• Startseite
  • Medien & TV
  • Hollywoodschauspieler Sebastian Koch nach Drehpause: „Ich werde nicht mehr so durchhetzen“

Hollywoodschauspieler Sebastian Koch nach Drehpause: „Ich werde nicht mehr so durchhetzen“

  • Endlich ist Sebastian Koch wieder im Fernsehen zu sehen, im Vierteiler „Schatten der Mörder – Shadowplay“ (ZDF, 30. Oktober).
  • Im RND-Interview spricht der Schauspieler darüber, warum er sich zuvor eine Drehpause verordnet hatte und wie es nun weitergeht.
  • Außerdem erzählt er von seinen Hollywoodproduktionen – und wieso da nicht zwangsläufig die besten Filme entstehen.
|
Anzeige
Anzeige

Der Vierteiler „Schatten der Mörder – Shadowplay“ (ZDF, 30. Oktober) behandelt deutsche Zeitgeschichte. Sie spielen immer wieder in historischen Filmen mit. Ist das Zufall oder finden Sie die besonders wichtig?

Das ist durchaus Zufall. In diesem Fall ist es eine tolle Rolle gewesen und ich fand die Zeit spannend: 1946, die Zeit nach dem Krieg, Deutschland als Verlierer und in vier Sektoren geteilt. Es war ein ganz besonders heißer Sommer. Jeder wollte besser sein als der andere und es war ein Sodom und Gomorra: Es gab glaube ich 100.000 Vergewaltigungen in dem Jahr, und das sind nur die registrierten Fälle. Die Dunkelziffer ist wesentlich höher. Es gab sozusagen kein Gesetz, es gab keine Polizei und jeder hat gemacht, was er wollte.

Sie spielen den „Engelmacher“, der Frauen bei Abtreibungen hilft, um sie dann auszunutzen. Sie haben aber häufiger auch schon Figuren gespielt, die einer realen Person nachempfunden sind, wie zum Beispiel in „Stauffenberg“. Macht es das einfacher oder schwieriger für Sie, wenn Sie ein historisches Vorbild für eine Rolle haben?

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Das ist kein großer Unterschied. In dem Fall ist es einfach für einen Schauspieler eine tolle Figur, ein Gynäkologe, der im Hintergrund die Fäden zieht. Wie ich schon sagte: Es gab allein 100.000 registrierte Vergewaltigungen in dem Jahr, und diese armen Frauen und Mädchen wussten nicht wohin mit ihrem Leid. Da hat er sich als freundlicher Arzt zur Verfügung gestellt und gesagt: Ich kann euch die Kinder wegmachen. Und: Wenn ihr euch noch rächen wollt, könnt ihr das mit meiner Hilfe machen. Dadurch, dass die Frauen dann oft ihre Peiniger umgebracht haben, hatte er sie in der Hand. Damit hat er ein Netzwerk von Frauen aufgebaut, die ihm Informationen zugeliefert haben; und Information war in der Zeit eine heiße Ware.

Das Stream-Team Was läuft bei den Streamingdiensten? Was lohnt sich wirklich? Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix & Co. gibt‘s jetzt im RND-Newsletter „Stream-Team“ – jeden Monat neu.

Sie hatten sich zuletzt selbst eine Drehpause verordnet, weil Sie die Lust am Spielen verloren hatten. Ist die Lust wiedergekommen?

Anzeige

„Shadowplay“ haben wir letztes Jahr gedreht, das war eine kleinere Rolle und fand sozusagen während meiner eigentlichen Pause statt. Es war eine sehr lustvolle Rolle, da habe ich gerne eine Ausnahme gemacht. Davor habe ich zwei Jahre gar keinen Film gemacht. Ich habe viel gelesen, habe mich mit klassischer Musik und Literatur beschäftigt und zwei Programme auf die Bühne gebracht, mit denen ich getourt bin. „Paradise“ zusammen mit Daniel Hope und die „Kreutzersonate“ mit Anna Buchberger am Klavier und Erik Schumann an der Geige. Das hat viel Spaß gemacht. Durch Corona sind die Auftritte in diesem Jahr leider alle abgesagt worden. Aber jetzt packt mich wieder die Lust, zu drehen, Ende November fange ich wieder an.

Was haben Sie in der Zeit gemacht, abgesehen von Ihren Lesungen und Shows?

Anzeige

Ich habe viel Gitarre gespielt und Zeit mit Freunden und meinen Kindern verbracht. Ich war einfach nicht dauernd unterwegs. Das ist ja sonst bei mir oft so, dass ich viel im Ausland bin, und dann gleich drei oder vier Monate. Es tat mir gut, mal an einem Ort zu sein.

Wollen Sie dann jetzt auch das Arbeitspensum zurückschrauben im Vergleich zu der Zeit vor Ihrer Pause?

Ja, auf jeden Fall. Ich werde nicht mehr so durchhetzen. Ich hatte so viele tolle Angebote, die ich auch sehr gern gemacht habe. Die viele Arbeit hat eine Zeit lang gestimmt und gerade stimmt es eben nicht mehr. Ich will einfach mehr auf mich hören, und das bedeutet zurzeit, zurückzuschalten.

Sie spielen auch immer wieder an der Seite von Hollywoodstars in internationalen Produktionen mit. Wie unterscheiden sich solche Drehs von denen deutscher Produktionen?

Da stehen statt drei Lichtwagen dreißig am Set. Viel mehr ist es nicht (lacht). Es ist einfach sehr viel aufwendiger. Ob der Film gut ist oder die Spielpartner gut sind, entscheidet nicht Hollywood oder Dänemark oder Italien, sondern das entscheidet das jeweilige Team vor der Kamera – in diesem kleinen Raum muss man einbezahlen, da gilt es – ob in Hollywood, oder in einem Studentenfilm.

Das heißt, in Hollywood werden auch nicht zwangsläufig die besseren Filme produziert …

Nein, zwangsläufig definitiv nicht. Aber manchmal ja. Ich versuche im Vorfeld zu erspüren, ob die Menschen, die das machen, tatsächlich für die Sache arbeiten oder wie groß das Ego ist. Wenn die Sache im Vordergrund steht, bin ich dabei.

Aber steckt mehr Druck dahinter, wenn Sie wissen, dass es sich um eine teure Hollywoodproduktion handelt?

Ja, es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, es ist ganz entspannt. Wenn so viel Geld und Aufmerksamkeit im Spiel ist, ist der Druck natürlich höher. Andererseits relativiert der sich auch schnell. Mit Steven Spielberg und Tom Hanks war es nach zwei, drei Tagen auch entspannt, weil man wusste, dass die wirklich für die Sache arbeiten und man sofort eine Ebene hatte, auf der man kommuniziert. Aber natürlich hat man erstmal Respekt und der Druck ist höher als sonst.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen