In weiten Teilen inszeniert: NDR distanziert sich von Doku „Lovemobil“

  • Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) distanziert sich vom preisgekrönten Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“.
  • Die Produktion soll in weiten Teilen Szenen zeigen, die nicht authentisch sind.
  • Zentrale Personen des Films schildern demnach nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle.
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Hannover. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat sich von dem Kino-Dokumentarfilm „Lovemobil“ der Autorin Elke Margarete Lehrenkrauss distanziert. Die preisgekrönte Produktion, die der NDR mitproduziert hat, zeige in weiten Strecken Szenen, die nicht authentisch seien, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Der Film schildert das Leben von Prostituierten, die unter entwürdigenden Umständen in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen arbeiten.

Auslöser waren den Angaben zufolge Recherchen der NDR-Redaktion „STRG_F“. Der Film soll zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden sein, aber zentrale Personen des Films schildern demnach nicht ihre persönlichen Erfahrungen, sondern spielen eine Rolle. Zahlreiche Situationen seien nachgestellt oder inszeniert.

NDR war nicht über die Inszenierungen informiert

Der Film ist weltweit auf Festivals gelaufen, wurde im Juli 2020 mit dem Deutschen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet und ist für den Grimme Preis nominiert. Finanziert wurde er unter anderen aus Mitteln der Nordmedia Filmförderung. Die NDR-Dokumentarfilmredaktion war als Ko-Produzent beteiligt.

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Im Interview bei STRG_F habe Lehrenkrauss eingeräumt, es versäumt zu haben, den NDR über die Inszenierungen zu informieren, hieß es. Sie bereue das. Der NDR habe aber auch nicht nachgefragt.

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Frank Beckmann, Programmdirektion Fernsehen, erklärte: „Der Film 'Lovemobil' entspricht nicht den Standards, die der NDR an dokumentarisches Erzählen anlegt. Er gaukelt dem Publikum eine Authentizität vor, die er nicht hat.“ Der Sender werde den Sachverhalt in seinen Programmen transparent machen und unabhängig berichten. „Wir müssen neben der vollständigen Aufklärung noch bessere Wege finden, wie wir uns vor solchen Irreführungen schützen können“, sagte Beckmann.

RND/epd

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