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Johannes B. Kerner über das deutsche TV: „Insgesamt müssen wir sicherlich weiblicher werden“

  • Im ZDF moderiert Johannes B. Kerner aktuell wieder mehrere Sendungen.
  • Darunter sind „Die große ‚TerraX‘-Show“ und die Jubiläumsshow zu 50 Jahre „Dalli Dalli“.
  • Im RND-Interview spricht er über Moderatorinnen im ZDF und seine überstandene Corona-Infektion.
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Johannes B. Kerner (56) ist eine bekannte Größe im deutschen Fernsehen. Aktuell moderiert er im ZDF unter anderem „Die große ‚TerraX‘-Show“ (die nächsten Male am 5. und 19. Mai), „50 Jahre Dalli Dalli – die große Jubiläumsshow“ am 15. Mai und „Der Quiz-Champion“ (das nächste Mal am 29. Mai).

Herr Kerner, für Sendungen wie „Die große ‚TerraX‘-Show“ haben Sie mit Wissenschaftlern wie Harald Lesch zu tun. Tauschen Sie sich mit denen nach der Show auch über Corona-Diskussionen aus?

Ja, das habe ich auch mit Harald Lesch schon gemacht. Aber ich spreche auch mit befreundeten Ärzten über Corona. Das ist ein Thema, das uns alle angeht, und da versucht man, seine Informationen zu beziehen.

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Sie waren schon 2020 an Corona erkrankt. Merken Sie davon heute noch was?

Nein, ich merke nichts von Long Covid. Ich hatte einen extrem flachen Verlauf. Mein schärfstes Symptom war die Langeweile. Die Tatsache, dass ich Corona hatte, hat schon etwas mit mir gemacht. Ich glaube, dass geimpft werden muss, und zwar schnell.

Video
Johannes B. Kerner: „Wir beim ZDF haben keine Frauenproblematik“
5:10 min
Johannes B. Kerner moderiert zahlreiche ZDF-Formate, darunter die „Dalli Dalli“-Jubiläumsshow. Im RND-Interview spricht er über die Sendung und Moderatorinnen.  © RND
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Wollen Sie sich auch impfen lassen?

Ja, unter zwei Bedingungen: Erstens muss ich an der Reihe sein, und zweitens muss geklärt sein, was bereits an Corona Erkrankte machen müssen. Die einen sagen, man muss einfach die Antikörper bestimmen und gucken, wie viele noch da sind, um dann entsprechend zu reagieren, also entweder mit zwei Impfdosen oder nur einer.

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Kennen Sie Menschen in Ihrem Umfeld, denen es schlechter als Ihnen mit einer Corona-Infektion ergangen ist?

Bedauerlicherweise ja. Einem Freund ging es etwas schlechter, mit Klinikaufenthalt, aber ohne Beatmung. Einem sehr guten Bekannten ging es dramatisch schlecht, mit mehrwöchigem Koma.

Das beeinflusst also schon Ihre Wahrnehmung der Pandemie?

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Ganz klar. Es gibt dieses Virus, und natürlich wird es auch weitere Mutationen geben. Wir müssen jetzt beherzt handeln. Die Politik hat nicht alles richtig gemacht. Ich gehöre aber nicht zu denjenigen, die mit dem Wissen von heute die Entscheidungen von vor sechs, neun oder zwölf Monaten beurteilen. Das halte ich für unfair. Aber es muss jetzt gehandelt werden. Es muss schnell und viel geimpft werden.

Sie moderieren auch die Jubiläumsshow zu 50 Jahre „Dalli Dalli“. Solche Shows leben vom Nostalgiefaktor. Bräuchten die Öffentlich-Rechtlichen nicht eher neue, innovative Showideen?

Die Show lebt nicht vom Nostalgiefaktor, die Showidee hat etwas mit Nostalgie zu tun, weil die Fernseherinnerung da bei manchen Menschen vielleicht noch stärker ist. Solche Shows leben vom Spielwitz und von der Lust an Unterhaltung. Im Wort „Unterhaltung“ steckt auch „Haltung“. Man kann das auch mit einer gewissen Würde machen und trotzdem viel Spaß haben. Das wollen wir versuchen. Im Übrigen: Es gibt natürlich eine Reihe von neuen Unterhaltungsformaten im ZDF, oder in den öffentlich-rechtlichen Sendern, die mit großem Erfolg laufen. Ich rede absichtlich mal nicht von meinen. Auf die trifft das zum Glück auch zu, aber ich nenne mal als Bespiel „Klein gegen Groß“ mit Kai Pflaume oder „Wer weiß denn sowas?“. Das sind große Sendungen, die viele Millionen Menschen binden, jeden Tag, teilweise sogar am Vorabend.

Wo wir schon von Öffentlich-Rechtlichen reden: Letztes Jahr gab es eine Diskussion um Aussagen von ARD-Programmchef Volker Herres, dem spontan keine weibliche Moderatorin für eine große Samstagabendshow eingefallen ist. Sie sind Moderator mehrerer großer Shows, wenn auch im ZDF. Wenn Sie aufhören müssten: Welcher Frau würden Sie Ihre Sendungen gern übergeben?

Die Frage stellt sich aus zwei Gründen für mich noch nicht. Erstens möchte ich noch nicht aufhören und zweitens gibt’s beim ZDF eine Reihe von tollen Frauen: Carmen Nebel, Andrea Kiewel, in der Politik Bettina Schausten, Marietta Slomka, Petra Gerster, Barbara Hahlweg, Maybritt Illner und so weiter. Jetzt kommt eine neue Showkollegin dazu, Sabine Heinrich. Ich möchte Ihrer Frage nicht ausweichen: Ich finde, es gibt eine Reihe von tollen Frauen, auch Frauen in der nächsten Generation, die gut moderieren können und die meines Erachtens auch die Standfestigkeit haben, eine große Show zu stehen. Das ist echt eine Aufgabe. Aber es gibt junge Frauen, denen ich das zutraue. Übrigens nicht nur in der Moderation. Wenn ich zum Beispiel sehe, wie die Schauspielerin Nora Tschirner als Gast in Sendungen auftritt, kann ich mir vorstellen, dass die auch eine Show moderieren könnte.

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Also wenn Sie irgendwann in Rente gehen würden, könnten Sie sich vorstellen, Ihre Shows an Nora Tschirner abzugeben?

Dann ist sie auch nicht mehr 20 (lacht). Dann müssten wir vielleicht die neue Nora Tschirner finden. Aber na klar. Insgesamt müssen wir sicherlich weiblicher werden. Wir beim ZDF haben die Problematik aber nicht so.

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Von Samstagabendshows zum Sport: Kürzlich wurde bekannt, dass Sie wieder Fußball moderieren, bei Magenta TV. Wie schwer finden Sie es, dass aktuell kein Sport mit Livezuschauern möglich ist?

Mich persönlich nervt es kolossal, weil ich Stadiongänger bin. Ich gehe immer zum HSV hier in Hamburg, ich gehe auch in England öfter mal zum Fußball zu Liverpool. Das fehlt mir. Da müssen wir uns einfach gedulden, bis wir das mit dem Impfen im Griff haben.

Wie Fußballstadien werden auch Unterhaltungsshows durch Livepublikum belebt. Wie sehr merken Sie da aktuell die Einschränkungen?

In der Menge der Shows merkt man es nicht, es wird ja Fernsehen produziert. In der Art und Weise aber schon, weil wir ohne Publikum präsentieren. Der Applaus wird teilweise zugespielt, die Zuschauer akzeptieren das, aber trotzdem ist es was anderes. Du kommst in ein Studio, deine Kollegen klatschen freundlich, natürlich ist das ein schönes Willkommen. Aber wenn man in ein Studio kommt, in dem 600 Menschen sitzen und sich über die Show freuen, ist das ein anderes Gefühl.

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