Kritik an Zeitungsverlegerpräsident Mathias Döpfner wächst

  • Eine private Kurznachricht des BDZV-Präsidenten Mathias Döpfner sorgt für Diskussionen.
  • Der Axel-Springer-Chef hatte den damaligen „Bild“-Chef Julian Reichelt als letzten Journalisten bezeichnet, der gegen den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre.
  • Neue Kritik kommt nun auch von der Funke-Mediengruppe, der „Stern“-Chefredaktion und der Madsack Mediengruppe.
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Hannover. Nach dem Bekanntwerden einer privaten Kurznachricht nimmt die Kritik an Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner zu. Der 58-Jährige hatte den ehemaligen „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt als letzten und einzigen Journalisten in Deutschland bezeichnet, der noch mutig gegen den „neuen DDR-Obrigkeitsstaat“ aufbegehre.

Christoph Rüth, Geschäftsführer der Funke-Mediengruppe („Hamburger Abendblatt“, „WAZ“) sagte auf Anfrage von „Übermedien“: „Der Axel-Springer-Verlag hat die Aussagen von Mathias Döpfner heute ja eingeordnet und festgestellt, dass er die Bundesrepublik auch in Corona-Zeiten keineswegs für vergleichbar mit der DDR halte. Allem anderen hätten wir auch klar widersprochen. Die – wenn auch angeblich überspitzte – Formulierung ‚Propagandaassistenten‘ für die Mehrheit der Journalistinnen und Journalisten halten wir für völlig unpassend.“ So ein Gedanke und eine derartige Tonlage seien dem Amt eines BDZV-Präsidenten nicht angemessen, so Rüth. „Die Journalistinnen und Journalisten in Deutschland sind nämlich ganz überwiegend ihrer Wächterfunktion nachgekommen und haben die Corona-Maßnahmen der Bundes- beziehungsweise der Landesregierungen kritisch begleitet beziehungsweise tun es noch.“

„Stern“-Chefredakteur Florian Gless geht in seinem Kommentar auf stern.de noch weiter. Er schreibt über den DDR-Vergleich: „Hier verfällt der CEO eines der größten deutschen Medienkonzerne der ‚Querdenker‘-Lyrik.“ Gless fordert: „Döpfner sollte von allen Posten und Ämtern zurücktreten.“

„Unangemessene Herabsetzung für alle Journalisten“

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Auch die Madsack Mediengruppe hat sich kritisch zu der Debatte geäußert. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Madsack Mediengruppe, Thomas Düffert, teilte am Donnerstag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Die Madsack Mediengruppe ist mit ihren Zeitungstiteln in Norddeutschland, aber insbesondere auch in vielen ostdeutschen Bundesländern journalistisch stark engagiert. Die aus einem privaten Umfeld heraus nun öffentlich gewordenen Aussagen von Herrn Döpfner sind für alle Journalistinnen und Journalisten der Madsack Mediengruppe und sicherlich auch darüber hinaus eine unangemessene und verfehlte Herabsetzung.“

Düffert teilte weiter mit: „Mittlerweile wurden die Aussagen vom Axel-Springer-Verlag relativiert und entsprechend eingeordnet. Grundsätzlich sollte jedoch auch in privaten Diskussionen kein Zweifel an der Integrität und Unabhängigkeit der Redaktionen der Zeitungsverlage aufkommen, sondern diese sollten gerade gegen derartige Vorwürfe verteidigt werden.“

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Die Madsack Mediengruppe hat zahlreiche Tageszeitungen in vielen Bundesländern im Portfolio. Dazu gehören unter anderem „Hannoversche Allgemeine Zeitung“, „Märkische Allgemeine“, „Leipziger Volkszeitung“ und „Dresdner Neueste Nachrichten“.

Döpfner ist seit 2016 der amtierende Präsident des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Düffert ist BDZV-Vizepräsident.

Der Springer-Konzern hatte die Kurznachricht, die die „New York Times“ am Sonntag in einen Bericht über das Medienhaus, die Unternehmenskultur und Vorwürfe gegen den damaligen „Bild“-Chefredakteur Reichelt eingebettet hatte, als Ironie eingeordnet.

Döpfner wandte sich in Videobotschaft an Mitarbeiter

Döpfner halte die Bundesrepublik „selbstverständlich nicht für vergleichbar mit der DDR. Das wäre komplett absurd und sollte für jeden offenkundig sein, der den publizistischen Äußerungen von Döpfner folgt“, hieß es am Dienstag vom Springer-Konzern. Zudem gebe es „in privaten Dialogen Mittel der Ironie und bewussten Übertreibung“. Ohne Kontext sei eine Bewertung des gemeinten Sinns überhaupt nicht möglich. „Und drittens – und das ist ein Grundsatzthema – sollten private, bilateral ausgetauschte Nachrichten anders als zu Beispiel öffentliche Tweets keinesfalls als quasiöffentliche Statements interpretiert werden, für die sich der Absender rechtfertigen muss.“

Am Mittwoch war Döpfner in einer Videobotschaft an die Springer-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter unter anderem auch auf die Kurznachricht eingegangen. Er sagte: „Eine private SMS ist kein Tweet, ist kein Post, ist keine öffentliche Rede. Und wenn man in einer privaten Unterhaltung aus dem Zusammenhang gerissen etwas zitiert, dann unterschlägt man Polemik, Ironie, Übertreibung.“ Er lege Wert darauf, dass das privat sei und nicht wie ein Zitat behandelt werde. „Das ist doch eine Grenzüberschreitung“, sagte der Springer-Chef.

RND/dpa

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