Ersten allerdings kaum an. So blieb Karl Lauterbach die letzte Pointe vorbehalten: „Haben Sie schon mal gehört, dass es einen Schwarzmarkt für eine legalisierte Droge wie Alkohol gibt?“, fragte er an seinen Widerpart von der CSU gerichtet. Eine Antwort darauf blieb Markus Blume schuldig.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

RND/Teleschau

Mehr aus Medien

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Top Themen

 

Letzte Meldungen