Initiative fordert mehr Klimathemen im Fernsehen – lenkt nun die ARD ein?

  • Seit Monaten fordert die Initiative „Klima vor Acht“ einen prominenten Sendeplatz für Klimathemen in der ARD.
  • Stattdessen nimmt die Anstalt die wenig relevante Sendung „Sprüche vor Acht“ ins Programm.
  • Ein Skandal? Nicht ganz: Schon am Montag soll es ein Gespräch mit der neuen ARD-Programmleitung geben – und auch neue Klimasendungen sind geplant.
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Hannover. Es wirkt zunächst wie blanker Hohn: Bereits seit Monaten fordert eine Initiative mit dem Namen „Klima vor Acht“ mehr prominente Sendezeit für Themen rund um den Klimawandel in der ARD – jetzt führt die Anstalt auf dem gewünschten Sendeplatz eine neue Rubrik ein, die belangloser kaum sein könnte.

In „Sprüche vor Acht“ sollen laut Pressemitteilung „Redensarten anschaulich erklärt“ werden – und zwar ab dem 11. Juni um 19.45 Uhr, zur besten Sendezeit, kurz vor der Tagesschau. Der Sendeplatz, den sich die Initiative eigentlich für Klimathemen gewünscht hätte, sowie mehrere Tausend Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne.

Spott auf Twitter

Ein Skandal, finden auch Nutzerinnen und Nutzer in den sozialen Netzwerken. Die Initiative selbst schreibt spöttisch auf Twitter: „Kein Witz: @DasErste führt nun ‚Sprüche vor acht‘ zur besten Sendezeit ein. In jeder Sendung soll eine Redensart anschaulich erklärt werden. Seit Monaten werben wir und Tausende Unterstützer:innen für #KlimaVor8. Aber die ARD muss halt Prioritäten setzen.“

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Der Autor Jens Clasen schreibt: „Anstatt endlich auf vielfachen Wunsch #KlimaVor8 zu realisieren, erklärt die ARD nun in ‚Sprüche vor acht‘ zur besten Sendezeit Redensarten. Ich freue mich schon auf die Folge ‚Wer zu spät kommt, den bestraft die Klimakrise‘. Andere Nutzer schreiben, die Anstalt habe eine „Chance vertan“.

Und auch die Klimaaktivistin Luisa Neubauer steigt mit ein: „Dass es sowas wie Sprüche vor Acht gibt, demonstriert vor allem wie dringend es #KlimaVorAcht braucht. Wenn Menschen nicht über die Klimakrise Bescheid wissen, können sie auch nicht ihrer Verantwortung in der Klimakrise gerecht werden“, schreibt sie. Die Initiative selbst legt nach und postet die Adresse und Telefonnummer der „Das Erste“-Zuschauerredaktion, falls man Anmerkungen zum Programm habe.

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Klärendes Gespräch am Montag

Wer die Tweets liest, könnte meinen, die Sendung „Sprüche vor Acht“ sei ein Votum der ARD gegen eine regelmäßige Klimarubrik – doch ganz so ist es nicht. Tatsächlich soll am kommenden Montag (31. Mai) ein Gespräch zwischen der Initiative „Klima vor Acht“ sowie der neuen Programmleitung der ARD stattfinden, wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) auf Anfrage erfuhr. Das Ergebnis des Gesprächs: bislang noch völlig offen.

„Wir hatten am 20. April ein erstes, und wie wir finden konstruktives, Gespräch mit Christine Strobl, Florian Hager und Oliver Köhr“, erklärt „Klima vor Acht“-Sprecherin Friederike Mayer gegenüber dem RND. Strobl hatte jedoch erst am 1. Mai die Nachfolge von Volker Herres als Programmdirektorin der ARD angetreten, Hager ist erst seit Kurzem stellvertretender Programmdirektor und Köhr erst seit 1. Mai neuer ARD-Chefredakteur. Aufgrund der Personaländerung habe man einen neuen Gesprächstermin für Ende Mai vereinbart.

Dass dieser positiv verlaufen könnte, ist gar nicht so abwegig – denn auch die ARD zeigt Gesprächsbereitschaft. Auch hier bezeichnet man das erste Gespräch auf RND-Anfrage als „konstruktiv“, das zweite sei bereits seit längerem geplant gewesen.

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Mehr Klimathemen bei „Wissen vor acht“

Und nicht nur das: Auch unabhängig davon wolle man im „Ersten“ den Klimaschutz am Vorabend stärker thematisieren. Ab Ende Juni sollen die bereits bekannten Formate „Wissen vor acht – Natur“ und „Wissen vor acht – Zukunft“ immer montags und dienstags um 19:45 Uhr den Fokus auf „Klimawandel und Nachhaltigkeit“ legen, wie ein Sprecher erklärt.

„Zehn der Folgen entstehen aktuell in Zusammenarbeit mit führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen auf diesem Gebiet“, so der ARD-Sprecher. „Diese Zusammenarbeit soll über den Sommer hinaus fortgesetzt und die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit kontinuierlich bei ‚Wissen vor acht‘ behandelt werden.“ Zudem werde in der Rubrik ‚Klima‘ bei „Wetter vor acht“ künftig regelmäßig über aktuelle Geschehnisse beim Klimawandels berichtet. „Weitere Überlegungen zur Neugestaltung von ‚Wissen vor acht‘, auch im Hinblick auf die ARD Mediathek, werden derzeit diskutiert“, so die ARD.

Das Format „Sprüche vor acht“ hingegen ersetze lediglich in der Sommerpause der Bundesliga die „Sportschau vor acht“.

Initiative produziert Beispielsendung

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Tatsache ist aber auch: Lange Zeit hatte die ARD die Forderungen der Klimaaktivistinnen und -aktivisten weitestgehend ignoriert. Ein offener Brief an den ARD-Vorsitzenden Tom Buhrow hat inzwischen mehr als 18.000 Unterschriften von Unterstützerinnen und Unterstützern, darunter prominente Namen wie etwa Carolin Kebekus und Bastian Pastewka, Luisa Neubauer und Bjarne Mädel. Auch ARD-Gesichter, wie etwa der Meteorologe Karsten Schwanke unterzeichneten den Brief. Eine offizielle Antwort Buhrows blieb bis heute aus.

In dem Brief hatte die Initiative im März bemängelt, dass in der Corona-Krise schnell Platz für Sondersendungen geschaffen worden sei, die Berichterstattung zur Klimakrise jedoch nur „unzureichend“ sei. Es gebe zwar „gute Beiträge zum Thema Klimawandel“, doch „zu oft auf Sendeplätzen am späten Abend“. Die Initiative fordert in dem Brief, etwa statt der täglichen Börsensendung die Sendung „Klima vor Acht“ zu zeigen, mit „Perspektiven und Lösungsansätzen“ zum Thema Klimawandel.

Wie genau so ein Format aussehen könnte, zeigen die Mitglieder der Kampagne auch. Seit April wurden auf dem Youtube-Kanal „Klima vor Acht“ mehrere Videos hochgeladen, in denen es etwa um erneuerbare Energien, Moore, den Klimawandel in Grönland und CO₂ geht. Ein rund fünfminütiges Format, das so auch im ARD-Vorabend laufen könnte. Einige der Videos wurden von der bekannten Moderatorin Nina Eichinger moderiert. Am Donnerstag erschien die vorerst letzte Folge.

RTL zeigt Interesse am Format

Viel Interesse an dem Format zeigte die ARD bislang jedoch offenbar nicht – dafür der Privatsender RTL. Dieser teilte schon im März mit, man wolle sich mit den Aktivistinnen und Aktivisten zusammensetzen. Am 22. April zum „Earth Day“ präsentierte Maik Meuser dann im Programm ein erstes „Klima Update“, weitere Ausgaben sind ab Juni zweimal die Woche im Rahmen von „RTL aktuell“ geplant und sollen laut der Initiative „Klima vor Acht“ etwa eine Minute lang sein.

„Wir waren an der Themenfindung und Auswahl beteiligt und waren mit diesem Prozess zufrieden“, erklärt Friederike Mayer. „Die redaktionelle Hoheit liegt allerdings bei RTL und zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch kein abschließendes Urteil darüber geben.“

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Hinter der Kampagne „Klima vor Acht“ stehen laut eigenen Angaben „mehr als ein Dutzend Menschen“, darunter Journalistinnen und Journalisten sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Wurzeln in der Klimabewegung. Um das Projekt und die Beispielvideos zu finanzieren, war vor knapp einem Jahr eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen worden – innerhalb weniger Stunden war das Finanzierungsziel von 20.000 Euro bereits erreicht, bis zum Ende hatte sich die Summer fast verdoppelt.

„Wie unsere Kampagne weitergeht, hängt nun also stark von der Haltung der ARD dazu ab“, so Mayer. „Wir warten dafür das Gespräch am Montag ab.“

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