Kritik an Regierung: Verwirrung um kritische BBC-Nachrichtenmoderatorin

  • Emily Maitlis von den BBC-“Newsnight” hatte Boris Johnsons Loyalität zu seinem umstrittenen Berater Dominic Cummings kritisiert.
  • Anderntags war eine neue Sprecherin zu sehen – hatte die BBC ihre kritische Stimme ausgetauscht?
  • “Ich hatte um einen freien Abend gebeten”, stellte Maitlis am Donnerstag klar.
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Der großen Emily Maitlis war vermutlich der Kragen geplatzt. Die Nachrichtensprecherin und Interviewerin von Weltruf hatte Boris Johnsons Berater in ihrer “Newsnight”-Sendung auf BBC2 am Dienstagabend offen getadelt. Dominic Cummings, der Ende März mit seiner Familie zu seinen Eltern gereist war, habe die Ausgangsbeschränkungen wegen der Pandemie missachtet. Maitlis warf Premier Johnson, der den Skandalball über längere Zeit flach zu halten versuchte, “blinde Loyalität” vor.

Cummings habe die Regeln gebrochen: “Das Land kann das sehen und ist geschockt, dass die Regierung das nicht kann”, sagte sie. All die, die bisher unter Anstrengungen versucht hätten, den Corona-Vorgaben zu folgen, stünden wie Dummköpfe da.

Maitlis hatte “Bis morgen” gesagt

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Anderntags war Maitlis‘ Kollegin Katie Razzall bei “Newsnight” zu sehen. Was Zuschauer wunderte, hatte sich Maitlis doch selbst mit einem “Ich werde morgen wieder zurück sein” als Gastgeberin des nächsten Nachrichtenabends angekündigt. Der Sender BBC selbst hatte Maitlis‘ Moderation als unzureichend und dem Neutralitätsgebot zuwiderlaufend beschrieben. Es sei nicht ausreichend deutlich geworden, dass die Anmoderation eine Zusammenfassung der noch offenen Fragen sei. Man habe die Mitarbeiter an die Richtlinien erinnern müssen.

Die Tageszeitung “Guardian” sprach daraufhin von einem “Austausch” und ließ Oppositionspolitiker der schottischen Partei SNP zu Wort kommen. Deren stellvertretender Parteichef Keith Brown sprach von einem “feigen Einknicken der BBC-Bosse”. Die BBC steht schon lange in Boris Johnsons Schusslinie. Der Premier hatte angekündigt, er wolle in Sachen Rundfunkgebühr Nichtzahler entkriminalisieren. Der aktuelle Verdacht: Die BBC wolle sich bei ihrem Kritiker einschmeicheln.

Maitlis nahm Dampf vom BBC-Kessel

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Maitlis selbst, die schon Donald Trump und Bill Clinton interviewt hatte und die zuletzt durch das für Prinz Andrew so desaströs verlaufene Interview über seine Beziehung zu Jeffrey Epstein weltweit Aufsehen erregt hatte, nahm nun bei “BBC News” Dampf vom Kessel. “Ich hatte um einen Abend Auszeit gebeten”, sagte sie. Und dass sie die Sendung bei Katie Razzall “in überaus exzellenten Händen” wusste. Auf Twitter bedankte sie sich bei all denen, die sie als Reaktion auf das neue Gesicht bei “Newsnight” angeschrieben hätten: “Ich bin überwältigt von all der Freundlichkeit, den Botschaften, der Unterstützung hier”, hieß es in einem Tweet.

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Razzall teilte am Mittwochabend mit, sie hätte sich nie damit einverstanden erklärt, die Nachrichtenshow zu präsentieren, hätte der Sender Maitlis gebeten, eine Auszeit zu nehmen.

Cummings war in Statements zu seiner umstrittenen Reise ohne Schuldbewusstsein und kaltschnäuzig erschienen. Das Musterbeispiel eines Mannes in herausgehobener Position, der sich dadurch dem gemeinen Volk enthoben fühlte. Als Grund für die Reise gab er an, er habe die Betreuung seines kleinen Sohnes sicherstellen wollen, da seine Frau an Covid-19 erkrankt war.

RND/big

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