Vox-„Löwen“ zerfleischen Koffein-Startup – dann folgt ein verblüffendes Angebot

  • Es wurde ein Montagabend in der „Höhle der Löwen“, an dem es gleich für mehrere Gründer ungemütlich wurde.
  • Reihenweise rasselten Produktideen übel durch.
  • Besonders harte Kritik traf ein Erfinderduo, das eigentlich eine energiegeladene Sensation vorstellen wollte – doch dann nahm ihr Schicksal eine Wendung.
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Eigentlich hatten die „Scooper“-Gründer Patrik Fuchs und Michael Gueth ihre Hausaufgaben gemacht. Und das bedeutete nicht nur, dass sie sich für ihre durchaus schmissige Präsentation am Montagabend in der vorletzten neuen Folge der aktuellen „Die Höhle der Löwen“-Staffel einen durchdesignten Auftritt ausgedacht hatten. Gut, über den etwas schrillen „Men in Black“-Look samt der beiden Herrenhüte konnte man geteilter Meinung sein.

Aber die Produktwelt ihrer vollmundig als „Weltpremiere“ angekündigten „Energy-Bomben“ sah cool gestaltet aus. Und einen Mitstreiter im Gorillakostüm, der zunächst wie ausgelaugt auf der Bühne herumlungerte, nach Genuss eines „Scooper“-Energieschubs aber umgehend zum Leben erwachte und sich wild die Fellfäuste vor die Brust schlug, war dann doch ein sehr origineller Einfall. Das unterstrich jedenfalls Carsten Maschmeyer, der mit seinen launigen Kommentaren gerne so etwas wie den Entertainmentmoderator der Reihe gibt: „Da soll noch einer sagen, Gorillas und Löwen passen nicht zusammen“, meinte er.

Kampf der unpassenden Müdigkeit

Was die Gründer mit animalischer Hilfe vorstellten, sollte eine bislang hinter verschlossenen Türen geheim gehaltene Produktinnovation sein. „Scooper“ drängt auf den stark wachsenden Markt von Wachmacherprodukten, die sich an Berufspendler, Geschäftsleute, aber auch Studierende als Zielgruppe richten. Wer die Müdigkeit im „unpassenden“ Moment bekämpfen will, wählt meist koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Cola oder Energydrinks. Allerdings: „Immer dann, wenn ich einen schnellen Wachmacher brauche, ist er nicht griffbereit“, sagte Patrik Fuchs und erzählte dabei aus eigener Erfahrung.

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„Bei Scooper ist das komplett anders. Einfach Dose öffnen, einen Scoop entnehmen und dann entweder unter die Oberlippe oder in die Seitentasche der Backe legen. Das Geniale: Innerhalb kürzester Zeit bekommt man den Energy-Boost. Und zusätzlich sorgt er für einen frischen Atem und einen guten Geschmack im Mund“, sagte er. Das Geheimnis: Die „Scooper“-Dosis, die die Gründer als „Scoop“ bezeichnen, ist eigentlich eine Art Miniteebeutel mit Aufweckpulver. Ein Scoop enthält 40 Milligramm natürliches Koffein aus Kaffeebohnen in Pulverform.

Produktpremiere in der „Höhle der Löwen“

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Die Wirkung – so das Versprechen der Gründer – entspreche in etwa einem Espresso. Das Koffeinpulver gelangt durch die Aufnahme über die Mundschleimhäute direkt ins Blut und erzielt so eine sofortige Wirkung. Angeboten werden die vier Geschmacksrichtungen „Cool Grapefruit“, „Iced Cola“, „Iced Caramel Coffee“ und „Fresh Mint“ – für einen vergleichsweise überschaubaren Preis von 4,49 Euro für 15 Stück.

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„Scooper besetzt ein noch nie dagewesenes Segment im Energybereich. Die Darreichungsform ist absolut innovativ“, versuchte Michael Gueth die Investoren zu beschwören. Er setzte auf eine Schmeicheltaktik – kombiniert mit einem Angebot, das man eigentlich kaum ausschlagen kann: „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, in der ‚Höhle der Löwen‘ unser Produkt das allererste Mal zu präsentieren“, säuselte der Hutträger. Immerhin konnte man sich mit 150.000 Euro für beachtliche 50 Prozent der Firmenanteile einkaufen.

„Bitterer Nachgeschmack“, „zu spät dran“

Doch dann hagelte es Reaktionen, für die die „Scooper“-Jungs vermutlich doch besser einen Helm anstatt eines Huts aufgezogen hätten. „Es ist ein bitterer Nachgeschmack“, meinte „Löwe“ Nils Glagau. Kein Wunder: Er hat Erfahrungen mit Koffeinwachmachern gesammelt – auch im eigenen Familienunternehmen. „Ich selber habe auch ein Produkt, das ist euch schon überlegen“, sagte er – und stieg rasch als möglicher Investor aus.

„Wissen Sie ungefähr, wie viele Wettbewerber Sie haben?“, bohrte auch Carsten Maschmeyer in einer Wunde herum. „Unzählige“, musste Patrick Fuchs eingestehen. Tatsächlich haben Maschmeyer und Handelsexperte Ralf Dümmel selbst schon einen Koffeinwachmacher-Deal eingetütet. Offenbar wussten das die „Scooper“-Gründer nicht so recht. Und so war es naiv zu erwarten, dass sich diese Parade-„Löwen“ mit einer Neuinvestition selbst Konkurrenz machen würden. „Ich glaube, dass Sie in der ‚Höhle der Löwen‘ zu spät sind“, schimpfte Maschmeyer.

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„Carsten, sieht das komisch aus?“

Noch unangenehmer wurde es, als Judith Williams angeekelt gegen die „Scooper“-Tütchen anmotzte. „Carsten, sieht das komisch aus?“, wollte sie von ihrem Kollegen wissen, als sie sich auf Anweisung ein Beutelchen unter die Lippe geschoben hatte. „Das ist irgendwie kein so schönes Erlebnis“, meinte Judith Williams. „Das ist eher was Maskulines“, winkte die Home-Shopping-Unternehmerin dezent angewidert ab.

Eigentlich war „Scooper“ damit schon durchgefallen und der Gorilla aus der „Höhle“ verjagt. Oder doch nicht? Die Überraschung des Abends lieferte ausgerechnet Dagmar Wöhrl, die bei den Pitches der aktuellen Staffel auffallend wenig zum Zug kam. Sie verblüffte nicht nur ihre Kollegen, sondern erkennbar auch die Gründer selbst, als sie sagte: „Mir würde es Spaß machen, diesen Weg mit Euch zu gehen.“ Plötzlich stand doch noch ein Angebot im Raum. Und das mussten die Hutträger fast unweigerlich annehmen. „Ganz herzlichen Dank“, stammelten sie dann nur noch.

Ein Deal, bei dem die Gründer nicht nein sagen konnten

Es war eine überraschende Schlusswendung und letztlich nicht das einzige Beispiel dafür, dass sich die „Löwen“ diesmal oft alles andere als einig waren. Schon beim veganen Fleischersatzpulver „Early Green“ stänkerte Maschmeyer („nicht die allerneueste Erfindung“), und dann war doch Ralf Dümmel begeistert. Schlimmer verdüsterte sich die Löwen-Gesamtmeinung beim „Soapflaker“: Dessen Erfinder Stefan Hinüber steckt Festseife in eine Art Pfeffermühle, sodass unten Seifenflocken zum Händewaschen herausrieseln.

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Keine ganz doofe Idee, aber im Handling doch irgendwie unpraktisch und unhygienisch. Gleich vier Löwen winkten mehr oder weniger genervt ab. „Wirklich revolutionär ist das nicht“, klagte Judith Williams. „Ich sehe das im Alltag nicht“, schimpfte Nils Glagau. Dann die Wendung: Ralf Dümmel investierte trotzdem.

Gutes Thema – und doch ein Totalausfall zum Schluss

Blieben zum Schluss zwei Gründer, die zumindest mit ihrer Problemausgangslage genau einen Nerv trafen (dem Schulchaos vor allem in Corona-Zeiten), dann aber in der Umsetzung komplett scheiterten: Matthias Schadhauser und Philipp Kramer, Erfinder der „Wryte“-App zum besseren digitalen Ordnungstiften für Schüler, fielen komplett durch.

„Ich sehe zu viele Lücken im Gründerteam“, sagte Nico Rosberg. Und da war der Todesstoß eigentlich schon platziert. Kein einziger Löwe wollte in „Wryte“ investieren. Zumindest in trauriger Hinsicht gab‘s am Ende der diesmal eher wirren Sendung dann doch noch Einigkeit.

RND/Teleschau

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