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„Höhle der Löwen“-Investoren begeistert von Öko-Start-up – doch dann geht nur die Mailbox ran

  • Einen denkwürdigen Abschluss hat die neunte Staffel der Vox-Gründershow „Die Höhle der Löwen“.
  • In den letzten Sendeminuten liefern sich Carsten Maschmeyer und Judith Williams einen hitzigen Kampf mit Georg Kofler und Nils Glagau.
  • Und dabei geht es nicht mal um Profite.
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Die vielen Fans einer der weiterhin besten Showreihen im deutschen Fernsehen wissen es längst: Immer dann, wenn der meistens kühle Starinvestor Carsten Maschmeyer unvermittelt Gefühle zeigt, wird es ernst in der „Höhle der Löwen“.

So fiel es dem zweifachen Familienvater diesmal zu, am späten Montagabend zum Staffelfinale des mittlerweile neunten Durchlaufs der Vox-Dauerbrennershow das verspätete Wort zum Sonntag zu sprechen. „Wir haben die Erde von unseren Kindern geliehen“, sagte Maschmeyer. „Aber wir haben nur eine.“ Daher sei es unerlässlich, für ihren Erhalt zu kämpfen – und Geldinteressen auch mal hintanzustellen.

„Sensationelle Idee“, jubelt er über die Weltrettungsidee eines 33-Jährigen, der in grünem T‑Shirt mit einem stilisierten Grüne-Lunge-Logo über dem muskulösen Oberkörper wortmächtig Werbung machte für eine Geschäftsidee, die eigentlich gar kein Geschäft sein soll, sondern ein gigantisches weltweites Ökoprojekt. „Pro Minute verlieren wir 30 Fußballfelder Regenwald“, beklagte Chris Kaiser die fortschreitende globale Umweltkatastrophe durch die Vernichtung der Baumbestände.

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Er weiß, wovon er spricht, auch aus eigener Anschauung: Kaiser ist trotz seines vergleichsweise jungen Alters ein weit gereister Tourismusmanager, der als Sohn eines Tropenarztes unter anderem in Kamerun und Tansania aufwuchs.

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Ökounternehmer verspricht: „Wir sind kein Wohltätigkeits­verein“

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Was er mit seinem Unternehmen B ’n’ Tree aufsetzen möchte, präsentierte Kaiser als eine Revolution auf dem Tourismusmarkt. Die Grundidee: Seine Vermittlungs­plattform arbeitet mit den weltweit führenden digitalen Reiseportalen zusammen. Wer über B ’n’ Tree bei einem der Branchengrößen wie Booking.com oder anderen kooperierenden Anbietern eine Reise bucht, sorgt dafür, dass Kaisers digitale Firma eine Vermittlungs­kommission erhält. Und die wird „nachhaltig“ investiert: Für jede Buchung lässt Chris Kaiser einen Baum oder gleich mehrerer Bäume pflanzen.

Seit dem Start von B ’n’ Tree konnte er so bereits über 100.000 neue Bäume in zwölf verschiedenen Ländern pflanzen. Damit würden auch Jobs geschaffen. Jetzt möchte er wachsen – und die Wälder wollen das auch. Mehr noch: Die Idee ließe sich laut Chris Kaiser auch über die Touristikbranche hinaus ausbauen.

Von einer „Win-win-win“-Idee sprach der enthusiastische Gründer, dessen Begeisterungskraft rasch auf die „Löwen“ übersprang. Und das wohl auch, weil er, trotz aller idealistischer Ökofantasie, auch genau ihre Sprache spricht, die Sprache des Kapitals. „Wir sind kein Wohltätigkeits­verein“, sagt Chris Kaiser über sein Start-up, „sondern ein Unternehmen.“ Seine Begründung: Er will nicht bloß auf Spenden oder auf unbezahltes Engagement von Ehrenamtlichen angewiesen sein. Seine Erfahrung zeige nämlich: Sobald die nächste Krise um die Ecke kommt, werden solche Leistungen gern wieder zurückgefahren. Seine Baum­pflanzungs­firma aber soll Bestand haben. Und prosperieren.

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„Wir wollen keinen Gewinn mit Ihnen machen“

Für sein kurios klingendes, aber absolut ernst gemeintes Konzept hat er sogar einen Namen: „Wir müssen den ‚Karitalismus‘ erfinden“, sagte Chris Kaiser. Damit meint er, dass das karitative Element mit dem kapitalistischen zusammenkommen müsse. Noch deutlicher macht er das durch zwei möglichst gegensätzliche Pole: Falls der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im großen Stil in Ökoprojekte investierte, würde weltweit schnell der Vorwurf scheinheiligen „Greenwashings“ laut. Andersherum würde einer Aktivistin wie Greta Thunberg eine gefährliche Nähe zum Profitstreben vorgehalten, wenn sie ein Modell wie B ’n’ Tree verfolgte. Chris Kaisers Lösung: ein Mix. Er will der „Mark Thunberg“ der „Löwen“ werden.

Von einem Thema, „das ich großartig finde“, schwärmte ganz schnell die Investorin Judith Williams. „Was mich wirklich überzeugt hat, das sind Sie“, lobte sie Chris Kaiser. Und mit Carsten Maschmeyer hatte sie ganz rasch ein Idealistenbündnis geschmiedet. „Ich habe selber ein CO₂-schlechtes Gewissen“, gestand der vielfliegende Globalunternehmer Maschmeyer. Für ihr Kombiangebot sprangen die beiden weit über ihre Schatten – zur großen Überraschung aller Beteiligten. „Wir wollen bei Ihnen investieren“, sagte Judith Williams für das Interessentenduo, „aber wir wollen keinen Gewinn mit Ihnen machen.“

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Wie oder was nun genau? Chris Kaiser war mit der Forderung in die Sendung gekommen, zur Unterstützung seiner Projekte 75.000 Euro aufzurufen und dafür 10 Prozent der Firmenanteile abzugeben. Maschmeyer und Williams überrumpeln ihn mit einem Gegenangebot, das es in dieser Form in der „Höhle der Löwen“ noch nie gegeben hatte: Beide wollen Chris Kaiser die gewünschte Summe zur Verfügung stellen, verlangen dafür aber eine Beteiligung in Höhe von 25,1 Prozent.

Nils Glagau ändert in Rekordzeit seine Meinung

Allerdings: Genau diese Sperrminorität soll bei der erstbesten Gelegenheit künftigen neuen Mitarbeitern des Baum-Start-ups zur Verfügung gestellt werden, um sie an der Firma zu beteiligen. Sobald das Geschäft gut läuft, wollen die „Löwen“ nur irgendwann ihr Startgeld zurückhaben. „Wir wollen keinen Gewinn machen“, sagt Carsten Maschmeyer. Aus seinem Mund hat man so etwas wohl noch nie gehört.

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Doch in den Moment der Verblüffung platzten dann gleich noch zwei weitere „Löwen“, die sich mit lautstarkem Gebrüll zu Wort meldeten. Mehr noch: Nils Glagau hatte in Windeseile seine Meinung geändert. Zunächst hatte er noch vorschnell ein vermeintlich schwammiges Konzept kritisiert und gesagt: „Ich bin nicht überzeugt.“ Nun schloss er sich flugs mit dem ebenfalls viel fliegenden Kollegen Georg Kofler für ein Gegenbündnis zusammen. Ohne Geld wollte auch Glagau Chris Kaiser nicht ziehen lassen.

„Ich möchte dich beim Wort nehmen“, sagte Kofler zu dem Ökounternehmer. „Was du uns hier vorführst, ist Glaubwürdigkeit.“ Plötzlich stand ein ebenfalls sehr ernst zu nehmendes Gegenangebot im Raum: Glagau und Kofler zeigten sich sogar bereit, den Betrag für B ’n’ Tree auf 100.000 Euro aufzustocken – im Gegenzug für 20 Prozent an der Firma.

Wenn der Ratgeber sich rar macht

Plötzlich hatte Chris Kaiser, der zuvor noch so selbstbewusst kaum um Worte und Erklärungen verlegen war, die Qual der Wahl. Und ein Riesenproblem: Er zog sich in den Studiohintergrund zurück, um ein klärendes Wort mit einem Firmenmentor zu wechseln. Sein kaum vorstellbares Pech: Der Kollege war nicht zu erreichen, am Handy meldete sich lediglich die Mailbox.

Also war Weltretter Chris auf sich allein gestellt. „Die Wahl ist extrem schwierig“, sagte er. „Es sind tolle Angebote.“ Dann gab er sich einen Ruck – und wählte das Unterstützerteam Maschmeyer/Williams. „Mama, das ist das vernünftigste Start-up, das du je gemacht hast“, nahm Judith Williams überglücklich die von ihr erwartete Jubelreaktion ihrer Kinder vorweg. Und Maschmeyer blieb mal wieder das Schlusswort: „Auf die Bäume, los!“

Das furiose Finale überstrahlte alles, was sonst noch in der Schlussepisode der neunten „Höhle der Löwen“-Staffel geschah. Mit ihrem extrem leckeren Fitness-Hafer-Frühstück der Marke Fit Oaty setzte sich die kämpferische Bodybuilderin Christina Schwarz bei Investor Nils Glagau durch, und das Mary’s-Dream-Coffee-Gründertrio überzeugte Ralf Dümmel.

Leider noch nicht so richtig weit war dagegen die Nürnberger Schneiderin Lydia Walter mit einer kessen, Schmutz abweisenden Koch- und Gastroschürze sowie die Routago-Gründer, die mit einer hochintelligenten Fußgänger­navigations­hilfe den Alltag von Sehbeeinträchtigten und Blinden erleichtern wollen. Allerdings: Auch ohne Deal gibt’s ja immer die Chance, noch mal wiederzukommen. Die neue „Höhle der Löwen“-Staffel startet im Herbst.

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