Illustre Männerrunde: Comedians üben Kritik am Deutschen Comedypreis

  • Die Nominierungen zum Deutschen Comedypreis sorgen in der Branche für Unmut.
  • In gleich mehreren Kategorien sind ausschließlich Männer nominiert.
  • Die Veranstalter weisen die Kritik von sich.
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Köln. Am 2. Oktober wird der deutsche Comedypreis im Fernsehen ausgestrahlt - in diesem Jahr erstmals bei Sat.1. Nominiert sind diverse deutsche Comedy-Stars, darunter etwa Kurt Krömer, Luke Mockridge und Oliver Pocher.

Nun gut, das Wort “divers” ist an dieser Stelle vielleicht nicht ganz zutreffend. Tatsächlich besteht die Nominierungsliste nämlich vorwiegend aus einer weißen Männerrunde. In die Kategorien “Bester Podcast”, “Beste Satireshow” und “Beste Moderation” hat es tatsächlich keine einzige Frau geschafft - in der Kategorie “Beste Comedy-Show” kämpft Carolin Kebekus allein an weiter Front.

Etwas gemischter sieht die Nominierungsliste in der Kategorie “Beste Comedy-Serie” aus - hier sind mit “Frau Jordan stellt gleich” und “Think Big” immerhin zwei Produktionen mit rein weiblichen Protagonistinnen nominiert. Als nominierte “Beste Newcomerin” darf Maria Clara Groppler neben zwei Männern antreten. Die einzige Kategorie, in der ausschließlich Frauen nominiert sind, heißt “Beste Komikerin”. Kein Wunder: Hier sind Männer nämlich gar nicht zugelassen und haben mit “Bester Komiker” ihre eigene Kategorie.

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Podcasterinnen üben Kritik

Das ungleich verteilte Frauen-Männer-Verhältnis ist auch einigen Profis aufgefallen. Giulia Becker, Autorin bei Jan Böhmermanns “Neo Magazin Royale” twitterte: “Muss man auch erstmal schaffen: In der Comedypreis Kategorie Podcast sind mehr Thomas Schmidts nominiert als Frauen.” Gemeint sind damit Thomas “Tommi” Schmitt vom Podcast “Gemischtes Hack” und der TV-Produzent Thomas Schmitt, der Teil von “Baywatch Berlin”, dem Podcast von Klaas Heufer-Umlauf ist.

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Ariana Baborie vom Comedy-Podcast “Herrengedeck” äußerte sich in ihrer Instagram-Story: “Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn rauskommt, dass das ein riesengroßer Prank war von Sat.1. Wenn die sich einfach gedacht haben: Hey, wie können wir darauf aufmerksam machen, dass immer noch in den großen präsenten Positionen (...) meistens nur die Männer nach vorne gezerrt werden?”

Sie befürchtet jedoch, dass der Sender es ernst meint. Baborie verweist in ihrer Story auf ARD-Programmdirektor Volker Herres. Dieser hatte erst vor einigen Wochen mit der Aussage für Empörung gesorgt, ihm falle “aktuell kein weibliches Pendant zu einem Kai Pflaume ein, der die große Samstagabendshow moderiert und mit seiner Empathie und Zugewandtheit so große Mehrheiten für sich begeistert”. Ein solches Denken herrsche offenbar auch in der Comedybranche.

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“Mädels, macht weiter”

Ihre Podcast-Kollegin Laura Larsson bezeichnet die Nominierungsliste auf Instagram als “schwach”: “Ein deutscher Comedypreis, der Oliver Pocher als besten Moderator nominiert. Es bleiben nicht viele Fragen offen, von was für einem Preis wir da sprechen. Wäre es nicht irgendwie cool gewesen, wenn der Deutsche Comedypreis, der zur Primetime auf einem Privatsender ausgestrahlt wird (...) gesagt hätte: ‘Lass doch mal mehr Frauen abbilden, wäre doch voll die gute Idee!’ Aber da hatten die keinen Bock drauf.”

Zugleich ermutigt Larsson andere Frauen in der Comedybranche: “Gerade jetzt müssen witzige Mädels weitermachen. Wenn ihr einen Podcast machen wollt, wenn ihr witzigen Poetry-Slam machen wollt, wenn ihr witzige Insta-Storys machen wollt, wenn ihr ein Stand-Up-Programm machen wollt - ey bitte, macht da einfach weiter. Denkt nicht, dass ihr nicht lustig seid oder sein dürft, weil euch irgendwelche Männer (oder auch Frauen) das Gefühl geben, dass Frauen das sowieso nicht können.” Danach verlinkt Larsson in ihrer Story mehrere Comedy-Frauen, die ihrer Meinung nach eine Nominierung verdient hätten - darunter etwa Giulia Becker, Larissa Rieß und Sophie Passmann.

Auch auf Twitter wird das ungleiche Männer-Frauen-Verhältnis thematisiert. “Was die Nominierungen für den Comedypreis vor allem zeigt: Als Frau musst du echt was drauf haben, um nominiert zu werden. Bei den Männern ist das offenbar anders”, schreibt etwa @Shari_Litt.

Veranstalter weisen Kritik von sich

Die Veranstalter des Deutschen Comedypreises können die Kritik derweil nicht teilen. Ralf Günther, Geschäftsführer des Cologne Comedy Festivals, teilt auf Anfrage des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) mit: “Auch in diesem Jahr sind beim Deutschen Comedypreis wieder viele wunderbare Comediennes und Künstlerinnen nominiert, ebenso wie viele wunderbare Comedians und Künstler.”

Die Aufgabe einer Preisverleihung sei es aber nicht, in den einzelnen Kategorien “nach einer Quotenregelung zu nominieren“, sondern “die Ausgewogenheit der Show im Ganzen”. “Und da garantieren wir eine überraschende, bunte und vielfältige Preisgala mit viel Frauen- und Männerpower!”, heißt es weiter in dem Statement.

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