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Kinder fragen Baerbock, Laschet und Scholz aus: „Haben Sie Freunde in der Politik?“

  • In einem Sat.1-Format kehren Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet zurück in die Schule.
  • Dort müssen sie sich außergewöhnlich ehrlichen Fragen von Schülerinnen und Schülern stellen.
  • Gezeigt wird „Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule“ an diesem Donnerstag, 9. September.
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Wenn Kinder, wie als Floskel zuhauf bemüht, wirklich die Zukunft sind, scheint es nur fair, wenn sie die Möglichkeit haben, diejenigen auf Herz und Nieren zu testen, welche die Zukunft an der Spitze dieses Landes mitgestalten wollen. Wahlkampfreden sind für Spitzenpolitiker und Spitzenpolitikerinnen wie Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz reinste Routine, als erfahrene Polit-Profis wissen sie zudem, kritische Fragen der Presse souverän wegzumoderieren. Im neuen Polit-Dokutainment-Format „Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule“ (Donnerstag, 9. September, 20.15 Uhr, Sat.1) stellen sich die Kandidaten von Union und SPD sowie die Kanzlerkandidatin der Grünen jedoch 17 Fragestellerinnen und Fragestellern, die für entwaffnende Ehrlichkeit bekannt sind: Kinder im Alter von acht bis 13 Jahren.

„Wären Sie sauer, wenn Ihre Kinder sie nicht wählen würden?“ - Das steht genauso auf der Frageliste wie: „Vor was haben Sie am meisten Angst?“ Aus ganz Deutschland wurden informierte Kids für ein Kreuzverhör in einem Klassenzimmer der Berliner Tesla-Schule zusammengetrommelt. Ganz recht: Scholz, Baerbock und Laschet treffen nicht irgendwo auf die Wählerinnen und Wähler von morgen, sondern sie treten eine Reise zurück in die Schule an.

Wer kann komplexe politische Fragen kindgerecht beantworten?

Wer kann den, so viel sei verraten, erstaunlich gut informierten Jungen und Mädchen komplexe politische Fragen kindgerecht beantworten und die parteieigenen Ziele näherbringen? Die Kids wollen Antworten auf Fragen, die ihnen unter den Nägeln brennen - und stellen am Ende für alle ein Zeugnis aus. Erst mal klingt das nach einem Heimspiel und der perfekten Möglichkeit zur Selbstdarstellung für die Anwärterin sowie die Anwärter aufs Kanzleramt.

Keine Blöße geben sich die Kandidaten und die Kandidatin, wenn es in einem Spielchen darum geht, innerhalb einer Minute einen politischen Begriff kindgerecht zu erklären, der besonders gerne im Programm der Partei vorkommt. Dabei geht es nicht nur um politische und gesellschaftliche Fragen, die größte Fallhöhe wartet woanders. Denn zusätzlich zu den genannten Fragen wird auch klassischer Schulstoff abgefragt. „Was ist der höchste Berg der Erde, und wie hoch ist er?“, will etwa ein Kind von Armin Laschet wissen. Vor allem dieser Teil bietet durchaus das Potenzial, sich vor einem Millionenpublikum bis auf die Knochen zu blamieren.

International ist das Format unter dem Namen „Facing the Classroom“ erprobt

Die Idee mag zunächst ungewöhnlich klingen, doch international ist das Format unter dem Namen „Facing the Classroom“ bereits erprobt. So stellten sich bereits namhafte Politikerinnen und Politiker wie Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sowie die neuseeländische Regierungschefin Jacinda Ardern den Fragen im Klassenzimmer.

Nun wagen also Armin Laschet, Olaf Scholz und Annalena Baerbock den Belastungstest. Sat.1-Senderchef Daniel Rosemann erhofft sich von „Kannste Kanzleramt“, dass sich die beiden Anwärter sowie die Anwärterin auf das hohe Amt von einer Seite zeigen, „die wir im normalen Wahlkampf eher selten sehen: nahbar, verständlich und direkt“. Man verspricht sich also klare Ansagen statt Polit-Sprech - und im besten Fall kann man sogar noch den Menschen hinter dem Wahlplakat ein wenig besser kennenlernen.

Video
TV-Triell: Scholz, Baerbock und Laschet liefern sich heftigen Schlagabtausch
2:35 min
Die drei Kanzlerkandidaten Scholz, Baerbock und Laschet haben sich bei ihrem zweiten Aufeinandertreffen im Fernsehen einen heftigen Schlagabtausch geliefert.  © Reuters


Komplett aus der Ruhe bringen kann die alten Polit-Hasen kaum etwas

Dies gelingt bedingt. Komplett aus der Ruhe bringen kann die alten Polit-Hasen offenbar nichts, Fragen wie „Hatten Sie ein schlechtes Gewissen beim Abschreiben?“ an Annalena Baerbock oder „Haben Sie Freunde in der Politik?“ an Armin Laschet, lassen die Kandidatin und die Kandidaten schon mal Schlucken. Baerbock entgegnet schließlich, sie hätte sich „geärgert“ im Anschluss an die Plagiats-Vorwürfe. „In der Politik ist das so eine Sache, da kämpft ja jeder dafür, dass er sich mit seinen Ideen durchsetzt“, erklärt Laschet etwas ein wenig ausweichend zum Thema Freunde. Und Olaf Scholz erläutert nach einem vorab gezeigten Einspielfilmchen seinen Weg näher an die politische Mitte anhand seines Haarschwunds: „Ich war, als ich ein junger Mann war und noch die vielen Haare hatte, ziemlich links.“

Die ein oder andere Antwort fällt - wohl auch aufgrund des deutlich jüngeren Gegenübers - tatsächlich persönlicher aus, als von Spitzenpolitikern und - politikerinnen gewohnt. Wenn Annalena Baerbock auf die Frage „Vor was haben Sie am meisten Angst?“ etwa antwortet: „Dass meinen Kindern etwas passiert“, ist für einen Moment gesorgt, wie man ihn im Wahlkampf eher selten erlebt. Auch, dass Armin Laschet einen Anruf von Gesundheitsminister auf laut stellt, damit die Kinder mithören können, wäre in einer normalen Pressekonferenz nicht vorstellbar.

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Dokutainment als Eventisierung des Wahlkampfs?

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Natürlich soll „Kannste Kanzleramt“ nicht nur die Kleinen ansprechen, sondern auch die Erwachsenen, die am 26. September bei der Bundestagswahl mit ihrem Kreuz bestimmen, wer Nachfolger respektive Nachfolgerin von Angela Merkel wird. Auf diese Weise lässt sich das Dokutainment-Format durchaus als frisches Experiment verkaufen. Schließlich verlässt man ausgetrampelte Pfade und kann Annalena Baerbock beim Fußball, Olaf Scholz beim Basketball und Armin Laschet bei der Performance von „So ein schöner Tag“ beobachten.

Nichtsdestotrotz wird nun wieder trefflich darüber gestritten werden, ob es in diesem Wahlkampf, der möglicherweise so stark wie nie auf persönlicher Ebene ausgetragen wird, wirklich auch noch so ein Dokutainment-Format braucht. Selbstverständlich ist es immer die Frage, wie das Verhältnis zwischen Information und Unterhaltung letztlich ausfällt, zu viel Showcharakter könnte jedoch die Bedeutung der verhandelten wichtigen Themen konterkarieren. Eine fortschreitende „Amerikanisierung“, eine Eventisierung, bei der die Inszenierung die politischen Inhalte überstrahlt, des Wahlkampfs wurde von vielen Beobachtern und Beobachterinnen ohnehin bereits bemängelt. Mit Abstrichen trägt auch „Kannste Kanzleramt? Baerbock, Laschet und Scholz zurück in der Schule“ dazu bei. Löblich ist auf der anderen Seite zweifellos, dass auch mal die ganz Jungen zu Wort kommen.

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„Triell“ der besonderen Art für Laschet, Baerbock und Scholz

Grundsätzlich ist der Auftritt für Laschet, Baerbock und Scholz ein „Triell“ der besonderen Art, wenngleich sie nicht gleichzeitig vor den Kindern stehen. Die direkte Konfrontation findet in der Senderfamilie stattdessen am Sonntag, 19. September, um 20.15 Uhr, statt: ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins übertragen allesamt das insgesamt dritte Triell im deutschen Fernsehen.

RND/Teleschau

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