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Jasna Fritzi Bauer steigt beim Bremer „Tatort“ ein: „Ich möchte auf keinen Fall Polizistin sein“

  • Neues Team, neues Unheil: Im neuen Bremer „Tatort“ werden ein Baby entführt und ein Toter gefunden.
  • Die Schweizerin Jasna Fritzi Bauer (32) ist Teil des am Pfingstmontag (24. Mai) durchstartenden Ermittlertrios.
  • Im RND-Interview erzählt sie von ihrer Serienfigur und ihrer Haltung zur Polizei.
Jan Freitag
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Eine Schweizerin ermittelt künftig in der Hansestadt Bremen. Jasna Fritzi Bauer spielt ab Pfingstmontag in der Nachfolge des Teams Sabine Postel und Oliver Mommsen in den Bremer „Tatort“-Folgen mit. Die 32‑Jährige begann in den Nullerjahren mit Theater und begann mit der Rolle der am Tourette­syndrom leidenden Eva in Andi Rogenhagens „Ein Tick anders“ 2010 auch eine Karriere vor der Kamera. Krimierfahrung hat Bauer bereits durch Auftritte in Serien und Reihen wie „Der Kriminalist“, „Polizeiruf 110“ oder „Spreewaldkrimi“. Auch in einem „Tatort“ war Bauer schon dabei. In dem Hessen-Krimi „Land in dieser Zeit“ stand sie 2017 allerdings als verbrecherisches Mitglied einer rassistisch-nationalistischen Gruppe auf der anderen Seite des Gesetzes. Jetzt also gibt es Bauer mit Dienstwaffe und Marke – die Rolle, sagt Bauer, habe ihr geholfen, „meinen Blick auf die Polizei neu zu überdenken“.

Jasna Fritzi Bauer, wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Polizei – eher distanziert, oder ist der Polizist Ihr Freund und Helfer?

Jasna Fritzi Bauer: Gespalten, würde ich sagen. Es gibt wie in jeder Berufsgruppe halt so ’ne und so ’ne. Ob die hier immer korrekt handeln, sei mal dahingestellt, aber jeder Staat braucht eine funktionierende Exekutive. Da finde ich es hoch­interessant, durch den „Tatort“ Einblick in deren tägliche Arbeit zu kriegen. Als Teil eines Systems, das jeder Polizist verteidigt, ist er allerdings auch schnell darin gefangen.

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Haben Sie sich persönlich, also vor Ort, darüber informiert, wie Polizeiarbeit im Kriminalkommissariat läuft?

Zum einen haben wir in einer Polizeischule gedreht und dort eine Art Crashkurs gemacht, mit Sport- und Schießtraining, Angriffs- oder Abwehrtechniken. Zum anderen ist das Besondere am Bremer „Tatort“ ja, dass alle Polizisten in Uniform echt sind. Da kann man zur Not immer mal nachfragen, ob man sich richtig verhält. Aber das ist ja ohnehin schön an meinem Beruf: in verschiedene Sphären der Gesellschaft reinzuschauen, die ansonsten oft verschlossen sind.

Sorgt das dafür, diese Sphären sachlicher, also besser beurteilen zu können?

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Finde ich schon. Und hier hat es mir definitiv geholfen, meinen Blick auf die Polizei zu überdenken. Trotzdem möchte ich auf keinen Fall Polizistin sein und verstehe auch nicht, warum jemand das will (lacht).

Was hätten Sie denn da vor fünf Jahren geantwortet, wenn Ihnen jemand prognostiziert hätte, 2021 „Tatort“-Kommissarin zu werden?

Nein.

Nicht „um Gottes willen“?

Einfach nein. Wobei es auch heute noch absurd ist, dass sich irgendjemand ausgerechnet mich in dieser Rolle vorstellen konnte. Das erfordert viel Fantasie, wie ich finde. Wobei lange Zeit auch ein großer Mangel an Vorstellungskraft herrschte, mich über 20 zu besetzen. Das ist irritierend. Einerseits, weil ich gar nicht mehr so jung aussehe. Andererseits, weil es genug gute Kolleginnen in diesem Alter gibt. Außerdem fällt es mir mit der Erfahrung eines halben Extralebens zunehmend schwer, mich in Teenager reinzuversetzen. Aber da ändert sich gerade was.

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Ist die Branche demnach in den letzten fünf Jahren reifer geworden, oder sind Sie es?

Beides ein bisschen. Hauptverantwortlich war aber vermutlich die Radio-Bremen-Redakteurin Annette Strelow, die sehr für unser Team gekämpft hat. Endlich mal was anderes – für mich und fürs Publikum! Außerdem finde ich es toll, mal eine Rolle zu spielen, die mir über Jahre hinweg erhalten bleibt. So gibt es Raum, sie weiterzuentwickeln. Denn in der Kontinuität solcher Serienfiguren steckt ja immer auch die Diskontinuität ihrer persönlichen Wandlung.

Wie würden Sie denn die Ausgangspersönlichkeit von Liv beschreiben?

Da der erste Fall an einem Tag spielt, lernt man sie da natürlich nur oberflächlich kennen – so könnte leider der Eindruck entstehen, Liv sei frisch bei der Polizei. Aber um Kommissarin zu werden, musst du schon zehn Jahre Polizistin sein. Sie kommt vom Kriminaldauerdienst Bremerhaven zur Mordkommission Bremen, ist also – obwohl sie sich bewirbt – sehr erfahren.

Wirkt Liv so verkleidet, weil sie sich fürs Bewerbungsgespräch verkleiden musste oder weil man von Jasna Fritzi Bauer keine Business­klamotten gewohnt ist?

(lacht) Hat vielleicht mit der ARD zu tun, dass aus Klamotten mehr gemacht wird, als dahintersteckt. Ich habe mich jedenfalls nicht verkleidet gefühlt. Das Kostüm wird sich aber im zweiten Teil verändern. Andererseits mag ich an ihr, dass sie nicht so impulsgesteuert und aggressionsbelastet ist wie die meisten meiner Rollen zuvor, sondern kontrolliert und zielorientiert.

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Livs Kollege Mads sagt einmal zu ihrer Bewerbung um den Job bei der Mordkommission: „Du willst ihn, du kriegst ihn, du bist so eine.“ Sind Sie auch so eine?

Ehrgeizig meinen Sie? Schon, aber nicht verbissen. Dass ich da bin, wo ich bin, hatte definitiv mehr mit Glück als Ehrgeiz zu tun. Meine Ziele waren in der Regel etwas niedriger angesetzt als möglich, dann lassen sie sich leichter erreichen. Obwohl – eigentlich Schwachsinn, oder? Ich lasse das und werde ehrgeiziger. Ab sofort!

Sie sind mit 32 bald ihr halbes Leben im Schauspielgeschäft. Erarbeitet man sich da allein durch die Erfahrung eine Position, Vorstellungen und Ziele besser durchzusetzen?

Mit Erfahrung und Alter wächst jedenfalls die Fähigkeit dazu, aber das bedeutet nicht, alles zu kriegen, was man will; dafür ist Schauspielerei zu sehr Ensemblearbeit. Wir wollen ja zusammen was Großes kreieren; da hilft es nicht, wenn Einzelne im Team Sonderbehandlungen beanspruchen. Aber man traut sich definitiv nach so langer Zeit im Geschäft eher, seine Meinung zu äußern, überhaupt – Haltung zu zeigen. Das war bei mir vor zehn Jahren noch anders.

Geht das so weit, eigene Ideen verwirklichen zu wollen?

Dafür habe ich weder genügend Ideen noch den nötigen Ehrgeiz, da ist es wieder. Ich muss also immer noch eher darauf warten, dass was Interessantes auf mich zukommt, als umgekehrt. Kreativ bin ich derzeit in anderen Projekten. Ich mache im Verlag meines besten Freundes das Lektorat, beteilige mich an einem Poesieprojekt oder mache mit Anna Maria Mühe und Cristina do Rego den Podcast „Unter dry“. Das ist für mich zurzeit alles wichtiger, als mir selbst geile Rollen zu schreiben.

Zum Krimi:

Der von Radio Bremen produzierte „Tatort: Neugeboren“ ist die 1169. Episode der Krimireihe. Er wird am Montag, 24. Mai 2021 um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. Im ersten Fall des Bremer Ermittlertrios ermitteln Liv Moormann (Jasna Fritzi Bauer), Mads Andersen (Dar Salim) und Linda Selb (Luise Wolfram). Nach der Entführung eines Babys ist die Bremer Polizei in höchster Alarmbereitschaft. Zu gleicher Zeit wird vor einem verlassenen Industriegebäude eine Leiche gefunden – vermutet wird zunächst ein Selbstmord. Der Film wurde vom 3. November bis zum 2. Dezember 2020 in der Hansestadt Bremen und Umgebung gedreht. Regie führte die Schweizerin Barbara Kulcsar („Tatort: Rebland“ – 2020), das Drehbuch stammt von Christian Jeltsch (seit 1997 Autor von „Tatort“-Krimis).

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