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Karl Lauterbach zum ESC vor Publikum: „Ist nicht die Blaupause für das, was jetzt kommen kann“

  • 3500 Fans feierten gemeinsam beim Eurovision Song Contest, ohne Masken, ohne Abstand.
  • Wird es nun Zeit, Konzerte auch in Deutschland wieder zu erlauben?
  • Darüber sprach Sandra Maischberger am Mittwoch mit SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter.
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Beim Eurovision Song Contest am vergangenen Samstag konnten in Rotterdam 3500 Musikfans gemeinsam in einer Halle feiern. Ein Signal dafür, dass Kulturveranstaltungen bald auch in Deutschland wieder normal möglich sein werden? Darüber sprach Sandra Maischberger am Mittwochabend in ihrer Sendung „maischberger. die woche“ (ARD) unter anderem mit der Stargeigerin Anne-Sophie Mutter, die aus München zugeschaltet war, sowie im Studio mit SPD-Politiker Karl Lauterbach.

„Sind das die Bilder, die wir jetzt wieder sehen werden im Herbst?“, wollte Maischberger von dem Gesundheitsexperten wissen. Im Großen und Ganzen handle es sich um ein Experiment, das gut gegangen sei, so Lauterbach. Aber: „Man muss vorsichtig sein, aus einem einzigen Experiment, das unter ganz besonderen Bedingungen organisiert wird, kann man nicht ableiten, dass das dann auch in der Fläche funktionieren würde.“

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Beim ESC wurden sämtliche Zuschauerinnen und Zuschauer sowie Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuvor getestet, die Veranstaltung wurde wissenschaftlich begleitet. Ergebnisse eines solchen Experiments seien aber grundsätzlich nicht generalisierbar, so Lauterbach. Die Teilnehmenden verhielten sich in diesen Situationen grundsätzlich vorsichtiger. „Man darf das nicht zerreden. Das hat jetzt mal stattgefunden, aber das ist jetzt nicht die Blaupause für das, was jetzt kommen kann.“

Anne-Sophie Mutter: Klassische Konzerte mit „Ansteckungsrisiko bei 0,5 Prozent“

Anne-Sophie Mutter sieht das allerdings etwas anders, hat in der Vergangenheit der Politik bereits vorgeworfen, sie sei „kulturverachtend“. In Bezug auf den ESC machte die 57-Jährige deutlich, sie finde es „großartig, dass man diese Testkonzerte, diese Pilotstudien wieder weiterführt“.

Für Künstler habe es im vergangenen Corona-Jahr immer wieder die Möglichkeit gegeben, an solchen Pilotprojekten teilzunehmen. Umso schlimmer sei es, dass die Kultur noch immer nicht zum Normalbetrieb zurückkehren dürfe. „Diese Pilotstudien haben eigentlich alle immer das gleiche Ergebnis gezeigt, nämlich, dass das Ansteckungsrisiko bei 0,5 Prozent liegt, weit unter dem Ansteckungsrisiko beispielsweise im Supermarkt und im Großraumbüro“, so Mutter. Das seien Studien gewesen mit 1000 Personen, „die, wie es sich in einem klassischen Konzert gehört, sitzen, nicht sprechen, die die Maske aufhaben, die ihren 1,5-Meter-Abstand halten, die geordnet ein- und ausgeführt werden, es gibt keine Pause“. Umso bitterer sei es, dass man die Kunst tatsächlich 14 Monate erfolgreich totgeschwiegen habe.

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Anne-Sophie Mutter: „Grundrecht auf Kunstausübung seit 14 Monaten genommen“

Immer wieder hätten Studien gezeigt, dass das Ansteckungsrisiko im Konzertsaal gegen null geht. „Gerade in den körpernahen Dienstleistungen wird lange nicht so streng geschaut, und es gibt keine wissenschaftlich haltbare Begründung, warum dieses Grundrecht an der Kunstausübung nun jetzt fast 14 Monate uns genommen wird.“

Ein Eilantrag, den Anne-Sophie Mutter beim Bundesverfassungsgericht gestellt hatte, wurde erst kürzlich abgewiesen. Denn, so die Begründung, es handele sich nicht um ein Berufsverbot für die Künstler. Außerdem hätten diese ja die Möglichkeit, ihre Musik über Streaming anzubieten. Das gebe den Künstlern jedoch kaum die Chance, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, wie Mutter verdeutlicht. Sollte man es als Musiker tatsächlich schaffen, dass Streamingplattformen wie Spotify die eigene Musik anbieten, müsste man „rechnerisch um die 500.000 Streams pro Monat haben, um einige 100 Euro dann ausbezahlt zu bekommen“. Streaming sei zwar eine wunderbare Möglichkeit, dem Publikum zu sagen, ‚Hallo, ich lebe noch‘, doch „es ist absolut keine Einnahmequelle“.

Gerade im Hinblick auf Österreich, wo bereits im vergangenen Jahr die Salzburger Festspiele unter strengen Hygieneregeln stattfinden konnten, sei es nun auch für Deutschland an der Zeit, der Kulturbranche wieder eine Chance zu geben. „Ich denke, das Publikum ist mehr als ausgehungert“, so Mutter. Auch in der Kultur gebe es viele gute Konzepte: „We are ready to go!“

RND/Teleschau

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