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„Ginny & Georgia“ auf Netflix: „Gilmore Girls“ in düster

  • „Gilmore Girls“ trifft auf Mördermystery: Die Netflix-Produktion „Ginny & Georgia“ ist keine seichte Teenieshow.
  • Die Serie handelt von einem Mutter-Tochter-Gespann, das unterschiedlicher nicht sein könnte und dunkle Geheimnisse hütet.
  • Preisverdächtig ist die Serie nicht, dennoch sorgt sie für gute Unterhaltung.
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Die Beziehungen zwischen Müttern und Töchtern sind seit jeher guter Stoff für Serien: Da war die allseits beliebte Show „Gilmore Girls“ (2000–2007), das Drama nach Buchvorlage „Little Fires Everywhere“ (2020) oder die Sitcom „Mom“ (seit 2013). Auch die neue Netflix-Serie „Ginny & Georgia“ dreht sich um ein Mutter-Tochter-Gespann, das allerdings ziemlich unterschiedlich ist und große Probleme hat.

Ginny ist manchmal vernünftiger als ihre Mutter

Einmal ist da Georgia Miller (Brianne Howey). Sie hat lange blonde Haare, spricht einen charmanten Südstaatenakzent und ist fröhlicher Natur. Die 30-Jährige stammt aus ärmlichen Verhältnissen und wurde bereits als Jugendliche schwanger. Seitdem muss sie sich durchs Leben kämpfen und auf unkonventionelle Methoden zurückgreifen, um den Lebensunterhalt ihrer Familie zu bestreiten.

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Ihre Tochter Ginny (Antonia Gentry) ist 15 Jahre alt und mitten in der Pubertät: Sie hat dunkelbraune Locken, ist eher schüchtern und manchmal vernünftiger als ihre eigene Mutter. Ihr Vater Zion (Nathan Mitchell) ist Afroamerikaner und war die erste große Liebe von Georgia – die Beziehung hielt aber nicht lange. Später bekam Georgia einen weiteren Sohn, den neunjährigen Austin (Diesel La Torraca).

Georgia und ihr Ex-Freund Zion. © Quelle: COURTESY OF NETFLIX

Mysteriöser Tod von Georgias Ehemann

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Nach dem mysteriösen Tod von Georgias Ehemann zieht die dreiköpfige Familie nach Wellsbury, eine beschauliche Stadt im pittoresken Neuengland im Nordosten der USA. Ginny lernt in ihrer neuen Highschool schnell neue Freundinnen kennen, sie ist plötzlich beliebt und hat sogar einen Freund. Auch Georgia kommt in der neuen Umgebung gut an. Bereits nach wenigen Tagen wird sie vom gut aussehenden Bürgermeister Paul (Scott Porter) im Rathaus eingestellt, der nicht nur ihr Boss, sondern später auch ihr Liebhaber wird.

Doch ihr altes Leben holt Georgia wieder ein. Sie hat Geldprobleme, weil das Erbe ihres verstorbenen Ehemanns angefochten und nicht an sie überwiesen wird. Darüber hinaus hütet sie viele Geheimnisse vor ihren Kindern. Zum Beispiel hat sie ein Geheimfach im Kleiderschrank, in dem sie Briefe versteckt, die Austin eigentlich an seinen Vater geschickt hatte.

Auch Ginny behält vieles für sich, so fängt sie ein Verhältnis mit dem Nachbarsjungen Marcus an, welcher der Bruder ihrer neuen besten Freundin Max ist. Außerdem hat sie starke psychische Probleme und verletzt sich selbst. Ginny hadert mit ihrer Umgebung, denn sie ist eine von wenigen schwarzen Kindern an ihrer Schule.

„Gilmore Girls“ trifft auf Mördermystery

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Zeitweise erinnert die Serie an „Gilmore Girls“: Die Beziehung zwischen Mutter und Tochter ist ebenso niedlich und lustig wie die zwischen Lorelai und Rory. Die Drehbuchautorinnen und -autoren nehmen die Ähnlichkeit sogar auf die Schippe. „Wir sind wie die ‚Gilmore Girls‘, nur mit größeren Brüsten“, sagt Georgia in einer Szene zu ihrer Tochter.

Doch „Ginny & Georgia“ hat jede Menge dramatische Wendepunkte, welche die Netflix-Produktion düster und ernst werden lassen. Als klar wird, dass der Mann von Georgia wahrscheinlich keines natürlichen Todes gestorben ist, steht sie unter Verdacht. Auch um den Vater von Austin gibt es ein Mysterium – er wurde seit vielen Jahren nicht mehr gesehen und gilt als vermisst.

Die deprimierenden Themen passen nicht ganz in das bunte Wellsbury-New-England-Bild. Andere Serien meistern diesen Spagat besser, zum Beispiel die Reese-Witherspoon-Produktion „Big Little Lies“, die mit dunklen Farben auf die düstere Atmosphäre einstimmt und Charaktere vielschichtig darstellt.

„Ginny & Georgia“ versucht krampfhaft einen modernen Teenageralltag darzustellen, in dem es um Themen wie Rassismus geht. Das wird deutlich, als sich Ginny mit ihrem asiatisch-amerikanischen Freund Hunter darüber streitet, wer mehr Rassismus erlebt. Anstatt diese Möglichkeit für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit dem Thema zu nutzen, verfällt die Serie in einen Dialog, der an einen Twitter-Streit erinnert. Es fallen Begriffe wie „Twerken“, „Oppression Olympics“ (zu deutsch Unterdrückungsolympiade) oder sarkastische Aussagen wie „zusammen ergeben wir eine ganze weiße Person“.

„Ginny & Georgia“, bei Netflix, zehn Episoden, von Sarah Lampert, mit Brianne Howey, Antonia Gentry, Diesel La Torraca (bereits streambar)

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