Jenke von Wilmsdorff: „Meine größte Antriebsfeder war stets die Neugier“

  • Für sein journalistisches Entertainment kennt Pro-Sieben-Reporter Jenke von Wilmsdorff keine Grenzen.
  • In „Jenke. Crime“ bittet er ab Dienstag (4. Mai, 20.15 Uhr) Schwerverbrecher zum Talk.
  • Ein Interview mit einem Mann, der seine Themen „erspüren“ will.
Jan Freitag
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Jenke von Wilmsdorff geht in der neuen Pro-Sieben-Sendung „Jenke. Crime“ (Dienstag, 20.15 Uhr) den Lebensläufen von Kriminellen nach. Im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) spricht der 55-Jährige über Deutschlands erste Verbrechertalkshow und seine Neugier, auf Räuber, Drogenhändler, Rocker und Darknet-Betrüger zu treffen.

Jenke von Wilmsdorff, was war das Verbotenste, das Sie selbst je getan haben?

Oh, da gab’s leider eine Menge, aber alles verjährt und ohne Polizeikontakt. Als Jugendliche haben wir in der Clique Süßes und Zigaretten im Kiosk geklaut. Dafür habe ich mich dort Jahre später persönlich entschuldigt, weil es mir so peinlich war.

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Krimineller wurde es nie?

Zum Glück nicht, denn 13, 14 ist genau das Alter, in dem die Grundsteine krimineller Karrieren gelegt werden. Wenn Gesetzesbrüche als Zeichen der Zugehörigkeit gelten, das zeigt auch „Jenke. Crime“, rutscht man schnell ins entsprechende Milieu ab. Aber genau dafür war mein Umfeld nicht geeignet. Auch wenn ich mit den Jungs viel Mist gebaut habe, hielten wir uns meist selbst an solche Regeln, auf die wir keinen Bock hatten.

Da Ihnen die eigene Erfahrung mit dem Verbrechen fehlt – hilft es bei dessen Verständnis, der Täterseite wie jetzt bei Pro Sieben persönlich auf Augenhöhe zu begegnen?

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Natürlich lasse ich mir Dinge auch mal abstrakt erklären. Aber dreidimensionales Hören, Sehen, Wahrnehmen offenbart immer noch andere, bessere Informationen. Umso mehr schärfe ich mir ein, dabei so wachsam zu sein, dass ich mich nicht von Spannung oder Drastik einlullen lasse. Die Leute, mit denen ich mich hier an einen Tisch setze, haben vorher ja bis zu 30 Jahre im Knast gesessen.

Das ist die erste Verbrechertalkshow des Deutschen Fernsehens.

Ich glaube schon. Aber die Sendung hat weit mehr Aspekte. In jeder Folge steht einer der Protagonisten im Vordergrund. Diesen Vordergrund teilt er sich aber mit seinem Umfeld und den Opfern inklusive der eigenen Familie. Mit allen versuche ich zu verstehen, wieso es so weit kommen konnte.

Aber geht es in so einem Format bei so einem Sender wirklich nur um reinen Erkenntnisgewinn oder nicht auch ein bisschen um den Thrill, richtig harten Jungs gegenüberzusitzen?

Natürlich, dieses Bedürfnis gibt es beim Publikum und auch bei mir. Es entspringt aber echtem Interesse. Meine größte Antriebsfeder war stets Neugier – hier auf Räuber, Drogenhändler, Rocker und Darknet-Betrüger, die mit den meisten von uns nichts zu tun haben. So wichtig ein gewisser Thrill für Pro Sieben ist: Die Öffentlich-Rechtlichen suchen danach doch ganz genauso, denn es macht eine gute Geschichte aus. Wichtig ist, dass er bei mir nicht im Zentrum steht. Ich mache ein journalistisches, kein Showformat.

Aber wenn Sie erst in Krisengebiete gehen, dann Drogen nehmen, später Ihr Gesicht liften lassen und sich jetzt mit Verbrechern zur Talkshow treffen, folgt das doch einer Art Steigerungslogik?

Der Eindruck kann entstehen, stimmt. Aber sie spielt für mich schon deshalb keine Rolle, weil Steigerung eine Frage der Definition ist. Für Sie klingt „Jenke. Crime“ besonders krass, für andere die Schönheitschirurgie, wieder andere würden nie fünf Wochen nichts essen, nur um zu erleben, wie sich Anorexie anfühlt. Ich bin nicht auf der Suche nach Extremen, sondern Informationen über Themen unserer Zeit, die ich nicht bloß recherchieren, sondern erspüren will – auch, wenn’s mal wehtut.

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Ist das eine Wertung gegenüber Kollegen und Kolleginnen, die nichts erspüren, sondern bloß recherchieren?

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Um Gottes willen, nein! Das ist nur meine Form der Annäherung. Mir fällt es eben leichter, Dinge einzuordnen und gegebenenfalls davor zu warnen, wenn ich sie am eigenen Leib erlebe. Dafür bin ich bereit, was zu riskieren. Den Erfolg spüre ich, falls mich Leute ansprechen und sagen, sie würden dank meiner Sendungen mehr auf ihren Alkoholkonsum achten, weniger Fleisch essen, auf Plastik verzichten oder Schönheitsoperationen jetzt mit anderen Augen sehen. Bewusstes Fernsehen macht was mit Menschen, darum geht es mir.

„Jenke. Crime“ mit Jenke von Wilmsdorff startet heute (4. Mai) um 20.15 Uhr bei Pro Sieben

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