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Jürgen Vogel und Annette Frier wollen keinen „Wettlauf um politisch korrekte Comedy“

  • Die neue TVNow-Serie „KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ ist alles andere als politisch korrekt.
  • Im RND-Interview sprechen die Hauptdarsteller Jürgen Vogel und Annette Frier darüber, warum sie die Produktion trotzdem nicht verletzend oder diskriminierend finden.
  • Sie unterscheiden zwischen gesellschaftlichem Diskurs und der Handlung fiktiver Serien oder Filme.
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„Keine besonderen Vorkommnisse“ heißt die Serie, in der Sie mitspielen. Das passt zum Inhalt – und auch zum Leben vieler in der Corona-Krise. Wie vertreiben Sie sich die Zeit?

Jürgen Vogel: Ähnlich wie die Charaktere in der Serie. Ich habe viele tolle Gespräche, man philosophiert und versucht, es so amüsant wie möglich zu gestalten, damit der Tag Höhen und Tiefen hat (lacht).

Annette Frier: Jürgens Lockdownlangeweile erkennt man daran, dass er mich schon eine Minute vor der verabredeten Interviewzeit anruft und fragt, ob es Probleme gibt (lacht).

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Vogel: Ich muss dazu verteidigend sagen, dass ich sowieso zum Hyperaktiven neige. Hausmeister Vogel halt (lacht). Ich wäre sogar rumgekommen und hätte Kabel gelötet, damit das bei dir funktioniert. Hast du den Keller eigentlich schon ausgeräumt während des Lockdowns?

Frier: Im ersten Lockdown habe ich gar nichts ausgeräumt. Aber mittlerweile bin sogar ich so weit, dass ich behaupte, in einem ziemlich aufgeräumten Haus zu leben. Ich habe sogar Buntstifte angespitzt. Das habe ich das letzte Mal mit zwölf gemacht.

Video
RND-Videointerview mit Jürgen Vogel und Annette Frier über ihre neue Serie
6:20 min
Jürgen Vogel und Annette Frier sind ab dem 25. Februar in der TVNow-Serie „Keine besonderen Vorkommnisse“ zu sehen. Im RND-Videointerview sprechen sie darüber.  © RND
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Glauben Sie, in so einer Zeit haben die Menschen Lust auf eine Serie, in der nicht viel passiert? Was ist der Reiz daran?

Vogel: Man muss das ein bisschen relativieren. Natürlich haben wir keine großen Autoverfolgungsjagden, es gibt aber scharfkantige Dialoge (lacht). Ich habe selten so viele Dialoge und Monologe gehalten wie in dieser Serie. Das ist so unterhaltsam, weil dadurch die Fantasie angeregt wird. Wenn man sich die Dinge bildlich vorstellt, die da beschrieben werden, hat man Monate damit zu tun. Wenn man sich nicht sogar jahrelang therapieren muss, um das wieder loszuwerden (lacht).

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Frier: Ja, ich bin schon mittendrin. Ich habe dir, Jürgen, übrigens selten so gern beim Nichtstun zugeschaut. Ich fand es aber schon hart mit dem Textlernen: Ich hatte vielleicht ein Viertel des Textes, den der Kollege Vogel hatte, und fand mich maximal herausgefordert. Dabei ist Textlernen eigentlich nicht meine größte Schwäche. Es war aber nicht so, dass wir Hollywoodverhältnisse hatten im Lockdown: Das musste wirklich schnell gehen.

Vogel: Es war sauschwer. Ich habe bis um 2 Uhr nachts Text gelernt. Wir haben teilweise 20 Seiten am Tag gedreht. So eine Herausforderung, was die Menge des Textes angeht, hatte ich noch nie. Aber ich liebe diese Figur: Gilles darf alles sagen und machen.

In der Serie wird politisch unkorrekt geredet und es werden unter anderem sexistische und rassistische Witze gemacht. Bis zu welchem Punkt finden Sie so was witzig und vertretbar?

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Frier: Es ist schwierig, das theoretisch zu beantworten. Man muss sich das angucken, und entweder fühlt man sich mit einer Sache wohl und hat das Gefühl, der Kontext stimmt und wird auch richtig verstanden, oder nicht. Wir reden hier auch über Geschmacksfragen. Ich habe hier an keiner Stelle das Gefühl, dass wir sexistisch oder rassistisch sind. Das ist ein Format, das uns unterhalten soll und mit Klischees umgeht. Da gibt es keine eindeutige Trennlinie. Ich vertraue voll darauf, dass dieser Humor richtig verstanden wird. Es wird bestimmt auch ein paar Leute geben, die sagen: Es ist nicht meins. Das geht total in Ordnung. Aber hier wird weder verletzt noch diskriminiert. Da bin ich mir relativ sicher.

Vogel: Ich mir auch. Wir sind ja eher in der Satire. Die Figuren sind zum Teil so überzogen, dass man merkt, aus was für Defiziten heraus bestimmte Einsichten oder Nicht-Einsichten kommen. Das sind alles Menschen mit großen Fehlern. Die sagen teilweise so schlimme Dinge, weil sie so fehlerhaft sind. Und das ist so herrlich erfrischend, weil man immer versucht, so viel richtig zu machen und so korrekt zu sein, und das versucht keine dieser Figuren. Als sexistisch könnte man wahrscheinlich manches sehen, weil die Figuren Gilles und Samuel natürlich Dinge beschreiben auf eine Art, wie manche Männer das machen. Da will ich mich gar nicht ausnehmen. Wenn wir Männer untereinander über solche Sachen reden, sind wir manchmal sehr doof und sagen unglaubliche Dinge. Und zum Thema Rassismus: Gilles redet ja zum Beispiel darüber, dass er theoretisch auch ausländische Freunde haben könnte. Ich weiß nicht, ob das Rassismus ist oder einfach die blöde Naivität eines Menschen, der eben keine ausländischen Freunde hat.

Frier: Es geht ja aber auch darum, das abzubilden. Man kann bestimmt so einen Straight-white-male-Vorwurf hier und dort auspacken. Ich kann aber auf gar keinen Fall an einem Wettlauf darum teilnehmen, wie wir politisch korrekte Comedy hinbekommen. Das eine ist für mich ein gesellschaftlicher Diskurs, den man sehr aufmerksam verfolgen muss und sich daran beteiligen soll. Das sehe ich auch als öffentliche Person als meine Aufgabe, darauf Acht zu geben und kein falsches Vorbild zu sein. Wenn ich spiele, bilde ich aber auch Menschen ab, die in diesen Klischees leben. Da kann es nicht darum gehen, dass wir die jetzt alle weglassen, damit wir vorwurfsfrei durch diesen Serienstart kommen. Das ist nicht Inhalt unseres Berufs.

Konfliktpotenzial hat zum Teil auch der Umgang von Carola (Annette Frier) mit ihrem Sohn. Bei den beiden geht es oft auch um das Thema Masturbation. Wie gehen Sie solche unangenehmen Gespräche mit Ihren Kindern an?

Vogel: Einfach Mund verbieten, Ohren zuhalten und die Tür knallen (lacht).

Frier: Bei uns findet das tatsächlich nur teilweise statt. Meine Zwillinge sind zwölf, das geht alles gerade erst los und ist alles furchtbar peinlich.

„KBV – Keine besonderen Vorkommnisse“ ist ab sofort auf TVNow streambar.

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