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„Hubert ohne Staller“-Schauspieler: „Christian Tramitz würde eher gendern als Franz Hubert“

  • „Hubert ohne Staller“ geht am 12. Januar schon in die zehnte Staffel.
  • Im RND-Interview spricht Schauspieler Christian Tramitz über den Erfolg der Cop-Serie und warum daran anfangs niemand glaubte.
  • Außerdem erklärt er, warum in dem ARD-Krimiformat nicht gegendert wird.
Cornelia Wystrichowski
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Sie gehören zu den schrägsten Cops im deutschen Fernsehen: Die Streifenpolizisten aus der Serie „Hubert ohne Staller“. In der zehnten Staffel des ARD-Vorabendkrimis gehen sie ab dem 12. Januar wieder in Oberbayern auf Gaunerjagd. Das Format startete Ende 2011 unter dem Titel „Hubert und Staller“. Die beiden Hauptdarsteller und Schulfreunde Helmfried von Lüttichau und Christian Tramitz hatten die Beamten schon Jahre zuvor als Sketchfiguren erfunden. Lüttichau stieg 2018 aus, danach wurde die Serie umbenannt und Tramitz ermittelt seitdem als Franz Hubert mit einem neuen Team weiter.

Christian Tramitz kam 1955 als Sohn eines Filmproduzenten in München zur Welt und ist mit Christiane Hörbiger verwandt. Er studierte zunächst Kunstgeschichte, arbeitete aber auch schon früh für Radio und Fernsehen und wurde mit der Sketchsendung „Bullyparade“ an der Seite von Michael „Bully“ Herbig bekannt. Seine Rolle als schräger Westernheld „Der Ranger“ in Bullys 2001 gedrehtem Kassenschlager „Der Schuh des Manitu“ machte ihn berühmt, seitdem ist er regelmäßig in Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. Der 66-Jährige ist verheiratet, hat vier Kinder und lebt am Starnberger See.

Herr Tramitz, seit rund zehn Jahren spielen Sie den missgelaunten bayerischen Polizisten Franz Hubert. Macht es Ihnen noch Spaß?

Christian Tramitz: Ja, nach wie vor, auch wenn ich als Polizist sicherlich nicht den Eindruck erwecke. Der einzige Nachteil ist: Wir drehen oft in der kalten Jahreszeit bei Schnee und Matsch, und da friere ich oft in dieser dürftigen Polizeijacke. Das wird aber demnächst anders, ich habe für die nächste Staffel schon einen Anorak angefordert.

Hubert selber ist ja nicht gerade ein Sonnenschein …

Er hat Emotionen, die aber immer an der falschen Stelle rauskommen. Die Figur habe ich mir im Lauf der rund 160 Folgen zusammengesponnen, und es stecken viele Sachen von mir selbst drin. Im Sozialverhalten von Hubert ist schon manchmal etwas Christian Tramitz drin, und manchmal bin ich auch privat ein bisschen wie Hubert. So eine Rolle färbt auf einen ab und umgekehrt.

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Stimmt es, dass Sie nach den ersten Testvorführungen anfangs am Erfolg der Serie gezweifelt haben?

Total. Am Anfang hat eigentlich keiner gedacht, dass das Ding so ein Langläufer wird. Alle haben gesagt: Ja, das ist schon lustig, aber das ist wahrscheinlich zu schräg für den Geschmack der Zuschauer. Aber dem war nicht so, die Leute haben sich darauf eingelassen und relativ schnell angefangen, es zu lieben. Warum es dermaßen gut funktioniert hat, kann ich bis heute nicht sagen, da steckt natürlich auch Glück drin.

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Die Serie ist von ihrem schwarzen Humor geprägt. Wie viel davon akzeptieren die Fans? Gibt es eine Grenze?

Bestimmt gibt es manchmal Sachen, die so schwarzhumorig sind, dass sie den ein oder anderen vor den Kopf stoßen – aber so ein Format muss ja auch polarisieren. Ich selbst geh‘ da nach meinem Bauchgefühl, wie hart es sein darf.

Sind Ihnen normale Fernsehkrimis zu konventionell?

Meistens. Ich gucke deswegen wenig Krimis. Es interessiert mich einfach nicht so.

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Bis 2018 hieß die Serie „Hubert und Staller“, doch dann stieg Ihr Kollege und guter Freund Helmfried von Lüttichau alias Staller aus – dabei hatten Sie beide das Polizistenduo gemeinsam entwickelt. Hatten Sie daran geglaubt, dass es auch ohne ihn gehen würde?

Damals gab es viele, die sagten, ohne Staller ist es nicht mehr das, was es war. Aber trotz aller Unkenrufe hat es funktioniert, wir haben die Kurve gekriegt. Und so weh mir Helmfrieds Ausstieg getan hat, dieses Durchrotieren hat frischen Wind in die Serie gebracht. Der ehemalige Revierleiter Girwidz, gespielt von Michael Brandner, wurde degradiert und sitzt jetzt als Beifahrer bei mir im Streifenwagen. Wir haben eine Chefin, insgesamt mehr Frauen. Durch die Spielweise der Neuen kommt ein anderer Zug rein, die Szenen kriegen ein anderes Tempo. Und wir haben dank der neuen Besetzung die Möglichkeit, mit dem Format in andere Richtungen zu gehen, auch mal tragisch und nicht ausschließlich lustig zu sein. Da ist noch nicht alles ausgelotet.

Wenn man die Einträge in Fanforen liest, gewinnt man den Eindruck: Manche finden die Serie sogar noch besser als vorher.

So was erreicht man nur ganz selten. Ich bin ja zum Beispiel auch ein Gewohnheitsvieh und mochte zum Beispiel die Sitcom „Two And a Half Man“ mit Charlie Sheen sehr gerne – aber als er ausgestiegen ist, das fand ich furchtbar. Oft sind die Leute ja schon sauer, wenn deutsche Synchronstimmen wechseln. Umso erstaunlicher finde ich es, dass die Fans nach Helmfrieds Ausstieg den Weg der Serie mitgegangen sind.

Haben Sie noch Kontakt zu Helmfried von Lüttichau?

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Ja, das ist ja eine uralte Freundschaft, aus frühesten Schulzeiten noch, und das wird auch bleiben.

Das Revier wird seit der Personalrochade von einer Frau geleitet, gespielt von Katharina Müller-Elmau – die aber eine Tasse mit der Aufschrift „Chef“ vor sich stehen hat, nicht etwa „Chefin“. Wird in Bayern denn nicht gegendert?

Mir ist das noch nie aufgefallen, ehrlich gesagt! Aber ich glaube nicht, dass das was mit der Gender-Frage zu tun hat, das soll nur darauf hinweisen, dass sie jetzt nicht nur den Job, sondern sogar noch die Tasse von ihrem Vorgänger Girwidz hat. Es wird in der neuen Staffel übrigens eine Gender-Folge geben, da kommt eine Gleichstellungsbeauftragte aufs Revier, und es ist wahnsinnig komisch, wie Hubert und Girwidz damit umgehen. Christian Tramitz würde ja eher gendern als Franz Hubert, der würde sich eher den linken Zeh abschneiden, so wie er charakterlich veranlagt ist. Er ist Misanthrop und dem weiblichen Geschlecht ja auch nicht so zugewandt.

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Worauf dürfen sich die Fans in den Jubiläumsfolgen sonst noch freuen? Gibt es mal ein neues Streifenfahrzeug anstelle des gut 30 Jahre alten ramponierten Dienstwagens?

Nein, der gehört einfach dazu. Das Auto klingt grausam, an dem ist alles kaputt, vom Ventildeckel bis zu den Stoßdämpfern. Dass der Wagen noch läuft, ist ein Wunder, wir haben ihn sehr gequält, es gibt keinen Acker oder Bordstein, mit dem er noch nicht Bekanntschaft gemacht hat. Das Blaulicht einzuschalten ist auch sehr umständlich, da muss man mehrere Kabel wechseln. Aber die Karre wird uns alle überleben.

Kann die echte Polizei eigentlich darüber lachen, wie sie in der Serie dargestellt wird?

Total, die sind große Fans der Serie. Ich lebe ja hier auf dem Land und habe einen sehr guten Kontakt zur hiesigen Polizei. Wenn die ein Sozialprojekt machen, rufen sie mich an und fragen: Kannst du da nicht hinkommen? Und das mache ich auch gerne. Von denen stammt der Satz: „Ihr seid manchmal näher an der Wirklichkeit, als ihr denkt!“ Beunruhigend!

Wie lange wollen Sie die Rolle noch spielen?

Ich habe keine Ahnung. Solange es allen, dem gesamten Ensemble, noch so Spaß macht und wir uns kaputtlachen können beim Drehen, so lange ist es gut.

Können Ihre Kinder auch über den Humor der Serie lachen?

Ich sag mal so: Aus Höflichkeit mir gegenüber finden sie sie gut. Der Kleine durfte neulich sogar einmal mitspielen, da brauchten wir gerade einen 13-, 14-Jährigen und ich habe ihn überredet. Er wollte erst nicht, aber ich habe ihn überzeugt und gesagt: Von der Gage kannst du dir selber ein Fahrrad kaufen.

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