Neue Krimiserie „Jenseits der Spree“ mit Jürgen Vogel: Der Kommissar als alleinerziehender Teenie-Papa

  • In der neuen ZDF-Freitagsserie „Jenseits der Spree“ (24. September) spielt Jürgen Vogel einen Kommissar und alleinerziehenden Vater.
  • Die Geschichten sind über weite Strecken gewohnte Krimikost.
  • Jedoch erfreut die Serie durch einen Rollentausch der beiden Hauptfiguren.
Tilmann P. Gangloff
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Serien haben gegenüber einem Spielfilm den großen Vorteil, dass die Hauptfiguren mehr Tiefe bekommen können. Darin liegt der Reiz von „Jenseits der Spree“, der dritten Krimiserie nach „KDD“ und „Blochin“, in der Jürgen Vogel für das ZDF vor der Kamera stand. „KDD“ (2007/10), vielfach preisgekrönt, war dank der für die damalige Zeit ungewohnten Erzählweise etwas Besonderes. Dieses Niveau erreicht die neue Serie allenfalls in Ansätzen, dafür ist die Inszenierung (Marcus Ulbricht, Neelesha Barthel) viel zu konventionell. Die jeweils in sich abgeschlossenen Kriminalfälle sind zwar durchaus interessant, leiden aber unter dem Manko vieler Produktionen dieser Art: Die halbwegs prominenten Gastschauspieler sind stets automatisch hauptverdächtig; und meistens zu Recht.

Sehenswert sind die vier Folgen daher vor allem wegen der beiden zentralen Figuren, zumal das vierköpfige Drehbuchteam nur auf den ersten Blick die Erwartungen erfüllt: Das Duo besteht zwar aus einem erfahrenen Polizisten und einer deutlich jüngeren Kollegin, aber Robert Heffler arbeitet seit einer schweren Verletzung nur noch im Innendienst. Während TV-Kommissare in der Regel gar keine Zeit für eine Familie hätten, weil sie rund um die Uhr für ihren Beruf leben, pflegt der alleinerziehende Vater dreier Teenagertöchter pünktlich Feierabend zu machen.

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Der Kommissar muss zum Kochen nach Hause

Kay Freund (Seyneb Saleh) scheint dagegen kein Privatleben zu haben und ist des Öfteren entsprechend ungehalten, wenn Heffler sie einfach stehen lässt, weil er zum Kochen nach Hause muss. Diese Erzählstränge haben einen beinahe ähnlich hohen Stellenwert wie die Fälle und bereichern die Episoden um einige heitere Momente, zumal sie einen reizvollen Kontrast zur Krimiebene bilden: Eben war Heffler noch auf Mördersuche, nun setzt er recht rabiat den neuen Freund seiner 13-jährigen Tochter (Bella Bading) vor die Tür.

Die erste Folge beginnt mit einer Geiselnahme auf einem Ausflugsschiff. Weil unter den Fahrgästen auch Hefflers Tochter Carlotta (Lea Zoë Voss) ist, wartet der Polizist nicht wie befohlen auf Verstärkung, sondern befreit die Geiseln im Alleingang; dabei wird er angeschossen. Drei Jahre später arbeitet er als Disponent im beschaulichen Köpenick, vom Berliner Stadtzentrum aus betrachtet also jenseits der Spree. Weil seiner mittlerweile beförderten Partnerin (Elisabeth Baulitz) aus dem Prolog das Personal ausgeht, soll Heffler ausnahmsweise bei einem Mordfall einspringen und eine junge Kollegin unterstützen; selbstverständlich bleibt es nicht bei dieser einen Ausnahme. Dass Heffler grundsätzlich ohne Waffe unterwegs ist, sorgt selbstredend für einige schwierige Momente.

Jürgen Vogel hat die deutlich komplexere Rolle

Dank des Privatlebens hat Vogel die deutlich komplexere Rolle. Die Drehbücher gleichen das aus, indem sie Kay Freund zur Führungsfigur bei den Ermittlungen machen: Sie ist die treibende Kraft des Duos, sie übernimmt die Vernehmungen. Außerdem versieht Seyneb Saleh die junge Kommissarin mit ziemlich viel Selbstbewusstsein. Dass die Schauspielerin dabei einige Male übers Ziel hinausschießt, ist eine Frage der Darstellerführung.

Bei den Gästen wäre ebenfalls des Öfteren weniger manchmal mehr gewesen. Das kann allerdings auch mit den heutzutage äußerst knapp kalkulierten Budgets zusammenhängen: Wenn eine Serie nicht gerade ein Prestigeprojekt ist, gibt es keine Zeit für Proben. Deshalb ist auch der Thriller-Auftakt längst nicht so packend, wie er sein könnte. Oft sorgt ohnehin die Musik für mehr Dynamik, als die Bilder hergeben. Auch deshalb entspricht die Serie über weite Strecken normaler Krimikost.

Überraschende Wendungen

Immerhin zeichnen sich die Geschichten alle durch überraschende Wendungen aus: Mal entpuppt sich der Mord an einem vermeintlichen afrikanischen Flüchtling als Familiendrama, mal wird aus der mutmaßlichen Ermordung einer Frau durch ihren Ex-Mann ein Fall von häuslicher Gewalt, wobei die Rollen entgegen den Erwartungen verteilt sind. Eine zweite Staffel ist bereits in Planung.

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