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  • Jessica Schwarz: „Biohackers“-Star im Interview über Scheitern und Kritiker

Jessica Schwarz: „Ich will Scheitern einfach nicht wahrhaben“

  • Jessica Schwarz ist in der zweiten Staffel der deutschen Netflix-Serie „Biohackers“ als skrupellose Wissenschaftlerin Prof. Lorenz zu sehen.
  • In den neuen Folgen entdeckt diese ihre mitfühlende Seite.
  • Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht die Schauspielerin übers Scheitern, schwierige Konflikte und ihr zwiespältiges Verhältnis zu Kritikern.
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Ihrer Rolle in „Biohackers“ scheint Jessica Schwarz überhaupt nicht ähnlich zu sein: Im Gespräch grinst, lacht und kichert sie, während sie in der Netflix-Serie als verkniffene, strenge und moralisch fragwürdige Prof. Lorenz vor der Kamera zu sehen ist. In der ersten Staffel kommt ihr die Medizinstudentin Mia Akerlund (Luna Wendler) auf die Schliche, die noch eine persönliche Rechnung mit ihr offen hat. Es kommt zum Showdown. In der zweiten Staffel steht die sonst so versierte Lorenz plötzlich vor dem Nichts.

Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) erzählt die 44-jährige Schauspielerin, warum sie ihre Rolle fast persönlich genommen hat, wie sie mit Kritik umgeht und warum sie vor der Kamera am liebsten ausrastet.

In der ersten Staffel von „Biohackers“ geht es um die Verbreitung eines Virus durch eine illegale Vereinigung. In der zweiten Staffel geht es um Heilung und Aufklärung. Wie hat die Corona-Krise die weitere Entwicklung der Serie beeinflusst?

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Das ist ein neuer Aspekt, über den ich noch gar nicht so nachgedacht habe. Es geht immer irgendwo um Heilung. Jeder versucht immer, Heilung zu erfahren, wo Schmerz war. Gerade Professor Lorenz, meiner Figur, ist viel genommen worden. Ihr Lebenswerk wurde zerstört. Man lernt sich selbst auch über schmerzhafte Erfahrungen sehr gut kennen, ob man will oder nicht.

Professor Lorenz hat durch ihre Forschung alles verloren, ist in ihrem alten Kinderzimmer wieder ganz unten angekommen. Wie können Sie solch ein absolutes Scheitern nachvollziehen?

Es gab schon einige Momente in meinem Leben, in denen ich gescheitert bin. Wenn ich drohe zu scheitern, bin ich dickköpfig und will dranbleiben und nicht gleich aufgeben. Ich versuche alles, damit die Sache, privat oder beruflich, doch gelingt, auch wenn sie vielleicht zum Scheitern verurteilt ist. Häufig werde ich dabei traurig und bleibe manchmal auch zu lange an Dingen kleben, weil ich ein Scheitern einfach nicht wahrhaben möchte. Es ist schmerzhaft, wenn ich merke, dass etwas scheitert. Aber das muss man zulassen und auch loslassen können.

Ihre Rolle Professor Lorenz lernen wir über den Konflikt mit deren Mutter noch einmal anders kennen: Wie gehen Sie mit Konflikten um?

Konflikte gehören zum Leben dazu. Man muss sich mit gewissen Dingen auseinandersetzen. Ich habe gelernt, dass ich nicht davonlaufen kann, weil sie sowieso zu mir zurückkommen – über kurz oder lang. Ich versuche Konflikte mit anderen Menschen möglichst sofort zu klären. Je länger man sowas hinauszögert, umso schwieriger wird es oft. Ich habe auch verschiedene Therapieformen ausprobiert. Das hat mir dabei geholfen, noch andere Lösungswege zu finden. Aber manche Probleme kann man eben nicht lösen. Dennoch ist es wichtig, es zu versuchen.

Professor Lorenz ist sehr kontrolliert – in anderen Rollen in der Vergangenheit mussten Sie vor der Kamera aber auch schon komplett ausrasten. Welche Emotionen spielen Sie am liebsten?

Ausrasten vor der Kamera kann schon richtig Spaß machen. Danach fühlt man sich leicht, richtig erleichtert. Aber manchmal stehe ich dann genau vor solchen Szenen und mir wird ganz Angst und Bange, weil ich nicht genau weiß, wie ich das umsetzen soll. Ich möchte die Figur ja für mich neu erfinden und nicht so spielen, wie man es vielleicht schon hundertmal gesehen hat. Ich bin sehr neugierig und lasse mich auf alles ein. Prof. Dr. Lorenz war hingegen schwierig für mich. Am Set war es für mich nicht einfach. Ich habe es fast persönlich genommen, dass ich dort die Antagonistin war, die zielstrebige, über Leichen gehende, harte, kühle Frau. Aber das macht ja auch meinen Beruf aus, mich auf neue Situationen einzulassen.

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Welche Seiten an ihr mögen Sie?

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Ich habe gar nichts gegen Menschen mit Zielstrebigkeit und dem Mut, Dinge anzupacken, vor denen sich andere Menschen fürchten. Sie glaubt ja wirklich, dass sie mit ihrer Forschung hilft und die Welt rettet. Manchmal wünsche ich mir, selbst auch kontrollierter zu sein. Das ist so weit von mir entfernt, dass ich diesen Charakterzug schon wieder gut finde.

Wir sprechen jetzt vor dem Start der zweiten Staffel. Nach der ersten gab es positive Berichte, aber auch Verrisse. Wie gehen Sie mit Kritiken um?

Ich lese Kritiken nicht mehr so häufig. Früher habe ich mir alles gegeben. Heute sind für mich die Leute in meiner Heimat Michelstadt die liebsten Kritiker. Michelstadt ist eine wunderschöne Kleinstadt mit aufgeschlossenen, smarten Menschen, die bodenständig im Leben stehen. Da weiß ich immer, woran ich bin. Ob der Film oder die Serie jetzt spannend war oder total überkandidelt. Deswegen mache ich mich nicht mehr ganz so verrückt. Mit dem Alter bin ich gelassener geworden. Zum Glück steht es hier jedem Journalisten und jeder Journalistin frei, auch negative Kritik zu äußern. Trotzdem ärgert es mich, wenn auf deutschen Filmen, die auch im Ausland gut ankommen, hierzulande herumgetrampelt wird. Ich weiß, welche Kraft in so einer Produktion steckt. Wie viele Stunden Arbeit, Schweiß, Mühe, Tränen und wie viel Teamarbeit. Für mich sind komplette Verrisse daher unverständlich.

Gerade entspannt sich die Corona-Lage: Man kann wieder Freunde treffen, ins Café gehen. Worauf freuen Sie sich am meisten?

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Freunde, Freunde, Freunde sehen. Und Familie sehen. Ich möchte wieder alle umarmen, huggen, knutschen. Ich will das Leben zurückkehren sehen. Andererseits merke ich manchmal auch, wie überfordernd sich diese neue Lebendigkeit manchmal noch anfühlt. Als ich vor kurzem in Berlin im Volkspark Friedrichshain spazieren war, und dort eine Art Volksfest tobte, habe ich gemerkt, wie ich doch erst einmal einen Schritt zurück gemacht habe. Aber es tut so gut zu sehen, wie alles zum Leben erblüht und daran auch teilhaben zu können.

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