Journalistin Anja Reschke warnt vor “Lügenpresse”-Rufen

NDR-Moderatorin Anja Reschke ist am Sonntag mit dem Siebenpfeiffer-Preis ausgezeichnet worden. Ihre Rede nutzte sie, um vor “Lügenpresse”-Rufen zu warnen.

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Hamburg, Homburg. Die Journalistin und NDR-Moderatorin Anja Reschke hat vor Gefahren für die Demokratie durch den immer wieder erhobenen "Lügenpresse"-Vorwurf gewarnt. "Wenn Sie nur ein Körnchen davon glauben, machen Sie sich zum Gehilfen derjenigen, die ein anderes Land wollen", sagte Reschke am Sonntag im saarländischen Homburg. Dort erhielt sie den mit 10.000 Euro dotierten Siebenpfeiffer-Preis.

Gleichzeitig forderte Reschke die Medienkompetenz nicht nur der Schüler, sondern der gesamten Gesellschaft zu stärken. Wenn jemand eine Reise buche oder ein technisches Gerät kaufen wolle, gehe er oft nicht mehr einfach ins Reisebüro oder Geschäft, sondern beschäftige sich erst stundenlang damit im Internet. Dies müsse auch für politische Nachrichten gelten.

Der Juryvorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Thomas Kleist, erklärte, Reschke sei eine Kämpferin gegen die moderne Form der Zensur, die Bedrohung der Pressefreiheit durch "Hater" und Trolle im Internet. Reschke hatte inmitten der aufgewühlten Stimmung im Zusammenhang mit der Flüchtlingspolitik 2015 in einem Kommentar einen "Aufstand der Anständigen" gegen die Anfeindungen Rechtsextremer gefordert. Daraufhin erhielt sie Hasskommentare im Netz.

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Auch Günter Wallraff erhielt den Preis

Den Preis der Siebenpfeiffer-Stiftung gibt es seit 1989. Mit ihm werden alle zwei Jahre Journalisten ausgezeichnet, die sich "für die freiheitlichen Grundrechte und die demokratischen Grundwerte in herausragender Weise engagieren" ohne auf ihre Karriere Rücksicht zu nehmen. Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderem Can Dündar, Peter Scholl-Latour, Glenn Greenwald und Günter Wallraff.

Philipp Jakob Siebenpfeiffer (1789-1845) war der erste Landcommissär des ehemaligen Landkreises Homburg. Als seine politischen Reformvorschläge bei Regierung und bayerischem König kein Gehör fanden, prangerte er die Defizite in der Presse an. Dieses journalistische Engagement kostete ihn sein Amt, seine soziale Sicherheit und später seine Freiheit.

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RND/epd