Komiker Ricky Gervais: “Nur rumzugammeln macht nicht happy”

  • Demnächst läuft die zweite Staffel von Ricky Gervais’ Netflix-Serie “After Life” an.
  • Im Interview erzählt der britische Comedian, warum er nicht an ein Leben nach dem Tod glaubt und wie er mit dem Verlust geliebter Menschen umgeht
  • Außerdem spricht er im Interview darüber, warum man in seinem Leben nicht einfach nur rumgammeln sollte.
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Die Welt kämpft gegen das Coronavirus. Und Ricky Gervais hat an der “Heimfront” Stellung bezogen. Er unterstützt den Durchhaltewillen von denen, die in Selbst-Quarantäne leben, indem er täglich per Livestream mit ihnen Kontakt hält. “Rickys Wartime Broadcast” ist nicht nur zur Belustigung der Bevölkerung gedacht. Der britische Komiker gibt auch auf seine typische, sarkastische Art all denen Hilfestellung, die per Computer Verbindung mit der Außenwelt halten. Einer seiner Tipps: Wie verbirgt man beim Skype-Date, dass man schüttere Haare hat.

Glauben Sie, dass die Leute auf Sie hören?

Ricky Gervais: Quatsch, kein Arsch hört auf mich! Aber ich versuche, mit gutem Beispiel voranzugehen. Indem ich zu Hause bleibe, auf die Anweisungen der Behörden höre und fett werde!

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Ihre neue Netflix-Show “After Life” ist in die Top 10 geklettert und die Fans können den Beginn der zweiten Staffel kaum abwarten...

... die immer noch am 24. April anläuft und leider nicht vorgezogen wird!

Sie spielen in der Show den Kleinstadtjournalisten Tony Johnson. Der wird nach dem Tod seiner Ehefrau depressiv und verscherzt es sich durch seine schonungslose und oft fiese Direktheit mit seinen Mitmenschen. Sprich, Sie spielen sich selbst!

Ich bin zwar auch mittleren Alters wie Tony und sehr direkt, aber ich bin nicht depressiv. Ich bin eigentlich die meiste Zeit sehr gut drauf. Ich versuche immer, witzig zu sein und Leute aufzuheitern. Bereits als kleiner Junge wollte ich einfach nur jede Minute im Leben Fun haben.

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Fun ist also alles im Leben?

Klar. Das Leben ist zu kurz, um nicht jede Minute Freude daran haben zu wollen. Und ich habe einen Job gefunden, der mir das sogar ermöglicht! Nur rumzugammeln und nichts ernst zu nehmen macht dich auch nicht happy. Du kannst das Leben nur genießen, wenn du hart dafür gearbeitet hast. Das gibt dir Selbstwert und das Gefühl, du hast dir das verdient.

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In der Serie geht es um den Verlust eines geliebten Menschen. Haben Sie so etwas auch schon durchmachen müssen?

Leider ja. Ich habe beide Eltern verloren. Und je älter ich werde, desto mehr Menschen um dich herum sterben. Auch Bekannte von mir. So ist es halt.

Ricky Gervais und seine Frau Jane Fallon. © Quelle: Getty Images

Glauben Sie, dass Therapie hilft, über einen Verlust wegzukommen?

Ich glaube schon daran, dass es vielen Menschen hilft! Für mich wäre das allerdings nichts. Ich bin leider in einer Zeit aufgewachsen, wo so etwas wie Therapie verpönt war. Mir wurde eingetrichtert, dass man sich zusammenreißen soll, wenn etwas Schlimmes passiert. Besonders als Mann.

Sie würden sich also nicht helfen lassen?

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Ich hatte bislang das große Glück im Leben, noch nie an einem Punkt gewesen zu sein, wo ich es gebraucht hätte. Dass Großeltern und Eltern sterben, ist irgendwie in der Natur der Dinge. Doch ich mag mir gar nicht vorstellen, wie unfassbar schlimm es wäre, ein Kind zu verlieren – oder einen geliebten Partner.

Denken Sie über Ihren eigenen Tod nach?

Klar, ich komme dem ja jeden Tag etwas näher. So so nah wie heute war ich noch nie (lacht). Aber ich lasse mir von solchen Gedanken nicht die Freude am Leben verderben. Was ich nicht will, ist am Ende hinzuvegetieren. Deshalb bin ich ein großer Anhänger von freiwilliger Euthanasie und würde diese wählen, wenn meine Lebensqualität zu schlecht wird.

Stichwort “After Life”. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Nein. Ich glaube nicht an irgendeinen Gott oder ein Leben nach dem Tod. Ich glaube, dass wir maximal unsere 100 Jahre haben und das war’s. Deshalb ist das Leben ja auch so kostbar, weil es nicht unendlich ist.

So wie Ihr Serienheld sagen Sie stets anderen, was Sie denken. Und scheinen sich nicht darum zu scheren, dass Sie damit Gefühle verletzen!

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Tony ist von Natur aus total lieber Kerl, der einfach nur versucht, ein bösartiger Psychopath zu sein. Er glaubt, dass er auf diese Weise den Schmerz seines Verlusts besser ertragen kann.

Und was ist Ihre Ausrede?

Für mich geht die Wahrheit über alles. Die Leute machen den Fehler, mich als bösartig zu bezeichnen, nur weil ich ehrliche Fakten rüberbringe, die kontrovers sind. Damit trittst du immer jemand auf den Fuß. Das ist nie meine eigentliche Absicht, aber ich nehme es in Kauf, dass Leute beleidigt sind. Das ist mein Recht auf freie Meinungsäußerung.

Außer andere mit Ihrer Wahrheit zu konfrontieren, was macht Ihnen sonst noch Spaß?

Freunde, Wein, Sport und sonst noch einiges.

Sie haben kürzlich im Internet den Verlust Ihrer Katze betrauert.

Ollie. Sie ist vor drei Wochen gestorben. Eine treue Seele.

In “After Life” ist ein Schäferhund Ihr ebenso treuer Begleiter. Was ist der Unterschied?

Hunde sind die einzigen, die einen zurückmögen (lacht)!

RND/Dierk Sinderman

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