Jubiläum für Ernie und Bert: 50 Jahre „Sesamstraße“ in Deutschland

  • Die liebenswerten Puppen aus der „Sesamstraße“ stießen bei ihrer Ankunft im deutschen Fernsehen vor 50 Jahren auf Widerstand.
  • Aber Ernie und Bert und all die anderen Puppen eroberten ab dem 5. April 1971 diejenigen, die wichtig waren – die Kinder.
  • Ihr Titellied kann bis heute jeder mitträllern: „Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“
Martin Weber
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Ernie und Bert haben Grund zum Feiern: „Die Sesamstraße“ mit den liebenswerten Puppen und den lehrreichen Filmen feiert Geburtstag. Vor 50 Jahren, am 5. April 1971, flimmerte die „Se­same Street“ (so der Originaltitel) zum ersten Mal über die bundesdeutschen Bildschirme. Das NDR-Fernsehen zeigte damals ein paar Folgen der 1969 in den USA gestarteten Kindersendung in der unsynchronisierten Originalfassung als Testprogramm.

„Sesamstraße“ läuft auch in China und Nigeria

Inzwischen läuft die beispiellos populäre Reihe mit dem grünen Frosch Kermit, dem unheimlichen Graf Zahl, dem kekssüchtigen Krümelmonster und Gaststars wie Michelle Obama in etwa 150 Ländern, darunter Russland, China oder Nigeria. Unlängst wurde sogar ein Teil einer Straße am Central Park in New York in Se­same Street umbenannt.

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Dem Start der Sendung mit den von Jim Henson erdachten Puppen waren 1969 in den USA lange pädagogische Überlegungen vorausgegangen. Ziel war es, die Lerndefizite kulturell und sozial benachteiligter Kinder im Vorschulalter zu kompensieren. Das Konzept ging auf: Rund 1000 Studien haben seither belegt, wie enorm Kinder von der „Sesamstraße“ profitieren.

Die Serie brachte Generationen Zahlen, Buchstaben und Werte bei

Die Reihe hat schon Generationen von Zuschauern Zahlen und Buchstaben beigebracht, aber zum Beispiel auch Themen wie Freundschaft, Aids oder Autismus erklärt. Außerdem setzt sich die US-Kindersendung immer wieder gegen Rassismus ein und hat zuletzt auch zwei neue, schwarze Puppen eingeführt: den fünfjährigen Wes und seinen Vater Elijah.

In Deutschland liefen im April und im Mai 1971 in den dritten Programmen des NDR und des WDR jeweils fünf US-Ausgaben der „Se­same Street“ in Originalsprache, Am 8. Januar 1973 startete dann die deutsche Adaption der „Sesamstraße“ – allerdings nicht ohne Geburtswehen.

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Deutsche Pädagogen 1971: Fernsehen ist schlecht für Vorschulkinder

Zwar war die Zeit auch in der Bundesrepublik damals reif für neues Kinderfernsehen, nicht zuletzt die Studentenbewegung hatte neue pädagogische Konzepte ins Gespräch gebracht. Doch die ungewöhnliche Sendung stieß unter anderem bei besorgten Pädagogen auf Skepsis: Sie waren der Ansicht, dass Vorschulkinder gar nicht fernsehen sollten.

Das „Zeit-Magazin“ schrieb, die Sendung mache „denkträge“, der Bayerische Rundfunk strahlte die „Sesamstraße“ sicherheitshalber anfangs gar nicht aus. Konservative Eltern waren zudem erbost, weil die deutschen Zuschauer bis 1978 noch die für Amerika gedrehte Rahmenhandlung zu sehen bekamen: Sie spielte in einer fiktiven Großstadtstraße mit Gettoanflug.

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Trotz allem eroberte die „Sesamstraße“ die Herzen von Groß und Klein, ihr Titellied kann bis heute jeder mitträllern: „Der, die, das. Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm.“

Erst ab 1978 gab es dann deutsche Studiogeschichten als Rahmenhandlung. Mit dabei war der gutmütige Zottelbär Samson, den die jungen Zuschauer rasch ins Herz schlossen, der altkluge rosa Vogel Tiffy sowie bekannte Darsteller wie Liselotte Pulver oder auch Manfred Krug.

Die Produktionsfirma Studio Hamburg passt dabei Spielhandlungen und Figuren immer mal wieder dem Zeitgeist an: Zählten Samson und Tiffy zu den Stars der ersten Stunde, sind es heute im Spartensender Kika das pfiffige Schaf Wolle und sein einfältiger Freund Pferd. Die beiden sind sogar zu Helden der eigenen Serie „Sesamstraße präsentiert: Eine Möhre für Zwei“ avanciert. Außerdem bekommt die „Sesamstraße“ regelmäßig Besuch von Gaststars – so waren schon Herbert Grönemeyer, Lena Meyer-Landrut oder Helene Fischer da.

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Natürlich macht die Kommerzialisierung auch vor der pädagogisch wertvollen Sendung nicht halt. So sorgen weltweit Tausende Fanartikel wie Badelaken oder Kaffeebecher mit Bildern von Kermit und Co. für Umsatz. In den USA haben neue Folgen der „Se­same Street“ mit der bunten Puppentruppe um Ernie und Bert, denen seit einer Weile ein homosexuelles Verhältnis nachgesagt wird, längst beim Bezahlsender HBO Premiere. Zu den ausgemachten Lieblingen der amerikanischen Zuschauer zählen übrigens der pelzige rote Elmo und das verfressene Krümelmonster.

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