Kanzlerkandidatentriell mit Rezo auf Youtube? Armin Laschet sagt ab

  • Mit dem Journalisten Tilo Jung wollte Youtuber Rezo ein Kanzlertriell auf Plattformen wie Youtube und Twitch veranstalten.
  • Unionskanzlerkandidat Armin Laschet habe als einziger abgesagt, wie Rezo nun in einem Video sagt.
  • Die CDU selbst berichtet von „mehreren Dutzend entsprechenden Anfragen“, die nicht alle wahrgenommen werden könnten.
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Hannover/Berlin. Schon länger warten Fans des Youtubers Rezo auf eine Fortsetzung seines erfolgreichen Videos „Die Zerstörung der CDU“ – das sagt er zumindest selbst. Immer wieder bekomme er Nachfragen, wann es denn mal eine „Zerstörung 2.0″ geben würde. Bislang allerdings blieb die Partei verschont, trotz anstehender Bundestagswahl. Der Grund: Rezo hatte ganz andere Pläne.

Einen „Diskurs“ habe er sich vorgestellt, sagt der Videoproduzent in einem Twitch-Livestream, der am Donnerstag auch als Video auf Youtube hochgeladen wurde. „Dass man halt was miteinander macht.“ Eine Art „Kanzlerduell, Kanzlertriell, was auch immer“ auf Twitch und auf Youtube. Ein Gespräch von jungen Leuten mit allen Kanzlerkandidatinnen und -kandidaten, das dann live übertragen werde.

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Tatsächlich waren die Pläne für ein solches Projekt schon ziemlich konkret, wie Rezo sagt. Es gibt da nur ein Problem: Armin Laschet will nicht mitmachen. Rezo sagt, Annalena Baebock und Olaf Scholz wären bereit gewesen. Ein Umstand, den der Youtuber nun in dem neuen Video öffentlich macht, und damit – einmal mehr – für Diskussionen sorgt.

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„Idee hat mich gecatcht“

Schon vor Monaten habe Rezo eine Anfrage vom Journalisten Tilo Jung bekommen, der in den sozialen Netzwerken mit seinem Format „Jung & Naiv“ bekannt wurde. Dieser habe nach einem Moderationspartner oder einer Moderationspartnerin für ein geplantes Kanzlerduell gesucht, das dann in den Netzwerken übertragen werden sollte.

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Rezos Schlussfolgerung: „Schwierig“ – es gebe „fast niemanden, der da infrage kommt“. Die Person müsse schließlich sowohl für die Plattform stehen als auch für journalistische Inhalte. Die Wissenschaftsjournalistin Mai Thi Nguyen-Kim könne sich Rezo vorstellen, sagt er – die habe aber abgesagt.

Rezo selbst habe zunächst mit sich gerungen: „Wenn ich da jetzt Armin Laschet und der Baerbock und so Fragen stellen würde, da müsste ich mich ja mega gut vorbereiten.“ Letztendlich habe es ihn aber „gecatcht“. Der Grundgedanke „Miteinander reden und nicht über einander reden“ sei schließlich „strong“.

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„Verpasste Chance“

Mit der Zeit seien die Pläne für das Projekt konkret geworden. Man habe einige wenige Themen aufgreifen wollen - „eher in die Tiefe gehen statt in die Breite gehen. In die Breite gehen schon genug Shows.“ Das würde auch das „Abfeuern von auswendig gelernten Antworten“ verhindern, wie Rezo vermutet. Zudem habe ihn gereizt, dass sich Politikerinnen und Politiker auf Plattformen zur Rede stellen, die von Unter-30-Jährigen geschaut werden. „Die gucken nicht Fernsehen primär.“

Für das Projekt zog man diverse Medienpartner an Land. Sowohl Youtube als auch Twitch hätten Lust auf das Projekt gehabt, auch die „Zeit“ sei mit im Boot gewesen. Letztendlich sei das Vorhaben dann an der Absage Laschets gescheitert, wie Rezo sagt. Es habe zwar ein Telefonat zwischen dem Youtuber und dem Kanzlerkandidaten von CDU und CSU gegeben - dann habe dieser sich jedoch nicht mehr gemeldet und schließlich die Anfrage abgesagt.

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Der Youtuber bezeichnet die Absage als „verpasste Chance“, schließlich seien „alle anderen am Start gewesen“. Es wäre eine „mega inhaltliche Auseinandersetzung gewesen“, ein „mega krasser Diskurs“. Und vor allem wäre es „so ein gutes Zeichen an die ‚jungen Leute‘ gewesen. Stattdessen habe man sich lieber für die „alten Medien“ entschieden, wie Rezo es formuliert. „So wie ich es verstanden habe.“

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Die Union baut ihren Vorsprung vor den Grünen weiter aus: Auch im Direktvergleich legt Armin Laschet zu und liegt nun vor Annalena Barbock.  © dpa

CDU erklärt sich

Die junge Generation sei stark an Politik interessiert. „Wenn man sich dann für diese Generation (...), und das strahlt das finde ich aus, nicht mal einen Abend frei nimmt für den ganzen Wahlkampf. Dann glaube ich einfach, ist das ein schlechtes Zeichen.“

Die CDU bestätigte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) die Anfrage von Rezo und die Absage Laschets. Die Begründung jedoch klingt etwas anders als die Vermutung des Youtubers. Es gebe mehrere Dutzend entsprechende Anfragen von TV, Radio, sozialen Medien, Zeitungen und Magazinen, die nicht alle wahrgenommen werden könnten. Bislang gebe es lediglich zwei Zusagen: Für RTL und ARD/ZDF.

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In den Netzwerken sorgt Rezos Video erwartbar für große Diskussionen: „Voll gut, dass du uns das erzählst, hätte man ja sonst nichts von mitbekommen“, schreibt einer in den Youtube-Kommentaren unter dem Video. „Nächster Schritt der CDU/von Laschet in die falsche Richtung, schade“, meint ein anderer. Wiederum andere schlagen vor, den Talk einfach „ohne CDU“ zu machen. Einer schlägt einen anderen Moderator für das Triell vor, den Journalisten Mirko Drotschmann etwa, der auf Youtube als „MrWissen2go“ erfolgreich ist.

Auch von der ZDF „Heute Show“ bekommt der Youtuber auf Twitter Unterstützung: „#Laschet lehnt als einziger Kandidat eine Kanzlerdebatte auf Youtube und Twitch mit #Rezo ab. Er habe lange darüber nachgedacht und ist zur Erkenntnis gekommen, dass ihn junge Menschen schlicht nicht interessieren“, schreibt die Redaktion spöttisch.

Nicht nur Lob

Doch es gibt auch andere Meinungen zum Fall. „Ich habe (...) kein Interesse an einem Kanzler-Triell von Jung+Rezo. Einfach weil da keine neutralen journalistischen Standards zu erwarten sind und ein klarer Bias mitschwingt. Und für ‚die junge Generation‘ (bin ich das mit 32 noch?) sprechen die ohnehin nicht geschlossen“, schreibt beispielsweise @markusdd5.

Ein Skandal sei das ohnehin nicht: Mit Merkel habe vor vier Jahren nicht mal ein zweites TV-Duell gegeben. „Titanic“-Autor Moritz Hürtgen schreibt: „Also ich kann Laschet beim besten Willen nicht übel nehmen, dass er keinen Bock auf Tilo Jung und Rezo hat.“

Warum sich Rezo überhaupt dazu entschieden hat, Laschets Absage öffentlich zu machen, beantwortete er auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) nicht.

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