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Der Krieg und die Medien

Journalistin bei Markus Lanz: „Die Ukraine gewinnt diesen Informationskrieg an allen Fronten“

Die "Zeit"-Journalistin Olivia Kortas ist sich sicher: "Die Ukraine gewinnt diesen Informationskrieg an allen Fronten."

Der Krieg in der Ukraine war auch am Donnerstag das beherrschende Thema bei „Markus Lanz“. In seiner ZDF-Talkshow empfing der 53-jährige Moderator unter anderem die „Zeit“-Journalistin Olivia Kortas, die über ihre jüngste Recherchereise in das vom Krieg schwer gebeutelte Land berichtete. Das Aufeinandertreffen mit den Menschen vor Ort, ob es nun Experten, Politikerinnen oder Soldaten gewesen seien, sei nicht immer leicht gewesen: „Sehr häufig habe ich ihnen gesagt, dass ich deutsche Journalistin bin. Da schlug mir häufig Frust entgegen“, erinnerte sich die Deutsch-Polin in der Sendung.

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„Wir brauchen mehr Waffen“, sei oft der erste Satz gewesen, den sie zu hören bekam, gefolgt von der Frage, warum Deutschland denn nicht liefere. „Wenn man dann aber sagt: ‚Ich verstehe die Position Ihrer Regierung dort, weil ich auch die polnische Regierung gut kenne, weil ich selber Polin bin‘, dann ändern sich der Gesprächsverlauf und die Körpersprache. ‚Polen ist unser Freund‘, heißt es dann oft in diesen Tagen.“

+++ Alle Entwicklungen zum Krieg gegen die Ukraine im Liveblog +++

„Selenskyj hatte mit den Medien schon längere Zeit einen Konflikt“

Lanz lenkte das Gespräch daraufhin auf den politischen Alltag in der Ukraine: In vier Kriegsmonaten seien über 160 Gesetze verabschiedet worden, staunte er. „Ganz am Anfang konnte das Parlament natürlich nicht seine normalen Sitzungen abhalten, wie es das in Friedenszeiten machte“, erklärte Kortas. Man sei auf Online-Konferenzen ausgewichen.

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Seit sich Kiew befreit hat, tage das Parlament sogar öfter als in Friedenszeiten. Dabei koche auch der Streit zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und seinem Amtsvorgänger Petro Poroschenko wieder hoch. Dies habe auch Auswirkungen auf die Medien: „Selenskyj hatte mit den Medien schon längere Zeit einen Konflikt“, erklärte Kortas. „Jetzt hat er ein Dekret unterschrieben, das alle Nachrichtenmedien in eine Plattform bringt. Sechs Sender bringen auf ihren Kanälen das gleiche Nachrichtenprogramm.“

Dietmar Bartsch: „Das ist für mich wenig demokratisch.“

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Dietmar Bartsch, antwortete daraufhin: „Das ist für mich wenig demokratisch.“ Die Begründung der Regierung sei, man in Kriegszeiten auch Einheit in der Information haben will, erklärte Kortas: „Die Pro-Poroschenko-Sender wollten nicht teilnehmen an diesem sogenannten TV-Marathon und wurden dann von der digitalen Senderliste gestrichen.“

Über YouTube und das Kabelfernsehen könne man sie allerdings weiterhin empfangen. Selenskyj sei „ein sehr talentierter Kommunikator“, befand Kortas, genau wie viele der Ukrainer, die man hierzulande in den Medien wahrnehme: „Die Ukraine gewinnt diesen Informationskrieg an allen Fronten“, sagte sie. Sie habe versucht, in Krankenhäuser zu kommen, „aber das wird einem nicht so leicht gemacht“. Die Ukraine wolle ihren Verlust nicht zeigen: „Es denken immer alle, es läuft. Aber es läuft nicht gut“, bilanzierte sie.

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Dietmar Bartsch glaubt an diplomatische Lösung

Was die Rolle Deutschlands in der weiteren Entwicklung des Ukraine-Krieges anbelangt, zeigte sich vor allem der Linken-Politiker Dietmar Bartsch unzufrieden: „Ich glaube, dass es am Ende keine militärische Lösung geben wird“, sagte er bereits zu Beginn der Sendung: „Wir müssen die Möglichkeiten der Diplomatie nutzen.“ Die Option der Sanktionen seien seiner Einschätzung nach noch nicht ausgereizt: „Wir haben keine Sanktionen“, behauptete der 64-Jährige. Deutschland beziehe weiterhin Öl und Gas aus Russland, auch die Oligarchen müssten hierzulande mehr belangt werden.

Lanz fragte: „Glauben Sie daran, dass irgendjemand Interesse daran hat, diesen Krieg immer weiterzuführen?“ Es gebe natürlich „Interessenlager“, deutete der Linke an: „Wenn ich mir anschaue, wie das mit dem Öl ist: Auf einmal ist Fracking-Gas ein spannender Rohstoff, um den sich alle kloppen.“ Auch die Rüstungsindustrie profitiere am Aktienmarkt. Eine große Rolle spiele zudem der US-Präsident Joe Biden: „Wenn er ein großes Interesse hat, dass dieser Krieg zu Ende geht, dann gibt es eine viel größere Chance.“ Die ebenfalls anwesende Politologin Jessica Berlin und der Historiker Sönke Neitzel teilten diese Auffassung nicht.

RND/Teleschau

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