Ein Fremder in Paris: Die Serie „The Attaché“

  • „The Attaché“ erzählt von einem Israeli in Paris nach den Terroranschlägen 2015.
  • Paranoia und Angst fressen sich in die Stadt hinein, die wir aus ungezählten Liebesfilmen kennen.
  • Die Serie ist ein weiterer Beleg für die internationale Klasse von Filmstoffen aus Israel.
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Dass er von anderen sogleich als Ausländer einsortiert wird, muss Avshalom (Eli Ben-David) bereits am Flughafen Charles de Gaulle erkennen: Wo es denn zum Gate gehe, wird er von einem verirrten Reisenden gefragt – und zwar auf Arabisch. Das fällt sogar seinem kleinen Sohn Uri (Ilay Lax) auf: „Woher wusste der Mann, dass du Arabisch kannst?”, will er von seinem Vater wissen.

Avshalom kann nur mit den Schultern zucken, er ist ebenso verdutzt. Klar ist nur eines: Der israelische Jude mit marokkanischen Wurzeln ist auf französischem Boden mühelos als nicht dazugehörig zu identifizieren – und wird sich die nächste Zeit auch als ein solcher fühlen.

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In diesem Moment am Pariser Flughafen wird der Ton der Verunsicherung gesetzt, der die zehnteilige israelische Starzplay-Serie „The Attaché” von Autor und Hauptdarsteller Eli Ben-David durchzieht. Die Serie spielt in einer Welt, an die wir uns in den Zeiten des Terrors bereits gewöhnt haben. Feindseligkeit, Abgrenzung und Misstrauen bestimmen den Alltag.

Der in Israel erfolgreiche Musiker Avshalom hat sich allerdings besonders schlechte Bedingungen für seinen Aufenthalt in der französischen Hauptstadt ausgesucht – auch wenn er sich von nun an in elitären diplomatischen Kreisen bewegt. Er ist seiner französischen Frau Annabelle (Héloïse Godet) in deren Heimat gefolgt. Annabelle hat eine Stellung als Attaché der israelischen Botschaft in Paris angenommen.

Tödliche Angriffe

Doch just am Tag seines Eintreffens schlägt der islamistische Terror zu. So kann das erst einmal nichts werden mit dem erhofften, zunächst auf ein Jahr terminierten Arbeitsurlaub.

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Die tödlichen Angriffe vom November 2015 bilden den historischen Hintergrund für die auf autobiografischen Erlebnissen beruhenden Serie. Die Anschläge vor sechs Jahren waren die schwersten in der Geschichte Frankreichs. 130 Menschen starben.

Die Attacken richteten sich gegen die Zuschauer eines Fußballspiels im Stade de France, gegen die Besucher eines Konzerts im Bataclan-Theater sowie gegen die Gäste von Bars, Cafés und Restaurants. Es konnte jeden treffen.

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Paranoia und Angst

Die Serie macht anschaulich, wie sich Paranoia und Angst in die Stadt hineinfressen, die wir aus so vielen Liebesfilmen kennen. Auch hier leuchtet Paris verführerisch im Sommerlicht. Die sanft dahinfließende Seine und die einladenden Cafés hier, aber auch schrillende Polizeisirenen und tödliche Schüsse dort: Größer könnte der Gegensatz kaum ausfallen.

Wer an diesem Abend des Terrors auch nur eine Zigarettenschachtel mit arabischsprachigem Aufdruck in seiner Tasche hat, verängstigt durch das Chaos in den Straßen hastet und noch dazu kaum ein Wort Französisch spricht, wird erst einmal festgenommen. So ergeht es Avshalom nach dem ersten Streit mit seiner Frau bei der Begrüßungsparty, von der er geflüchtet ist. Stunden später erst kann Annabelle ihren Mann aus dem Gefängnis erlösen.

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Die Folgen des Terrors zieht auch die Beziehung von Avshalom und Annabelle in Mitleidenschaft, ja, das gesamte Familienleben ist betroffen. Darf Sohn Uri ins Kino mit Annabelles Vater, oder ist das zu gefährlich? Bleibt man lieber in der großzügigen Wohnung, oder begibt man sich hinein ins lockende städtische Leben?

Allzu schnelle Verdächtigungen

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Und was ist mit dem arabischen Cafébesitzer an der Ecke? Zieht er womöglich terroristische Fäden? Verdächtigungen setzen sich schnell in den Köpfen fest.

Ein bisschen übertreiben es die Serienmacher mit Avshaloms Albtraumfantasien von Schießereien und Verfolgung. Die Wirklichkeit wäre schon so bedrängend genug gewesen.

Dazu kommen Avshaloms ganz normale Integrationsprobleme: Zu Hause war er ein bekannter Künstler, hier ist er ein Niemand. Und von manchen wird er auch so behandelt. Sein Sohn gilt als eine Art jüdisches Exotenkind unter den Schülern.

Zudem kann Avshalom seine Erfahrungen in Israel nicht so leicht abstreifen. Er stammt aus einem politisch und militärisch hart zuschlagenden Land, das nie wieder Opfer werden will. „In Israel hätten sie die Täter längst schon erwischt”, sagt er einmal verächtlich – Nur um dann wieder frustriert zu erkennen, dass er vom Regen in die Traufe geraten ist: „Ich hatte gedacht, den ganzen Scheiß in Paris hinter mir zu lassen.”

Der Anfangsthrill geht nach dem furiosen Auftakt ein bisschen verloren, aber die Anspannung bleibt auch nach vier zur Sichtung freigegebenen Episoden dieses politisch aufgeladenen Cultureclashs.

Die Serie „The Attaché” ist ein weiterer Beleg für die Klasse israelischer Serien, die schon seit Jahren auf dem internationalen Markt Erfolge feiern.

„The Attaché”, zehn Episoden bei Starzplay, von Eli Ben-David, mit Eli Ben-David, Héloïse Godet, Ilay Lax

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