WDR-Karnevalssendung mit Désirée Nick: Blackfacing sorgt für Kritik

  • Der WDR hat am Samstag eine rassistische Karnevalssendung ausgestrahlt.
  • In dem Ausschnitt ist Désirée Nick als Ägypterin verkleidet, flankiert von zwei schwarz angemalten Menschen.
  • Auf Twitter sorgt das für Kritik – nach dem letzten Rassismusvorfall hatte der WDR eigentlich mehr Sensibilität versprochen.
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Der WDR steht erneut in der Kritik, weil er rassistische Inhalte ausstrahlte. In der Sendung „Jet zo fiere! Das Beste aus der Verleihung des Ordens ‚Wider den tierischen Ernst‘“, die am Samstagabend um 23.15 Uhr im TV lief und die nach wie vor in der WDR-Mediathek abrufbar ist, sind zwei weiße Personen zu sehen, deren Gesichter und Körper schwarz angemalt sind.

Konkret geht es um einen Ausschnitt aus dem Jahr 2010, in dem Désirée Nick als Büttenrednerin agiert. Nick ist als ägyptische Pharaonin verkleidet und wird auf der Bühne von drei Personen begleitet: Eine Frau wedelt mit einem übergroßen Palmenblatt und die beiden schwarz angemalten Männer in primitiver Kleidung stehen rechts und links neben Nick.

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Blackfacing wertet Schwarze ab und rechtfertigte die Sklaverei

Blackfacing nennt sich diese Art von Rassismus, die auf das 19. Jahrhundert zurückgeht. Mit Jim Crow wurde damals eine Figur geschaffen, die rassistische Stereotype eines dummen schwarzen Sklaven verkörperte – gespielt von einem Weißen mit angemaltem Gesicht. Schwarze Menschen wurden damit nicht nur abgewertet, auch Sklaverei wurde so gerechtfertigt. In dieser Tradition stehen Menschen, wenn sie sich heute der Praxis des Blackfacing annehmen, sagte Tahir Della von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland 2019 der Deutschen Welle.

Kritisch wird heute auch gesehen, dass Schwarze als Darsteller damit quasi nicht existent waren, man traute es ihnen nicht zu – stattdessen setzte man Weiße ein. Historisch gesehen bedeutet Blackfacing also vor allem, sich über schwarze Menschen lustig zu machen. Die Initiative Anglizismus wählte Blackfacing 2015 zum „Anglizismus des Jahres“, in der auf seinem Blog veröffentlichten Begründung sagte Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch: „Jedes Mal, wenn ein schwarz geschminkter Weißer irgendwo auftritt, sagt das: Schwarze können das nicht. Schwarze kennen wir nicht. Schwarze gibt es in unserer Mitte nicht. Was Schwarze von dieser Rolle halten würden, wenn es sie in unserer Mitte gäbe, interessiert uns nicht.“

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Blackfacing im WDR: Desirée Nick distanziert sich

In der Büttenrede an sich geht es nicht um Ägypten oder Ähnliches. Stattdessen rechnet sie mit den damals in Berlin aktiven Politikern ab, etwa Philipp Rösler oder Karl-Theodor zu Guttenberg. Auch sexistische anmutende Aussagen enthält die Rede: Franz Müntefering habe seine Hochzeit mit dem Kindergeld finanziert, das er für seine neue Frau bekomme, sagte sie.

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Für diese Büttenrede stand Désirée Nick 2010 bei der Verleihung des Ordens „Wider den tierischen Ernst“, der vom WDR seit 1950 an Menschen vergeben wird, „die Individualität, Beliebtheit und Mutterwitz in sich vereinen, vor allem aber Humor und Menschlichkeit im Amt bewiesen haben“, wie es auf der Website des Senders heißt, auf der Bühne. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland distanziert sie sich von den Aufnahmen: „Der Auftritt wurde vom WDR konzipiert, ich kannte die beiden Jungs nicht, die da plötzlich auf der Bühne standen. Der WDR hat sich das ausgedacht, auch den Text, und war weisungsbefugt“, sagte sie am Sonntagabend.

Zweiter Rassismusfauxpas des WDR binnen weniger Tage

Auf Twitter wurde zunächst nur ein Screenshot der rund vierminütigen Szene geteilt. Viele User prangern nicht nur den Rassismus durch das Blackfacing an sich an, – sondern das unglückliche Verhalten des WDR. Der Tweet von Userin @navasgeht wurde binnen einer Stunde rund 250-mal geteilt.

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Erst vor wenigen Tagen beteuerte der Sender, sich stärker im Bereich Rassismus zu engagieren, nachdem es harsche Kritik zu einer Rassismusdebatte in der Sendung „Die letzte Instanz“ gab, in der keine Menschen zu Wort kamen, die von Rassismus betroffen sind – aber jene, die nicht davon betroffen sind, rassistische Äußerungen teilen durften. Zynische Kommentare waren daher sofort zur Stelle: „Ahhh. Das meinte der WDR mit Themenschwerpunkt Rassismus also“, twitterte ein User.

„Widerlich“: Twitter reagiert auf Karnevalssendung

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„Widerlich“, „Nee, oder?“, „WTF?“ und „Die merken nichts mehr“ sind nur einige von Dutzenden Kommentaren auf Twitter. In der Kritik steht allerdings vor allem der WDR, der sich trotz der Versprechungen nach dem Fauxpas mit „Die letzte Instanz“ dafür entschied, die Sendung auszustrahlen. Eine Anfrage des RND ließ der WDR am Sonntag zunächst unbeantwortet.

Désirée Nick bekommt derzeit noch keine Kritik ab – wohl auch, weil sie auf dem verbreiteten Screenshot nicht direkt erkennbar ist. Auf Anfrage des RND sagte sie: „Damit habe ich nichts zu tun, das ist Sache des WDR. Die Zusage, die der WDR zuletzt in Sachen Rassismus gab - die Inhalte wurden bei dem Zusammenschnitt offenbar nicht gewissenhaft geprüft.“ Eine Erklärung hat sie allerdings: „Ich denke, der WDR hat das rausgekramt, weil sie von meiner künstlerischen Leistung so begeistert waren. Es heißt ja ‚Best Of‘“, sagte sie dem RND.

Desirée Nick: „Zusammenschnitt wurde vom WDR nicht gewissenhaft geprüft“

Die einstige Dschungelkönigin fällt nicht das erste Mal diesbezüglich auf. 2006 ging sie auf Barbara Becker los, die damals im Theater als „Buhlschaft“ auf der Bühne stand. In einem Interview sagte sie damals: „Wenn ich schwarz wäre, würde ich mich nicht auf dem Plakat heller retuschieren lassen! Also wenn ich Babs Becker wäre, würde ich mich als Buhlschaft pechschwarz anmalen und mit Nasenringen und bemalten Brüste auftreten. Das wäre doch lustig.“ Becker wurde für die Rolle weiß geschminkt.

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Erst vor wenigen Wochen hat ihr die Sat.1-Promiexpertin Vanessa Blumhagen genau das vorgehalten. Darauf bezog Désirée Nick auf Instagram Stellung, schrieb in dem inzwischen gelöschten Post vom 14. Januar unter anderem: „Rassismus besteht darin, sich weiß anzumalen und NICHT zu seinem genetischen Erbe zu stehen. ICH würde als Schauspielerin dieses immer betonen, um die Grenzen zu erweitern, anstatt mich heller zu schminken.“

Weiter heißt es, man solle „stolz auf seine genetische Herkunft“ sein, „anstatt diese zu verbergen. Besonders die Bühne bietet eine Plattform, in der man die Grenzen für Toleranz erweitern kann.“ Diese Aussagen wiederholte sich auch noch einmal im Gespräch mit dem RND.

Rassismusvorwurf an SWR-Sendung „Mainz bleibt Mainz“

In der Diskussion um die WDR-Sendung auf Twitter geriet auch eine zweite öffentlich-rechtliche Karnevalssendung in den Fokus. Bei der aktuellen Ausgabe von „Mainz bleibt Mainz“, vom SWR produziert, parodieren Florian Sitte, Johannes Bersch und Adi Guckelsberger Angela Merkel, Karl Lauterbach und Peter Altmaier.

Es dreht sich alles um Corona und die Merkel-Figur sagt: „Die Chinesen essen ja alles, was vier Beine hat – außer Möbel. Fledermäuse, Schlangen oder Hunde – das wird die WHO jetzt genaustens aufklären: Wo kommt das Virus her – aus einem Labor oder aus einem Labrador.“ In diesen Aussagen sehen einige User nicht nur Diskriminierung gegenüber Chinesen, sondern auch Rassismus.

RND/msk

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