Keine Rundfunkgebühr mehr für die BBC: Das wäre ein Desaster

  • Großbritanniens Premierminister Boris Johnson pflegt ein gespaltenes Verhältnis zu den Medien.
  • Dass er nun die allgemeine Rundfunkgebühr für die BBC abschaffen will, sorgt für Widerstand.
  • Es sind Verhältnisse, die an die USA erinnern, kommentiert Katrin Pribyl.
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Boris Johnson erklärt der BBC den Krieg. Laut Medienberichten will der britische Premierminister die allgemeine Rundfunkgebühr für den öffentlich-rechtlichen Sender abschaffen und durch ein Abomodell ersetzen lassen. Käme der Regierungschef mit seinen Plänen wirklich durch, wäre das ein Desaster. Denn die Geschichte erinnert doch sehr an einen zornigen Teenager, der sich zu schlecht behandelt fühlt und deshalb auf Rache sinnt. Es ist daher richtig und gut, dass sich Widerstand regt, selbst in den eigenen konservativen Reihen. Weder Johnson, der schon länger ein gespaltenes Verhältnis zu den Medien pflegt, noch sein engster Berater, Dominic Cummings, scheinen viel von Demokratie und Pressefreiheit zu halten, wie die Vorfälle in der jüngsten Vergangenheit zeigen. Das zeugt von einer beunruhigenden Entwicklung auf der Insel.

Auf Anweisung von Johnson sollen Regierungsmitglieder etwa nicht mehr in bestimmten Sendungen auftreten. Darunter befinden sich auch politische Flaggschiff-Programme der BBC. Er selbst weigerte sich vehement, an der üblichen Interviewreihe im Vorfeld der Parlamentswahl im Dezember teilzunehmen. Kritische Fragen unerwünscht. Wer zudem in Ministerien arbeitet und Details an Journalisten verrät, wird gefeuert, so die Ansage von Cummings. Aber damit nicht genug. Der Berater hat laut Medienberichten ein „Netz aus Spionen“ darauf angesetzt, Kontakte von Regierungsmitarbeitern zur Presse aufzudecken. Als vorläufigen Tiefpunkt darf man den Zwischenfall kurz vor einem Briefing von politischen Journalisten in der Downing Street bezeichnen, als Johnsons Kommunikationschef einige Pressevertreter aussortierte und diesen ohne Begründung die Teilnahme an dem Termin verwehrte. Daraufhin verließen aus Solidarität auch alle anderen Reporter den Regierungssitz. Gute Journalisten – böse Journalisten? Es sind Vorgänge, die gefährlich an die USA unter Donald Trump erinnern. Der Präsident hatte für einige Zeit Stephen Bannon. Johnson hat Cummings, der wie sein Chef vor allem auf einen autoritären Führungsstil sowie die Taktik der Einschüchterung setzt.

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Leider findet der Premier mit seinen BBC-Verschlankungsplänen Gehör. Etliche Menschen auf der Insel erkennen den Wert ihrer öffentlich-rechtlichen Anstalt nicht, die trotz ihrer Fehler und Fehlgriffe herausragend ist. Es gehört traditionell zu den Lieblingsbeschäftigungen der Briten, sich über die „Auntie“, die Tante, wie die BBC im Volksmund auch genannt wird, aufzuregen. Derzeit aber herrscht tatsächlich eine Krise, nicht nur wegen Johnson. Die Kritik an der Berichterstattung zum Brexit reißt nicht ab, seit dem EU-Referendum im Jahr 2016 wird die auf politische Unabhängigkeit bedachte Rundfunkanstalt von allen Seiten attackiert. Der Brexit, er hat nicht nur die polarisierte Gesellschaft gespalten, sondern auch die BBC vor etliche Herausforderungen gestellt.

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