Satirepreis: „heute-show“ verleiht Markus Söder den „Goldenen Vollpfosten“

  • Die „heute-show“ überreicht traditionell den „Goldenen Vollpfosten“ bei ihrem Jahresrückblick.
  • Der Satirepreis geht dieses Mal unter anderem an Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.
  • Auch die Messenger-App Telegram erhält eine Trophäe.
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Ehre, wem Ehre gebührt! Traditionell überreichte die „heute-show“ (ZDF) während ihres Jahresrückblicks die bedeutendsten Trophäen der deutschen Satireszene: Der „Goldene Vollpfosten“ ging unter anderem an Telegram, Kardinal Woelki, Andreas Scheuer und an dessen Parteifreund, den „bayerischen Monolithen“.

Es war ein Abend der Sensationen. Eine Woche nach den besten TV-Quoten aller „heute-show“-Zeiten sicherte sich Friedrich Merz im dritten Anlauf doch noch den CDU-Vorsitz, und die „heute-show“ (ZDF) wurde gleich um 15 Minuten länger. Aber es gab ja auch viel zu tun: Rückblick aufs „Corona-Jahr zwei″ und Verleihung einer ganzen Menge von „Goldenen Vollpfosten“.

Welke: Söder ragt im Team der Niedergänger heraus

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Der erste Preis wurde im Zusammenhang mit dem „historischen Absturz der Union im Wahljahr 2021″ verliehen. Natürlich, so Moderator Oliver Welke, habe es da einzelne Highlights (wie das Laschet‘sche Gegrinse im Katastrophengebiet und den Maskenskandal um Bereicherung von CSU-Abgeordneten) gegeben, aber im Endeffekt sei der Niedergang eine „Gemeinschaftsproduktion“ gewesen. Einer aber rage, so Welke, aus diesem Team der Niedergänger heraus: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder.

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Valerie Niehaus hielt die Laudatio und würdigte Söders Einsatz nach der Niederlage gegen Armin Laschet im Kandidatenrennen. „Er ist ans Limit gegangen und hat täglich alles gegeben, um einen Sieg der Union zu verhindern.“ Damit habe er, wie Niehaus bemerkte, einen weisen Satz von Armin Laschet bewahrheitet: „Hinter jedem kleinen Mann, der eine Wahl versemmelt, steht doch immer auch ein großer Mann, der ihn absägt.“

Warum Söder das getan habe? Niehaus: „Weil er’s kann!“ Söder denke nicht in Kategorien wie Schuld, Verantwortung und „eigene Fehler“, weil sein Kopf zu voll sei mit der puren Begeisterung für sich selbst. Niehaus: „Wer braucht Fans, wenn er selbst sein größter Fan ist?“ Zwar wurde Söder mit dem Vollpfosten ausgezeichnet, Niehaus wollte ihm aber nur eine Urkunde zugestehen. Deren Text: „Markus Söder hat am Kanzlerkandidatenwettbewerb teilgenommen und einen hervorragenden zweiten Platz hinter Armin Laschet belegt.“

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Friedemann Weise, der mit Sarah Elena Esser für den besinnlichen musikalischen Rahmen sorgte, besang Bayerns Obersten mit den schönen Liedzeilen „Markus Söder – die anderen sind alle so viel blöder. Macht einer einen Fehler, das passiert ja überall, dann weiß inzwischen jeder, das war auf keinen Fall: Markus Söder.“

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Telegram, „die digitale Heimat des Wahnsinns“

Der zweite Vollpfosten wurde der Messenger-App Telegram verliehen. Angesichts der weiter eskalierenden Gewalttätigkeit von Kritikern der Corona-Maßnahmen gegen Polizisten und Journalisten wurde Telegram, so Niehaus, als „die digitale Heimat des Wahnsinns“ und „wichtigster Bullshitmultiplikator unserer Tage“ ausgewählt. Nur hier, so Niehaus, sei es noch möglich, den Holocaust zu leugnen und öffentliche Mordfantasien gegen Politikerinnen und Politiker auszuleben.

Welke stellte klar, dass man Impfgegner nicht alle über einen (rechtsradikalen, „querdenkerischen“) Kamm scheren dürfe und das Recht auf gewaltloses Demonstrieren verteidigen müsse. „Aber bei gewalttätigen Demos direkt neben Nazis gegen die Spaltung der Gesellschaft protestieren? Finde den Fehler!“

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Dresden: Razzia nach Mordplänen gegen Kretschmer
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Nach Drohungen gegen Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer im Kommunikationsdienst Telegram durchsucht die Polizei in Dresden mehrere Objekte.  © dpa

Welke packte es in muntere Weise und sang: „Merkel ist der Sohn von Hitlers Frau! Du sagst, dass ich das nicht beweisen kann, aber glaub mir, das steht auf Telegram.“

Katholische Kirche erhält „Fegefeueredition“

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Den „Goldenen Vollpfosten in der Fegefeueredition“ erhielt die katholische Kirche für den „Umgang mit ihren eigenen Verbrechen“ zugesprochen. Die Aufarbeitung des Themas Missbrauch in der Kirche sei, erklärte Welke, nach wie vor beschämend. Auch hier habe sich aus einem unheilvollen Team einer besonders hervorgetan. „Kardinal Rainer Maria Woelki hat viel bewegt“, stellte Laudatorin Niehaus anerkennend fest, „nämlich viele dazu, aufs Amt zu gehen und aus der Kirche auszutreten.“

Der König des Vertuschens, der lange ein Gutachten zurückhielt, will weder von den Verschleierungen seines Vorgängers, Kardinal Meisner, noch von dem Missbrauchsproblem etwas gewusst haben. Niehaus: „Das kann man glauben, muss man aber nicht. Ist halt ’ne Glaubensfrage.“ Auch Woelkis Erzbistum Köln habe sich um den Vollpfosten verdient gemacht und in drei Jahren rund 2,8 Millionen Euro für PR-Berater, Anwälte und Gutachten ausgegeben, um Woelkis Image zu retten. Im Gegensatz dazu wurden, führte Niehaus auf, in zehn Jahren 1,5 Millionen an Opfer sexuellen Missbrauchs gezahlt. Niehaus: „Man muss halt Prioritäten setzen.“

Die katholische Kirche erhält den „Goldenen Vollpfosten in der Fegefeueredition“. Valerie Niehaus hält die Laudatio auf Rainer Maria Woelki. © Quelle: ZDF

Weitere „Vollpfosten“ gingen an Andreas Scheuer („Für das Lebenswerk des schlimmsten Verkehrsministers auf diesem Planeten“), Ex-„Bild“-Chef Julian Reichelt („Macht offiziell Journalismus, will aber eigentlich Praktikantinnen kennenlernen“), die Ampelgestalten Scholz, Habeck und Baerbock, die nichts Besseres zu tun hatten, als mit der „Springer-Prominenz“ bei einer Gala für Fotos zu posieren, Facebook („Weil die genau wissen, welche Schäden sie anrichten“) und Ungarns Staatschef Victor Orbán („Der auch 2021 Ungarn noch ein Stück undemokratischer gemacht hat“).

Ohne Vollpfosten blieb Boris Johnson, obwohl das auch schon von Parteigenossen „Dumm Dumm Boris“ genannte britische Staatsoberhaupt, so Welke, für seine Brexit-Politik und seine illegalen Weihnachtsfeiern im Amtssitz während der strengsten Lockdownphase durchaus einen verdient gehabt hätte.

Welke kritisiert Corona-Fehler

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Und auch Deutschland hätte wohl einen Vollpfosten verdient. „Wann fangen wir an, aus den Corona-Fehlern zu lernen?“, fragte Welke angesichts der Omikron-Bedrohung. Wenn Deutschland ein Schüler wäre, welche Noten hätte er wohl im Fach Corona, fragte Welke und schlüpfte in die Rolle des Pennälers.

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Wachsende Omikron-Sorgen - Impfen allein reicht nicht
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Die vierte Welle in Deutschland hat sich zwar etwas abgeschwächt, die Inzidenz bewegt sich aber immer noch auf sehr hohem Niveau.  © dpa

Vor Lehrerin Birte Schneider zeigte sich der Schüler mit seiner Rolle „in meiner ersten Pandemie“ ganz zufrieden. Obwohl er einräumen musste, ein paar kleine Probleme gehabt zu haben: „Mit Masken, Tests, Impfstoff, Impfquote, Wellenbrecherlockdown, Brückenlockdown, Lockdowns überhaupt, 2G-Kontrolle, 3G-Kontrolle, nicht ausgezahlten Hilfsgeldern und so weiter.“

„Deine Versetzung ist gefährdet“, meinte Lehrerin Schneider harsch. Vor allem den Umgang mit den Schulen und Schülern rügte Schneider. „Und wenn dann wegen Omikron wieder Schulen dicht machen, dann machst du wieder dein blödes Gesicht.“ Und Schüler Deutschland zuckte zurück. Schneider: „Weil du blöd bist und blöd bleibst.“

RND/Teleschau

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