Vorwürfe gegen RTL-„Dschungelshow“: Starb eine Echse bei der Dschungelprüfung?

  • Die Tierschutzorganisation Peta vermutet, dass bei der RTL-„Dschungelshow“ ein Tier gestorben ist, und hat Anzeige erstattet.
  • RTL widerspricht der Darstellung.
  • Kein Tier sei in Köln zu Schaden gekommen, teilt der Sender mit.
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Köln. Am Ende schwamm die Echse in „Ich bin ein Star – die große Dschungelshow“ bäuchlings nach oben und bewegungslos im Becken. „Gott steh mir bei – oh Jesus“, hatte zuvor Model Zoe Saip in dem Tank gerufen, der sich langsam mit Wasser füllte und in den Echsen und Schlangen rutschten. Die Teilnehmerin der RTL-Show kam bald schon aus dem Geschrei und Gekreische nicht mehr heraus und einen Moment lang war seitlich von ihr eine grüne Echse zu sehen, die der Hysterie und dem Gezappel offensichtlich zu entkommen versuchte.

„Wir gehen davon aus, dass das Tier, vermutlich eine Grüne Wasseragame, am Ende der Prüfung gestorben ist“, sagt Peter Höffken, Fachreferent der Tierschutzorganisation Peta, gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „In Minute drei, Sekunde 14 des Youtube-Videos über die betreffende Prüfung treibt es bewegungslos an der Wasseroberfläche.“ Zwar gebe es auch Echsen, die „toter Mann“ spielen könnten, räumt Höffken ein, von Wasseragamen aber sei diesbezüglich nichts bekannt.

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Und so hat Peta nun Anzeige beim Veterinäramt des Rhein-Erft-Kreises gegen die Produktionsfirma ITV Studios Germany erstattet. Wegen Tierquälerei. „Echsen sind sehr sensible Tiere, reagieren auf leiseste Erschütterungen. Schon wenn ein Mensch sie anstarrt, kann es bei ihnen zu Stressreaktionen kommen“, weiß Höffken. „Die Quälerei beginnt schon beim Transport, wird in der ungewohnten Studioumgebung mit ihren anderen Temperaturen und Gerüchen fortgesetzt. Dann werden die Tiere über eine Rutsche in die Tank geworfen, sind völlig orientierungslos, versuchen zu entkommen, klammern sich aneinander.“

Das Veterinäramt soll ermitteln, was wirklich passiert ist

Man erhoffe sich bei Peta, dass nun von den Behörden ermittelt und festgestellt wird, was bei der betreffenden Prüfung genau geschehen ist. Man habe das Veterinäramt zudem gebeten, RTL den weiteren Tiergebrauch zu untersagen, „damit sich das Ganze in den nächsten Tagen nicht wiederholt“, so Höffken.

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Schon in früheren Jahren, als das Dschungelcamp in Australien stattfand, habe man immer wieder an RTL und ITV appelliert, Tiere außen vor zu lassen. In diesem Jahr nun, wo die Sendung coronabedingt in Köln-Hürth gedreht wird, erhofft man sich bei Peta mehr Einsicht von Sender und Produktionsfirma: „Weil es in Deutschland passiert, sind deutsche Behörden zuständig, gilt das deutsche Tierschutzgesetz.“ Von dem seien sogar Insekten geschützt, die – so Höffken – „auch nicht einfach so getötet werden dürften“, die aber in der Show bei den Prüfungen der Kandidaten immer wieder zerquetscht worden seien. Diesmal, so betont Höffken, sei aber offenbar zum ersten Mal ein Wirbeltier ums Leben gekommen.

RTL sieht das anders, bestreitet den Tod der Agame. Gegenüber dem RND versicherte RTL-Pressesprecher Claus Richter in einer Mail, dass alle zum Einsatz gekommenen Tiere wohlauf seien. „Das Tierwohl steht bei dieser Produktion absolut im Vordergrund“, so Richter. „Die Tiere sind über Wochen auf die Prüfungen und Kontakt mit Menschen vorbereitet worden. Während des Drehs ist immer Fachpersonal anwesend.“

RTL: Kein Tier muss länger als nötig am Set bleiben

Richter verwies auf die Tierlehrerin Diana Antoine, die auf eine 30-jährige Berufserfahrung zurückblicken könne. Hinzu komme ein ausgebildeter Tierpfleger sowie mehrere Tiertrainer, die sofort eingreifen würden, sollte ein Tier gefährdet werden. „Die Tiere sind auf die Anforderungen der Prüfung konditioniert“, so Richter weiter. „Sie sind über Wochen auf die Prüfungen und den Kontakt mit Menschen gewöhnt worden. Sie werden erst unmittelbar vor dem Dreh auf ihre Position gebracht und auch schnellstens nach dem Dreh wieder zurück in ihre Terrarien gebracht.“ Kein Tier müsse länger als notwendig am Set verbleiben.

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Peta will die Show „Ich bin ein Star“ nicht kippen

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Tiere – so die Peta-Position – seien nicht dazu da, zu unterhalten. Ziel von Peta ist es entsprechend nicht etwa, das Showformat „Ich bin ein Star – die große Dschungelshow“, das wegen der Corona-Pandemie anstelle des Dschungelcamps läuft, ganz zu kippen, sondern es tierfrei zu machen. „Bislang gab es nur eine Änderung, die im letzten Jahr bekannt gegeben wurde“, so Höffken. „Dass keine Tiere mehr lebend gegessen werden dürfen.“

Tierfrei – das wäre natürlich problematisch für den Fortbestand einer Sendung, die ihre stärksten Schauereffekte (sowohl bei Kandidaten als auch beim Publikum) immer wieder aus den Begegnungen zwischen Menschen und (als eklig oder unangenehm empfundenen) Tieren bezieht. „Es gibt sicher herausragend kreative Köpfe bei ITV und RTL, die auch ohne Tiere spannende und für den Zuschauer interessante Prüfungen kreieren können“, ist sich Peta-Mann Höffken dagegen sicher.

Nach der Pandemie sollte man Wildtiere besser in Ruhe lassen

„Wir haben ja gerade ein schlimmes Jahr hinsichtlich der Corona-Pandemie hinter uns“, sagt Höffken weiter. „Deren Auslöser war der zu enge Kontakt zu und die Ausbeutung von Wildtieren. Wenn man nun sieht, wie Wildtiere für Shows benutzt werden, sage ich nur: nichts dazugelernt. Reptilien beispielsweise tragen standardmäßig Salmonellen in sich, das gehört quasi zu deren Biosystem. Und wir Menschen können an Salmonellen erkranken. Spätestens jetzt, in der zweiten Welle der Pandemie, sollte man darauf kommen, dass man Wildtiere besser in Ruhe lässt.“


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