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  • „Höhle der Löwen“: Blindverkostung eines Gins endet im Fiasko bei Nico Rosberg und Co.

„Das ist ungenießbar“: Blindverkostung bei „Höhle der Löwen“ endet im Fiasko

  • „Schmeckt nicht“, polterte nicht nur Georg Kofler, als ihm zwei Gründer in „Die Höhle der Löwen“ einen alkoholfreien Gin vorsetzten.
  • Eine hart kämpfende Gründerin weint außerdem bitterlich, ein Handwerker versetzt für seinen Traum den Gegenwert seines Hauses.
  • Und Carsten Maschmeyer erzählt von Krebs in der eigenen Familie.
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Kurz, aber schmerzhaft: Selten hat man zuletzt einen so desaströsen Auftritt eines jungen Gründerduos in der Vox-Investmentshow „Die Höhle der Löwen“ erlebt. Fast hätte man Stella Strüfing aus Berlin und den ursprünglich aus der Schweiz stammenden Lebensmitteltechniker Christian Zimmermann bemitleiden müssen. Die beiden stellten ihr Start-up Laori vor. Dahinter verbirgt sich eine alkoholfreie Variante des Modedrinks Gin. Gründerin Stella, eine selten um schlagfertige Antworten verlegene studierte Betriebswirten, liebt Gin Tonics, hat aber den Kater am Morgen danach zu fürchten gelernt.

„Laori ist die erste alkoholfreie Alternative zu Gin, die wie Gin schmeckt und auch so riecht“, kündigte die 34-Jährige ihre edel gestalteten Pseudoschnapsflaschen zum stolzen Preis von fast 25 Euro an. Das Verfahren, das Getränk mit den Aromanoten aus Wacholder-, Lavendel- und Rosmarinextrakten zu versetzen, hatte der Chemie-erfahrenen Kollege Christian entwickelt. „Wir haben uns an der Destillation von Parfüm in Frankreich orientiert.“ 175.000 Euro wollten die beiden von den „Löwen“ haben – im Gegenzug für 15 Prozent der Firmenanteile.

Georg Kofler warnt: „Lasst niemanden das pur trinken!“

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Alles schön und gut. Einziges echtes Problem: Das Getränk kam furchtbar an. Die Verkostung geriet zum Tribunal – mit vernichtenden Urteilen. Schon Ralf Dümmel bekannte freimütig: „Mir schmeckt’s nicht“, fügte aber erklärend an, dass er ohnehin keinen Alkohol trinke und daher auch das Original nicht kenne. Deutlicher wurde Georg Kofler, der Genießer aus Südtirol und frisch selbst geoutete FDP-Großspender: „Das schmeckt nicht nach Gin Tonic“, sagte er über den Versuch eines Mixgetränks mit Laori-„Gin“. „Seid mir nicht böse.“ Den „total süßlichen“ Geschmack beklagte dann auch Dagmar Wöhrl. „Es ist nicht Gin.“ Und dann war das Urteil gefällt: „Lasst niemanden das pur trinken“, warnte Georg Kofler. „Das ist ungenießbar.“

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Kein Wunder, dass auch die verbliebenen beiden „Löwen“ schnell abwinkten. „Ich mag es pur und ehrlich“, sagt Nils Glagau und zog sich zurück. Und Carsten Maschmeyer schimpfte. „Es ist zu teuer! Und es hat nicht genug Ginähnlichkeit.“ Einen Deal gab es also nicht für Stella und Christian – dafür vermutlich reichlich Katerstimmung – ganz ohne Alkoholgenuss. „Lasst euch nicht unterkriegen“, rief Nils Glagau dem Gründerpaar noch nach, als es mit versteinerten Mienen aus dem Studio flüchtete. Ihre Fähigkeit, immer noch ein Widerwort zu finden, hatte Stella immerhin nicht verloren. Von unterschiedlichen Geschmäckern sprach sie im Hinausgehen. „Gib uns ein Jahr, dann sprechen wir uns wieder!“ Es hatte unter dem Eindruck des verheerenden Pitchs ein bisschen was von einer Drohung.

Erst Tränen, dann Deal: „Ich lasse mein Herz sprechen“

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Während die jungen Laori-Gründer auch im Moment der ärgsten Schmach den Kopf hochhielten, flossen zuvor Tränen – allerdings Glückstränen. Dann nämlich, als die alleinerziehende Mutter N’deye Fall-Kuete aus Hamburg, deren familiäre und kulturelle Wurzeln aus Westafrika stammen, die von ihr selbst entwickelte und weitestgehend in heimischer Eigenproduktion gekochte Gourmetsaucenreihe Ndeyefoods vorstellte.

Die teilweise herzhaft scharfen Fertigprodukte, die zu Beilagen wie Reis, aber auch als Aufstrich, Gewürzzusatz oder Suppe gegessen werden können, raubten potenziellen Geldgebern wie Georg Kofler zwar zwischenzeitlich den Atem, schmeckten aber erkennbar lecker. Allerdings: Ein Nischenthema dürfte die kulinarische Exotik dennoch bleiben.

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Dagmar Wöhrl allerdings war komplett begeistert von Mama N’deye, die ihre Rührung auf der Investorenbühne nicht verbergen konnte und in einer Mischung aus Erschöpfung und Verzweiflung bitterlich zu weinen begann. „Ich lasse mein Herz sprechen – ich investiere“, verkündete Familienunternehmerin Wöhrl unvermittelt, nachdem ihre Kollegen allesamt abgesagt hatten. „Wir versuchen es“, meinte sie und ließ sich auf das Abenteuer ein, 130.000 Euro für 25 Prozent der Firmenanteile auszugeben „Ob’s klappt, weiß ich nicht.“ Eine Entscheidung mit Herz!

Hightech – und eine Tapezierbürste!

Ähnlich emotional wurde es im Vox-Studio, als der gelernte Maler und Lackierer Michael Heide aus Zeuthen das vergleichsweise schlichte Produkt einer von ihm selbst ergonomisch optimierten, noch dazu patentgeschützten Tapezierbürste vorstellte. 120.000 Euro an Ersparnissen hatte er in die Entwicklung schon gesteckt. Und sich und seiner Frau damit einen ursprünglich geplanten Hauskauf zugunsten seines Unternehmertraums versagt. Nach einigem Hin und Her überzeugte der bodenständige Typ allerdings gleich drei Interessenten. Ralf Dümmel machte mit einem Investment von 40.000 Euro für 15 Prozent der SmartQ-Anteile (so heißt die Bürste) das Rennen.

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Hightech der allerfeinsten Sorte hatte schließlich das Akademikerehepaar Annette Barth (Wirtschaftspsychologin) und Julian Meyer-Arnek (Doktor der Physik und Atmosphäreforscher) im Angebot. Sie haben mit dem UV-Bodyguard ajuma einen App-unterstützenden Sensor entwickelt, der die Umwelteinflüsse genauestens misst und individuell vor dem Hautkrebsrisiko nach zu viel Sonneneinwirkung warnt. In der dunkleren Jahreszeit „rät“ der Sensor zum Gang in die Sonne, wenn es darum geht, die Körpervorräte an Vitamin D aufzustocken.

Carsten Maschmeyer emotional kalt erwischt

Nils Glagau und Carsten Maschmeyer waren begeistert und zahlten 110.000 Euro für 15 Prozent Anteile an einer Firma, deren cleveres neues Produkt noch gar nicht auf dem Mark ist. Allerdings dürfte es für ajuma einen großen Markt geben – und eine Hilfe bei Ängsten, die gerade Maschmeyer, der sich ungewohnt offen und persönlich gab, gut zu kennen scheint.

Wie erst nach der Aufzeichnung bekannt wurde, hatte er kurz vor den Dreharbeiten selbst eine Hautkrebsdiagnose erhalten und sich (letztlich erfolgreich) operieren lassen. „Ich war kurz davor, aufzustehen“, gestand Maschmeyer gegenüber „Bild“ seine emotionale Überforderung in dem Moment. „Aber das hätte natürlich niemand verstanden, weil zu jener Zeit alleine Veronica (Ferres, Maschmeyers Ehefrau, d. Red.) und sonst niemand von meiner Diagnose und der anstehenden Krebsoperation wusste.“

Allerdings erzählte er in der Sendung auch: Einer seiner eigenen Söhne litt mit 16 Jahren an Hautkrebs. „Das war für uns keine schöne Zeit.“ Sichtlich bewegt öffnete also auch der Münchner Investor sein Herz – und seinen Geldbeutel.

RND/Teleschau

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