Mord vor 50 Zeugen: „Kommissar Dupin“ ermittelt wieder im Ersten

  • Der neue „Kommissar Dupin“-Streifen in der ARD (6. Mai) begibt sich wie die Buchvorlage in die Bretagne.
  • Dort ermittelt der Kommissar in einem auf den ersten Blick eigentlich schon geklärten Mordfall – doch es steckt mehr dahinter.
  • Von französischem Charme ist in der behäbigen Inszenierung allerdings kaum etwas zu spüren.
Martin Schwickert
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Wird es zu Hause zu langweilig, begibt sich das deutsche Fernsehen gern an die maritimen Außengrenzen Europas. Hier eine Pilcher-Verfilmung an den malerischen Küste Cornwalls, dort ein „Kroatien-Krimi“ an der blauen Adria oder mit „Kommissar Dupin“ in die atlantische Frische der Bretagne. Ob diese filmischen Reisetätigkeiten nun dem Fernweh hiesiger Gebührenzahlerinnen oder den hedonistischen Work-and-Travel-Bedürfnissen der beteiligten Produktionsfirmen geschuldet sind, kann hier nicht abschließend geklärt werden.

Deutlicher sieht die Sache hingegen bei dem Autor der literarischen Vorlage zu den Bretagne-Krimis aus, die mit „Kommissar Dupin – Bretonische Spezialitäten“ bei der ARD nun weitergeführt wird. Neben den neun Kriminalromanen hat Jean-Luc Bannalec einen Fotoband, ein Kochbuch und eine Sammlung bretonischer Sagen herausgebracht. Der ausgewiesene Liebhaber der französischen Atlantikregion heißt in Wirklichkeit Jörg Bong und leitete bis 2019 als verlegerischer Geschäftsführer die S.-Fischer-Verlage, bevor er sich ganz dem Schreiben – und der Bretagne – widmete. Nur wenige Monate nach dem Erscheinen des neunten Romans begannen die Dreharbeiten zur ARD-Degeto-Produktion.

Kommissar Dupin ermittelt in der Hafenstadt Saint-Malo

Diesmal ermittelt Dupin (Pasquale Aleardi) in der Hafenstadt Saint-Malo, deren graue Festungsmauern fotogen in den wilden Ozean hineinragen. Vor den Augen des Monsieur le Commissaire wird in der Markthalle die Spitzenköchin Blanche Trouin (Franziska Junge) von ihrer Schwester Lucille (Nadja Becker) mit einem Filetiermesser erstochen. Neben dem Kriminalpolizisten gibt es fünfzig weitere Zeugen. „Was gibt es da zu ermitteln?“, fragt sich nicht nur der örtliche Reviervorsteher Marc (Till Demuth).

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Aber das beharrliche Schweigen der Schwestermörderin weckt das Nachforschungsinteresse Dupins. Eine Jugendliebe zwischen dem Mann der Verstorbenen (Max Koch) und der Täterin, ein Schuldenberg, den Lucille und ihr Lebensgefährte Charles (Thomas Niehaus) bei mafiosen Gläubigern angehäuft haben, bilden die ersten Fährten des Falles, in dem schon bald weitere Mordopfer folgen werden.

Dupin weitgehend allein mit den Ermittlungen beschäftigt

Dabei brütet Dupin im fernen Saint-Malo weitgehend allein über der Pinnwand, an der die Fotos der Tatbeteiligten angeklebt sind. Kollege Inspector Thierry Kadeg (Jan Georg Schütte) sitzt derweil im Heimatrevier von Concarneau, wo er in einem äußerst bemühten Nebenplot den Anziehungskräften der Sekretärin Nolwenn (Franziska Wulf) ausgesetzt ist, und darf erst im letzten Filmviertel zu den Ermittlungen hinzustoßen.

Diese führen, wie so oft in Bannalecs Romanen, tief in die bretonische Geschichte hinein. Schließlich war das pittoreske Saint-Malo einst eine berüchtigte Korsarenstadt, und die Smaragdküste hat – wie gleich mehrfach im Verlauf der Filmhandlung betont wird – ihren Namen nicht von der Farbe des Meeres, sondern von den erbeuteten Schmuckstücken der bretonischen Piraten.

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Ein wertvoller Edelstein aus alten Zeiten

Und natürlich liegt in der Plotstruktur auch irgendwo noch ein wertvoller Edelstein aus alten Zeiten begraben. Regisseur Bruno Grass („SOKO Wismar“), der mit Dupin nun zum dritten Mal in die Bretagne gereist ist, inszeniert den Fall routiniert, ohne das Nervenkostüm des Publikums groß zu beanspruchen. So verschlungen sich die Spurensuche auch gestaltet, werden Ermittlungsschritte und aufkommende Verdachtsmomente stets demonstrativ markiert oder vom laut denkenden Kriminalisten erklärt. Subtil geht anders.

Auch wenn Saint-Malo, in dem das Team unter strengen Corona-Auflagen drehen musste, immer eine Filmreise wert ist, wird hier das atmosphärische Potenzial der Kulisse keineswegs ausgeschöpft. Von französischem Charme ist weder in der behäbigen Inszenierung etwas zu spüren noch beim deutschsprachigen Ensemble, das sich nicht wirklich in die bretonische Umgebung zu integrieren vermag.

„Kommissar Dupin“ läuft an diesem Donnerstag, 6. Mai, ab 20.15 Uhr in der ARD.

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