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Scharfe Kritik an „Bild“-Bericht: „Wissenschaftler als Zielscheibe von Querdenkern“

  • In einem Bericht der „Bild“-Zeitung werden drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler namentlich für strengere Corona-Maßnahmen verantwortlich gemacht.
  • Unter anderem SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und Virologe Christian Drosten kritisieren die Darstellung scharf.
  • „Die Wissenschaftlerinnen dürfen nicht nicht den gewaltbereiten Querdenkern als Zielscheiben angeboten werden“, schreibt Lauterbach bei Twitter.
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Ein Artikel der „Bild“-Zeitung mit der Überschrift „Die Lockdown-Macher“ stößt am Samstag auf scharfe Kritik aus Politik und Wissenschaft. Darin wird drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Verantwortung für Lockdowns beziehungsweise strengere Corona-Maßnahmen in den Bundesländern zugewiesen.

In der grafischen Aufmachung des Berichts sind online und in der gedruckten Ausgabe der Zeitung groß die Köpfe der Wissenschaftlerin Viola Priesemann und ihrer Kollegen Dirk Brockmann und Michael Meyer-Hermann zu sehen. In der Printausgabe steht über den Köpfen zudem die Zeile „Experten-Trio schenkt und Frust zum Fest“, darunter sind Geschenkpakete mit den Aufschriften „Geschenke-Kauf 2G“, „Familienfest nach Corona-Regeln“ und „Kino-Verbot für Ungeimpfte“ zu sehen.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schrieb zu einem bei Twitter verbreiteten Screenshot der „Bild“-Startseite: „Alle Entscheidungen zum Beispiel gegen Ungeimpfte wurden AUSSCHLIESSLICH von der Politik getroffen. Es genügt, dass wir 24/7 mit Personenschutz unterwegs sind. Die WissenschaftlerInnen dürfen nicht den gewaltbereiten Querdenkern als Zielscheiben angeboten werden.“

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Die Politökonomin und Transformationsforscherin Maja Goepel kritisierte den Bericht ebenfalls scharf: „Das ist nicht nur gelogen, sondern Verleumdung & eine Gefahr für die Freiheit von Wissenschaftlerinnen, nach bestem Wissen zu beraten“, schrieb sie bei Twitter.

Der Virologe Christian Drosten kommentierte ihren Tweet mit den Worten: „Ich halte es ebenfalls für geboten, dass die Politik sich zu dieser Darstellung richtigstellend positioniert, um die betroffenen Wissenschaftler zu schützen.“

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In dem „Bild“-Artikel ohne Autorenzeile geht es um die strengeren Corona-Maßnahmen, die seit Samstag unter anderem in Berlin, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gelten. Darin heißt es unter anderem, „die Knallhart-Maßnahmen“ seien am vergangenen Wochenende von Experten „ausgetüftelt“ worden.

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Darunter seien auch Experten gewesen, die „immer wieder für einen harten Lockdown“ gewesen seien. Dann werden als Beispiele die Physikerin Viola Priesemann, der Physiker Dirk Brockmann und der Immunologe Michael Meyer-Hermann genannt.

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Nutzerinnen und Nutzer weisen auf Bedrohungslage hin

Viele Nutzerinnen und Nutzer weisen in sozialen Medien auf die bereits bestehende Bedrohungslage von Politikerinnen und Politikern sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durch radikale Impfgegner und Rechtsextreme hin, die durch Berichte wie diesen zusätzlich befeuert würden.

Erst am Freitagabend waren Gegner der Corona-Politik mit Fackeln vor das Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) gezogen. Dazu schrieb SPD-Chef Norbert Walter-Borjans am Samstag bei Twitter: „Was sich gestern vor dem Haus von Petra Köpping zugetragen hat, hat mit Sorge und Freiheitsdrang nichts zu tun. Das ist in Art und Auftritt faschistoid.“

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sagte am Samstag auf einem Parteitag in Berlin, dass die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten worden seien. Es könne nicht sein, dass Politiker bedroht würden und sich „rechte Verschwörer und Schwurbler“ mit Fackeln vor dem Haus einer Ministerin versammelten.

RND/seb

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