Dokureihe „Second Move Kills“

Fünf Jahre mit dem Ex-Gesundheitsminister: das System Jens Spahn

Die Dokureihe „Second Move Kills“ von Aljoscha Pause zeichnet in neun Folgen ein Porträt des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn.


Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet.

Die Dokureihe „Second Move Kills“ von Aljoscha Pause zeichnet in neun Folgen ein Porträt des ehemaligen Gesundheitsministers Jens Spahn. Die Verwendung des sendungsbezogenen Materials ist nur mit dem Hinweis und Verlinkung auf RTL+ gestattet.

Sie wollten schon immer mal einen Tag mit einem prominenten Politiker verbringen? Möglichst aus den Reihen der Union? Am liebsten Jens Spahn? Dann bietet sich jetzt eine einzigartige Möglichkeit: Der für seine Fußballdokumentationen mehrfach ausgezeichnete Filmemacher Aljoscha Pause hat den ehemaligen Gesundheitsminister aus dem Münsterland fünf Jahre lang begleitet; nicht auf Schritt und Tritt vermutlich, aber doch in sehr, sehr vielen beruflich wie privat extrem herausfordernden Situationen.

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Das Resultat ist eine neunteilige Reihe, deren Episoden bis zu eineinhalb Stunden dauern und die tiefe Einblicke geben; vor allem ins Wesen der Politik. Dass dieses Bild so außerordentlich facettenreich ausfällt, ist auch der enormen Anzahl von Gesprächen zu verdanken, die Pause geführt hat. Zwischenzeitlich erweckt die Reihe den Eindruck, mit Ausnahme von Angela Merkel kämen alle zu Wort, die jemals Spahns Wege gekreuzt haben. Die Wortbeiträge sind jedoch ausnahmslos fundiert, wobei wie so oft in solchen Porträts die Äußerungen aus dem Lager des politischen Gegners die spannenderen sind: weil beispielsweise Kevin Kühnert oder Dietmar Bartsch überraschend viel Anerkennung für Spahn finden. Andere, etwa Gerhart Baum, lassen allerdings kaum ein gutes Haar an ihm.

Wer ist Jens Spahn?

Fast zwangsläufig enthalten die rund 650 Minuten auch Szenen, die nicht der Wahrheitsfindung dienen, selbst wenn die Ausführungen des begnadeten Parodisten Max Giermann über die Herausforderung, sich Jens Spahn anzueignen, durchaus fesselnd sind. Aufnahmen vom Spaziergang mit dem Ehemann sollen wohl suggerieren, dass Pause auch die private Seite berücksichtigen durfte. Tatsächlich ist Spahns Homosexualität von großer Relevanz: Die Begründung, warum schwule Männer für die Politik besonders prädestiniert sind, ist ebenso verblüffend wie einleuchtend.

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Es ist beeindruckend, dass Pause selbst in kniffligen Momenten etwa während der Corona-Krisengespräche dabei sein durfte. Diese Offenheit hat schon den besonderen Wert seiner Sportdokumentationen von „Tom Meets Zizou“ (2011, über den verhinderten Fußballstar Thomas Broich) bis zu „Being Mario Götze“ (2018) ausgemacht.

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Trotzdem bleibt nach knapp elf Stunden eine Frage offen: Wer ist Jens Spahn? Das mag paradox klingen, schließlich reden die Menschen ständig über ihn. Vor allem die Mitglieder der schreibenden Zunft liefern profunde Analysen; gerade die stellvertretende Chefredakteurin des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) und Hauptstadtbüroleiterin Eva Quadbeck sowie der frühere „Spiegel“-Redakteur Hajo Schumacher tragen mit ihren klugen Analysen und Interpretationen viel dazu bei, das politische System Spahn zu entschlüsseln.

Höhenflüge, Abstürze und Affären

Stoff gibt es genug: Die Reihe beginnt 2017 während des Bundeswahlkampfs und endet 2022, sie umfasst sämtliche Höhenflüge, Abstürze und Affären, die Spahn in dieser Zeit erlebt hat. Ehemann Daniel Funke versichert jedoch, es gebe große Unterschiede zwischen der öffentlichen Person und dem Privatmann; dieser Bereich war für Pause allerdings offenbar tabu. Deshalb gelingt es der Reihe auch nicht, eine emotionale Nähe herzustellen.

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Dank des Respekts aus dem Lager des politischen Gegners rückt sie zwar manche Eindrücke zurecht, und Spahns offener Umgang mit eigenen Fehlern, darunter seine damalige Reaktion auf die Berichterstattung über den allerdings viel zu ausführlich behandelten Kauf einer kostspieligen Berliner Villa, ist in jedem Fall aller Ehren wert. Auf solche Momente bezieht sich auch der Titel „Second Move Kills“: Es sind nicht die Probleme, die eine politische Karriere beenden, sondern die Art und Weise, wie man damit umgeht.

Dennoch bleibt am Ende der Eindruck: Hinter seine Fassade hat Spahn nicht blicken lassen. Aber wer sich für Politik interessiert, wird die Reihe fasziniert verfolgen.

„Second Move Kills“, RTL+, Dokureihe mit Jens Spahn, Eva Quadbeck, Hajo Schumacher; streambar ab 2. November

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