Jan Hofer hört bei der “Tagesschau” auf – ein Abschiedsporträt

  • Nach 35 Jahren bei der “Tagesschau” geht Chefsprecher Jan Hofer Ende des Jahres in den Ruhestand.
  • Sein Amt übernimmt Jens Riewa. Und das Team der 20-Uhr-Ausgabe wächst.
  • Abschiedsporträt für einen Mann, der sich immer als Dienstleister sah. Und nun? Kommt das Wetter.
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Man könne es nie allen recht machen, hat Jan Hofer vor ein paar Wochen erzählt. Er habe gerade eine Mail bekommen, “da hat sich einer darüber beschwert, dass wir Sprecher jetzt alle so grinsen würden, bevor der Wetterbericht kommt. Ja, mein Gott noch mal – ein bisschen freundlich kann man an der Stelle schon sein, finde ich!”

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Ein bisschen freundlich. Aber nicht zu sehr. Seriös, aber verbindlich – “es ist ein Balanceakt”. Kaum jemand hat ihn so beherrscht wie Jan Hofer. Seit 1985 war der Sohn eines Handwerkers bei der “Tagesschau”, seit 2004 war er Chefsprecher. Zum Ende des Jahres nun geht er in den Ruhestand – und übergibt den Staffelstab an Jens Riewa. Neu ins Sprecherteam der 20-Uhr-Tagesschau kommen dann laut NDR Julia-Niharika Sen und Constantin Schreiber. Beide sind bisher unter anderem bei tagesschau24, im ARD-”Nachtmagazin” und im NDR Fernsehen im Einsatz.

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Er war über Jahrzehnte das Gesicht und die Stimme für seriöse Nachrichten in Deutschland.

Joachim Knuth., NDR-Intendant

Vertrauen entsteht aus Vertrautheit

Vertrauen entsteht aus Vertrautheit. Aber es war nicht die Langstrecke allein, die Hofer zu einem der vertrautesten Fernsehgesichter des Landes machte. Es gibt nicht mehr viele Fernsehpersönlichkeiten, die in einem solchen Maße Verlässlichkeit ausstrahlen. “Der überragende Erfolg der ‘Tagesschau’ wäre ohne Jan Hofer nicht denkbar”, lobt zum Abschied NDR-Intendant Joachim Knuth. “Er war über Jahrzehnte das Gesicht und die Stimme für seriöse Nachrichten in Deutschland. Wir haben ihm viel zu verdanken.”

„Wer glaubt, dass er in diesem Job berühmt werden kann, ist fehl am Platze": Jan Hofer im "Tagesschau"-Studio.
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Die Rolle des staatsmännischen Mittelpunkts im Kosmos der “Tagesschau” lag Hofer. Er sah sich meist als Dienstleister der Information. “Die ‘Tagesschau’ ist nicht nur als Sendung wichtig, sondern eben auch als Ritual im Tagesablauf”, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). “Wenn wir um 20 Uhr zehn Millionen Zuschauer haben, dann sitzen die da ja wirklich. Die gibt es in Fleisch und Blut, es sind reale Menschen. Und allein durch die Macht der Masse fällt alles, was man tut oder lässt, schon sehr auf.”

“Gast im Wohnzimmer der Leute”

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Alles, was so einer tut, ist öffentlich. Wenn er mal schwankt wegen eines Schwächeanfalls (“Das war natürlich ein bisschen blöd”). Wenn er ein Selfie macht, weil’s thematisch gerade passt. Es ist ja kein Wunder bei einem so strengen Sendeschema, dass selbst die kleinste Normabweichung sofort zum bundesweiten Gesprächsthema wird. “Wenn Sie so lange als Gast ins Wohnzimmer der Leute kommen wie ich, dann nehmen die auch an Ihrem privaten Wohlbefinden teil. Was ich wiederum auch ganz schön finde.” Die Kehrseite des Ruhms: Man wird zur Projektionsfläche für allerhand Hass und Hetze, es gab Morddrohungen. Dabei war er doch immer nur der Bote.

Die meisten “Tagesschau”-Sprecher zieht es irgendwann auch ins unterhaltende Fach, gern als Ausgleich zum strengen Format. Hofer moderierte in den Wendejahren die “NDR Talk Show” und war von 1992 bis 2012 Gastgeber der MDR-Talkshow “Riverboat”. Zuletzt aber war er nur noch in der “Tagesschau” zu sehen. Marcus Bornheim, Erster Chefredakteur von “ARD-aktuell”, dankte Hofer für “konstante Leistung und starke Professionalität”.

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Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Akkuratesse

Als Sprecher der “Tagesschau” müsse man “freundlich sein, aber kein Sonnyboy, ernst sein, aber nicht finster”, hat Hofers Amtsvorgänger Karlheinz Köpcke mal gesagt. “Man muss sich wohlmoduliert ausdrücken, aber man soll keinen Ausdruck in der Stimme haben.”

Hofer blieb diesem Prinzip treu – und verkörperte damit auch als Nicht-Hanseat (geboren wurde er bei Düsseldorf) hanseatische Tugenden, die wie aus der Zeit gefallen wirkten, gleichzeitig aber einen hohen Wiedererkennungswert haben: Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Akkuratesse. Und dank eines Schusses Chuzpe eine wohl dosierte Nähe zu den Zuschauern. “Mir hat mal einer geschrieben, ich würde Schleichwerbung machen: Mein Kugelschreiber sei ein Montblanc”, erzählte er. “Daraufhin habe ich ihm den Kuli geschenkt. Das war ein ganz billiger Hotelkugelschreiber.” Ein echter Hofer.

Eitel? Ja. Ein Selbstdarsteller? Nein. Ein Star? In bescheidenem Maße. Aber: “Wer glaubt, dass er in diesem Job berühmt werden kann, und das für sein Ego braucht, der ist vollkommen fehl am Platze.” Er ist passionierter Segler und Windsurfer. Für Wind und Wellen wird er nun mehr Zeit haben. Es ist eben ein Naturgesetz des Fernsehens: Nach der “Tagesschau” kommt das Wetter.

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