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Jörg Pilawa: “Verschwörungstheoretiker zu werden, wäre das Letzte, was ich mir vorstellen kann”

  • Jörg Pilawa war in seinem Job durch Corona ähnlich eingeschränkt, wie die meisten Kollegen in der TV-Branche.
  • Im Interview mit dem RND erzählt er, warum er für seine Firma keine Kurzarbeit angemeldet hat und weshalb er mit seiner Frau nicht mehr in ein Restaurant geht.
  • Außerdem verrät er, dass zwei Körperteile Schuld daran sind, dass er Probleme mit Masken hat.
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Herr Pilawa, in den vergangenen zwei Monaten hatte das Coronavirus auf viele Jobs großen Einfluss. Wie war das bei Ihnen?

In meiner Produktionsfirma haben wir zweieinhalb Monate wirklich gar nichts produziert, was natürlich große finanzielle Einbußen mit sich gebracht hat. Bis vor zwei Wochen waren wir im Homeoffice, das hat alles super geklappt. Aber es war jetzt auch mal wieder Zeit, dass wir uns sehen. Wir haben im Büro Markierungen auf dem Fußboden angebracht und die Schreibtische nur so besetzt, dass wir nicht zu eng beieinander sitzen.

Wenn sie mehr als zwei Monate nichts produziert haben, mussten Sie dann Kurzarbeit anmelden?

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Nein, das haben wir nicht gemacht. Bei einer Firma dieser Größe können wir das kompensieren und ich halte das da wie mit meiner Ehe: in guten wie in schlechten Zeiten. Es gibt wirklich andere Bereiche unserer Branche, wo die Menschen finanziell mehr Leiden: Die Warm-Upper, die ohne Publikum keinen Job haben, die Kameramänner, die ohne Produktionen ebenfalls keine Aufträge hatten. Da will ich nicht klagen.

Wie hat sich Ihre Arbeit bei der Produktion vom “Quizduell Olymp” und der “NDR Talkshow” verändert?

Ich hab noch nie so viel Plexiglas in meinem Leben gesehen, es ist wirklich irre, was wir da aufgebaut haben. Wir talken mit weniger Gästen, was aber gar nicht schlecht ist. Nun haben wir 20 Minuten pro Gast, vorher waren es 15. Wir haben vorher oft gemerkt: fünf Minuten länger wären schön – nun haben wir sie. Ich als Zirkuspferd war trotzdem immer der Meinung, dass es ohne Publikum nicht geht, weil man die Reaktionen braucht. Doch kein Publikum zeigt vor allem: Die Gäste hören einander wieder intensiver zu, weil keiner auf die Lacher oder Reaktionen des Publikums wartet. Es hat also auch was Positives.

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Aktuell geistern diverse Verschwörungstheorien über die Corona-Pandemie. Wir haben uns drei davon genauer angeschaut.  © Lena Obschinsky/RND/Matthias Schwarzer
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Merken Sie eigentlich, dass Gäste absagen, weil sie wegen Corona noch nicht mit mehreren Menschen in einem TV-Studio sein wollen?

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Wir merken schon, dass Gäste absagen. Das liegt aber nicht am Studio, sondern an der Anreise. Viele haben aktuell noch Bedenken die Bahn oder den Flieger zu nehmen. Die meisten unserer Gäste kommen derzeit mit dem eigenen Auto.

Wie vor Kurzem verkündet wurde, soll die “NDR Talkshow” künftig nur noch aus Hamburg gesendet werden, nicht mehr aus Hannover. Finden Sie das schade?

Ich habe davon gelesen. Falls dem so ist, ist das schon ein bisschen schade. Ich hab das gern in Hannover gemacht, weil man merkt, dass das Publikum dort noch nicht so satt und verwöhnt ist. Allerdings hab ich mir auch manchmal gedacht: wenn wir schon in Hannover drehen, dann sollte man auch Hannover spüren. Das hat man auf dem Messegelände nicht so. Eine Location am Maschsee wäre natürlich toll gewesen. Aus Kostengründen kann ich die Entscheidung aber schon verstehen, vor allem, wenn man für jede Sendung dann Maskenbildner und Kameraleute aus Hamburg anreisen lässt.

Mal weg vom Beruflichen – Sie haben zwei Kinder, die noch zur Schule gehen. Wie lief bei Ihnen das Homeschooling während Corona?

Das hat bei unserem Sohn, der in der 10. Klasse ist, echt gut geklappt. Man muss ja sagen, dass die Schulen mit so etwas ja auch nicht rechnen konnten. Meine Frau und ich haben uns zu Hause aufgeteilt – ich war für Mathe zuständig, sie für Deutsch.

Ist an Ihnen ein Lehrer verloren gegangen?

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Lehrer war ja tatsächlich mal mein Berufswunsch. Meine Frau meint, ich wäre ideal für Geschichte. Ich fürchte, sie meint das, weil ich gern Geschichten erzähle (lacht). Aber man muss ja sagen, dass es zwischen Lehrern und Moderatoren schon gewisse Gemeinsamkeiten gibt, wir versuchen ja beide, anderen Menschen Inhalte zu vermitteln. Und das möglichst so spannend, dass sie uns lange zuhören.

Wofür haben Sie die freie Zeit Zuhause sonst genutzt?

Mir ging es da nicht anders als den meisten Deutschen: Ich habe entrümpelt und aufgeräumt. In unserer Garage kann man jetzt fast vom Fußboden essen (lacht). Aber ich hab zum Beispiel auch mit meiner Tochter zusammen musiziert. Also sie hat gesungen und ich hab versucht, Gitarre zu spielen. Unser “Goodbye my lover” von James Blunt sitzt nun einigermaßen! Ich weiß aber auch sehr zu schätzen, dass wir in einer privilegierten Situation waren. Wir haben ein Haus, wir haben einen Garten, in dem wir das gute Wetter nutzen konnten, wir hatten nichts auszustehen. Das ist sicher nicht vergleichbar mit der Situation einer Alleinerziehenden in einer 50m²-Wohnung ohne Balkon.

Haben Sie denn im Zuge der Lockerungen schon wieder in einen normalen Alltag zurückgefunden?

Meine Frau und ich waren kürzlich das erste Mal essen, als es wieder möglich war. Aber wir fanden die Gesamtstimmung so unentspannt: Der mundschutztragende Kellner, die Abstände, überall Desinfektionsmittel – das war das Gegenteil von einem romantischen Abend. Den können wir aktuell zu Hause besser haben.

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Ist das eigentlich komisch, als Prominenter dann seine private Adresse und Telefonnummer zu hinterlassen?

Ungewohnt ist das natürlich, aber ich sehe mich da wie jeder andere in der Verantwortung. Sonst kann ich halt nicht essen gehen. Und wenn ich da “Max Mustermann” eintragen würde, würde es dem einen oder anderen Kellner vermutlich eh auffallen, dass da was nicht stimmt (lacht). Man kann ja über so Beschlüsse wie Abstand halten, Maske tragen oder Adresse hinterlassen viel meckern – aber dann sollte einem erstmal was Besseres einfallen, um das Ausbreiten des Virus zu begrenzen. Soll ich das etwa besser wissen als ein Virologe, der das studiert hat? Das würde ich mir nicht anmaßen. Die Richtlinien der Bundesregierung infrage zu stellen und Verschwörungstheoretiker zu werden, wäre das letzte, was ich mir vorstellen kann.

Apropos Verschwörungstheorien. Sind sie damit in Berührung gekommen?

Natürlich, da kommt man ja aktuell kaum drumherum. Prinzipiell find’ ich es super, in einer Demokratie zu leben, wo jeder sagen kann, was er denkt. Gefährlich wird es, wenn wir so einen Quatsch nicht mehr hinterfragen. Ich glaube, dass der Fehler am Anfang gemacht wurde, als man die Andersdenkenden nicht hat zu Wort kommen lassen. Es drehte sich wochenlang alles nur um das RKI und Christian Drosten. Auf der anderen Seite: Man hatte auch nicht wirklich viel Zeit, um da jetzt zig Leute an einen Tisch zu holen. Die Politiker mussten schnell entscheiden – und ich finde, das haben sie gut gemacht.

Gehören Sie auch zu den Leuten, die mittlerweile verschiedene Maskenmodelle zu Hause haben?

Ich kann mir leider gar nicht so ein verrücktes Modell aussuchen, weil ich mit den meisten Masken Probleme habe. Meine Theorie ist: Entweder sind meine Ohren zu weit hinten – oder meine Nase ist zu groß (lacht). Die Masken spannen einfach immer ganz doll. Mittlerweile trage ich eine zum hinten zusammenbinden – die gab’s aber leider nur in weiß.

Sie waren nie wirklich aktiv auf Instagram. Seit Corona hat sich das geändert, sind Sie auf dem Weg zum Influencer?

Um Gottes Willen! (Lacht) Meine Tochter hat mich dazu überredet. Sie meinte, wenn ich schon täglich mein Live-Quiz von Zuhause mache, könnte ich doch auch etwas aktiver auf Instagram werden. Also hat sie mich gefilmt. Nun ist sie aber auch nicht mehr so viel zu Hause, daher nimmt meine Aktivität auch wieder ab…

Sie haben gut 4500 Follower. Werden Ihnen auch schon Kooperationen angeboten?

Ja, tatsächlich. Dort für irgendein Produkt zu werben, ist aber überhaupt nicht meins. Ich hab nämlich gemerkt, dass Instagram doch ganz schön viel Zeit in Anspruch nimmt, wenn man das professionell machen möchte. Und mir fällt auch gar nicht jeden Tag eine neue Geschichte ein. Außerdem müsste ich mein Handy ja immer dabeihaben. Und ich gehöre tatsächlich noch zu den Leuten, die ihr Mobiltelefon manchmal vergessen.

Ersetzt denn Instagram die Fanbriefe von früher?

Nur zum Teil. Aber es geht natürlich viel schneller über Instagram. Ich bin da aber noch altmodisch und beantworte die Anfragen per Post immer schnell, weil ich die Mühe, mir einen Brief zu schreiben, zu schätzen weiß. Bei Instagram frage ich mich immer: Wollen die am nächsten Tag überhaupt noch eine Reaktion oder will derjenige vielleicht schon mittlerweile ein Autogramm von Johannes B. Kerner?

Nach ihren Quizshows, dem eigenen Quizmagazin, haben Sie nun auch noch die Website pilawa-quiz.de, auf denen Fans Quizfragen beantworten können. So werden Sie den Namen des “Quiz-Onkels” aber definitiv nicht los.

Nein, niemals! Es gibt aber zum Glück noch eine Steigerung: Irgendwann bin ich der Quiz-Opa! Vermutlich steht auch irgendwann auf meinem Grabstein: Wer liegt hier? A) Kerner… b) Pilawa…. C)… (lacht)

Aber Spaß beiseite: Die Idee zu der Homepage hatten tatsächlich meine Mitarbeiter im Homeoffice. Wir haben da ja richtige Quiz-Experten, die sich Fragen für meine Sendungen ausdenken. Und da wir viele davon nicht verwenden können, kam die Idee, sie doch mal auf der Website pilawa-quiz.de zu präsentieren. Und ich fand die Idee super!

Schauen Sie eigentlich noch irgendeine Quiz Show selbst?

Jetzt im Lockdown habe ich seit Langem mal wieder “Wer wird Millionär?” geguckt. Meine Frau hat mich dann gefragt: “Warum guckst du das denn?” Mir ging es da gar nicht um die Unterhaltung. Ich find’ es einfach nur spannend, zu sehen, wie die Kollegen das machen: Von der Fragendramaturgie, von der Geschwindigkeit, vom Licht her.

Sie haben auch immer mal wieder Prominente in Ihren Shows zu Gast. Wer hat Sie da mit seinem Wissen am meisten beeindruckt?

Das war erst kürzlich. Die Schauspielein Emilia Schüle. Die war der Hammer. Ich war total begeistert, was die alles wusste und wie souverän sie gequizzt hat. Es macht ja auch die Mischung aus Wissen und mal zocken, wenn man sich nicht 100-prozentig sicher ist. Viele kommen ja nicht in eine Quizshow, weil sie Angst haben, dass am nächsten Tag alle wissen, was sie nicht gewusst haben. Wenn man keine Angst hat, zu versagen und darüber lachen kann, wenn es doch mal passiert – dann hat man immer die Herzen der Zuschauer gewonnen.

In einem RND-Interview Ende vergangenen Jahres sagten Sie: 2020 wird ein entscheidendes Jahr. Sie wollten gern etwas kürzer treten, ihr Vertrag in der ARD läuft Ende des Jahres aus… Haben Sie schon entschieden, wie es für Sie weitergeht?

Nein, es steht ja aktuell alles still. Während dieser Phase finden Sie niemanden, der über Verträge spricht. Wir wissen ja noch nicht mal, wann wir wieder normal produzieren können.

Sie sagten auch, Sie wollen nicht mehr 100 Sendungen pro Jahr machen, die Schlagzahl reduzieren…

Das hat Corona natürlich alles verändert, ich konnte jetzt so richtig runterkommen. Es ist eigentlich ein Wunder, dass ich meiner Frau gar nicht auf den Geist gegangen bin. Zum Glück hat die Familie keinen Lagerkoller bekommen, es war fast erschreckend harmonisch (lacht). Nur abends der Wein, der hat meiner Frau und mir nicht gut getan – wir haben beide bestimmt drei Kilo zugenommen.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
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