Inka Bause zur Kuppelshow „Bauer sucht Frau“: „Bauern ticken anders“

  • Moderatorin Inka Bause hilft Landwirten bei der Suche nach dem Liebesglück.
  • Im Interview spricht sie über „Bauer sucht Frau“ und warum sich dort immer weniger Homosexuelle anmelden.
  • Außerdem verrät sie, wie lange sie die Sendung noch moderieren möchte.
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Inka Bause moderiert die RTL-Kuppelshow „Bauer sucht Frau“. Am Montag, 14. Oktober, startet ab 20.15 Uhr bereits die 15. Staffel der Sendung, in der Landwirte ihr Liebesglück suchen.

Inka Bause, Sie gehen mit „Bauer sucht Frau“ jetzt in die 15. Staffel. Sind denn nicht langsam mal alle Bauern verkuppelt?

Die werden durch die gute Sendung gedüngt und wachsen sofort nach. (lacht) Durch Social Media – was mittlerweile ja auch ein Problem für die Sendung ist, aber andererseits auch ein unglaublicher Gewinn – tauschen die sich mittlerweile so unglaublich gut aus. Und zwar nicht nur nach ihrer Teilnahme an der Sendung, sondern auch schon davor. Die Bauern einer Region besuchen sich gegenseitig, laden sich zu ihren Gartenfesten, Geburtstagen oder Hochzeiten ein. Das ist so toll. Die befragen sich auch gegenseitig, bevor die sich bei uns bewerben. Wie tickt die Bause denn so? Wie ist die Produktionsfirma? Haben die gute Verträge? Nehmen die unseren Hof auseinander? Offensichtlich haben die Bauern, die schon mitgemacht haben, aber eine gute Erinnerung an den Dreh, sodass sie uns weiterempfehlen. Und das ist natürlich das größte Kompliment.

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Es gab mal eine Zeit, in der sich auch homosexuelle Bauern beworben haben. Das hat offensichtlich wieder abgenommen. Woran liegt das?

Wir nehmen alles, was kommt. Und zwar nicht, weil jemand anders ist und nur einen Arm oder nur ein Auge hat und wir das Skurrilen-TV sind, sondern wir nehmen immer Bewerbungen von Menschen, die ernsthaft jemanden suchen. Dass wir in den letzten Jahren keine Homosexuellen oder Transgender mehr in der Sendung haben, liegt am ländlichen Charakter. Das birgt einfach unendlich viele Probleme. Wir haben vor einigen Jahren einige Bewerbungen von Homosexuellen und Lesben gehabt, die aber schon vor dem Scheunenfest ihre Bewerbung wieder zurückgezogen haben. Da kommt so viel aus dem Umfeld oder der Familie, die sagt: „Du willst dich vor einem Sechs-Millionen-Publikum outen? Brauchst du das?“ Das ist leider das Problem unserer Gesellschaft. Ich habe auch das Gefühl, dass die Leute vor 20 Jahren moderner und aufgeschlossener waren als jetzt. Heute scheinen sich viele in eine neue Spießbürgerlichkeit zu retten, aus Angst vor Globalisierung. Dass leider die anfängliche, totale Offenheit der Bewerbungen aus Erfahrung immer weniger geworden sind. Wenn ein homosexueller Bauer postet, dass er im Nachhinein in seinem Dorf mehr negative als positive Erfahrungen gemacht hat, schreckt das andere ab. Das ist unglaublich traurig, weil es nicht mehr zeitgemäß ist.

Dabei sollte man meinen, dass die sexuelle Präferenz heutzutage keine Rolle mehr spielen sollte …

Wir aus der Stadt haben immer gut reden, wenn wir in Talkshows sitzen – wir Prominenten sowieso. Dann können wir immer darüber rumlamentieren, was wir alles nicht verstehen, wie was läuft. Wir ziehen uns danach aber in unsere Anonymität zurück und können machen, was wir wollen. Wir freuen uns bei „Bauer sucht Frau“ über jeden Homosexuellen, der mitmacht. Aber der kämpft danach oft Kämpfe aus, die er gar nicht alleine gewinnen kann. Wir sind eben keine tolerante Gesellschaft mehr. Mittlerweile wird man ja schon schief angeguckt, wenn man vergisst, die Mülltonne rauszustellen. Wir werden immer spießiger und kleinbürgerlicher – auch in der Großstadt. Wenn man sieht, wie Notärzte angepöbelt werden, die die Straße verstopfen. Da wird einem ganz anders.

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Woran liegt diese neue Spießigkeit Ihrer Meinung nach?

Wir verlernen, in einer Gesellschaft zu leben. Aber das Zusammenleben funktioniert nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme. Wir tippen auf irgendeinen Knopf und zahlen das mit Kreditkarte. Wir müssen nicht mehr freundlich sein, um eine Leistung zu erhalten. Wir müssen nur noch bezahlen und können rumpöbeln, wie wir wollen. Das zieht nichts nach sich. Es gibt kein Hausverbot oder ein „Nein, ich liefere ihnen das nicht!“. Wir brauchen leider nicht mehr die gegenseitige Rücksichtnahme, um überleben zu können. Das ist auf dem Land halt anders. Und deshalb ticken die Bauern auch anders. Die können in ihrem Dorf einfach nicht rumpöbeln, weil sonst Feierabend wäre. Erst Ausgrenzung, und dann geht es irgendwann an die Existenz. Wir in der Stadt können uns viel mehr erlauben, ohne eine Konsequenz davonzutragen – und das ist das Gefährliche. Bei der Umwelt ist es genauso. Wir wollen alle nicht, dass die Gletscher abschmelzen und dass die Eisbären keine Eisschollen mehr haben, aber wir wollen auch ungern auf unsere Klimaanlage und unsere Standheizung im Auto verzichten. Wer soll das alles schaffen? Das geht ja nicht. Das wäre ja Zauberei.

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Ganz anderes Thema: Warum tauschen Sie nicht mal für eine Sendung mit Guido Maria Kretschmer? Er moderiert „Bäuerin sucht Mann“ und Sie küren den „Shopping King“ …

Super Idee. Wenn Sie das schriftlich mal an meine Chefetage schicken würden. Ich würde gerne mal „Shopping Queen“ moderieren und im Gegenzug sollte Guido mal das Scheunenfest machen. Ich würde mich totlachen. Das wäre eine super Idee für eine ganze Staffel. Nicht „Frauentausch“, sondern „Formattausch“. Oder Günther Jauch moderiert „Shopping Queen“ und ich „Wer wird Millionär?“. Ich habe am Mittwoch ein Telefonat mit unserem Unterhaltungschef und werde das mal anleiern. (lacht)

Günther Jauch moderiert seit 20 Jahren „Wer wird Millionär?“, Sie seit 15 Jahren „Bauer sucht Frau“. Können Sie sich noch an Ihr allererstes Outfit erinnern?

Ich kann mich noch gut an mein erstes Outfit erinnern, das ich beim Scheunenfest getragen habe. Es war ein türkisfarbenes Spitzenoberteil mit einem ganz langen Trachtenrock. An Dirndl haben wir uns damals noch nicht rangetraut.

Die ersten Sendungen von „Wer wird Millionär?“ sind verrissen worden. Wie war das bei Ihnen?

Wir sind auch verrissen worden. Das scheint das Qualitätsmerkmal zu sein. Von Haus aus bin ich ja Schlagersängerin und Kummer gewöhnt. Mein Vater war Schlagerkomponist. Da bekommt man ein dickes Fell. Schlager war ja lange Zeit nicht so angesagt wie heute. Ich habe in 15 Jahren „Bauer sucht Frau“ nicht einmal den deutschen Fernsehpreis bekommen. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm, denn letztendlich mache ich die Sendung für die Bauern und die Zuschauer. Aber mein Lieblingsregisseur ist ja Arne Feldhusen, der unter anderem „Der Tatortreiniger“ gedreht hat. Der macht erfolgreiche Sachen und bekommt auch Preise dafür. Das ist mein Anspruch für die nächsten fünf Jahre ... (lacht)

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Aber dann sind Sie doch erst 55 Jahre alt. Wollen Sie dann schon aufhören?

Wenn der „Bauer“ so erfolgreich bleibt, ziehe ich das definitiv durch, bis ich 70 Jahre alt bin. Die Goldene Kamera kommt ja schon mal leider nicht mehr infrage, weil die ja zum letzten Mal vergeben wird.

Sie können auch noch 20 weitere „Bauer sucht Frau“-Staffeln moderieren und kriegen dann gleich einen Preis für Ihr Lebenswerk ...

... oder ich kriege vorher eine Krankheit und bekomme den Preis dann schon früher. Es ist manchmal echt schlimm, wen sie alles noch auf den letzten Metern auszeichnen, weil man diese Künstler vergessen hat. Dieter Thomas Heck oder Wolfgang Rademann – beide hätten den Preis durchaus ein paar Jahre eher verdient, um ihn dann angemessen in Empfang nehmen zu können. Dann verzichte ich da gern drauf und sterbe einfach mit 90 oder 100. Ansonsten halte ich es mit Günther Jauch: „Ich höre von mir aus nicht auf, sondern erst wenn andere sagen: Du darfst nicht mehr!“

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