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„heute“-Moderatorin Jana Pareigis: „Hoffe, dass es selbstverständlich wird, dass es schwarze Moderator*innen gibt“

  • Am 27. Juli startet Jana Pareigis als neue Moderatorin der ZDF-„heute“-Nachrichten.
  • Im RND-Interview spricht sie über das Gendern im Fernsehen und Abgänge bei den Öffentlich-Rechtlichen.
  • Außerdem geht es um den Umgang des ZDF mit den Themen Diversität und Interkulturalität.
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Jana Pareigis (40) startet am 27. Juli als neue Moderatorin der „heute“-Nachrichten im ZDF. Zuvor hat die Journalistin bei dem Sender bereits das „Morgenmagazin“ und das „Mittagsmagazin“ moderiert. Durch Letzteres wird sie auch weiterhin noch einige Wochen im Jahr führen. Vor ihrer Zeit beim ZDF arbeitete Pareigis unter anderem bei der Deutschen Welle.

Im RND-Interview spricht sie nun über ihre neue Aufgabe:

Sie haben am 27. Juli Ihren ersten Auftritt in der ZDF-Sendung. Wenn Sie es sich aussuchen könnten: Welche Nachricht würden Sie am liebsten präsentieren?

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Ich würde am liebsten verkünden, dass alle Menschen auf der Welt genug Impfstoff gegen Corona haben. Das wäre eine Nachricht, die vieles erleichtern und viel Leid ersparen würde, weil es da immer noch ein großes Missverhältnis gibt und es weltweit immer noch an ausreichend Impfstoff fehlt.

Glauben Sie, dass Nachrichten in der Corona-Krise wichtiger geworden sind für die Menschen?

Ja, man hat in Studien der vergangenen Jahre gesehen, dass das Vertrauen gerade in die öffentlich-rechtlichen Sender eher gestiegen ist. Man sieht auch, dass gerade jetzt viele Leute darauf zählen, dass Inhalte journalistisch aufgearbeitet werden. In den sozialen Medien kursiert immer viel, da ist es wahnsinnig wichtig, dass es den Job der Journalist*innen gibt, die Fakten prüfen, belegen können, wie sie arbeiten, und sich die Zeit nehmen, das aufzuarbeiten, sodass man gut verfolgen kann, worum es geht. Ich glaube, das hat sich in der Pandemie noch mal gezeigt, weil auch viele Verschwörungsmythen herumgeistern.

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Sie folgen bei den „heute“-Nachrichten auf Petra Gerster. Was können Sie sich von Ihrer Vorgängerin abschauen?

Ich bewundere Petra Gersters Ruhe. Wir sind aber unterschiedliche Typen, und das ist gut so. Man kann Petra Gerster nicht ersetzen und ich sehe das eher wie einen Staffellauf: Sie ist eine lange Strecke gelaufen und hat auch uns Frauen mit den Weg bereitet. Jetzt übernehme ich.

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Video
"heute"-Moderatorin Jana Pareigis: "Finde Gendersternchen gut, weil man sich selbst hinterfragt"
2:57 min
Ab dem 27. Juli moderiert Jana Pareigis die „heute“-Nachrichten. Im Interview spricht sie über die erste Sendung, Nachrichten in Corona-Zeiten und das Gendern.  © RND

Gerster hat vor einer Weile mit dem Gendern angefangen. Werden Sie das fortsetzen?

Ja, mir ist es wichtig, dass man alle anspricht, nicht nur Männer und Frauen. Da ist das Gendersternchen jetzt das Instrument, das man dafür hat. Das ist natürlich etwas, woran man sich gewöhnen muss. Ich merke das auch privat. Ich benutze das Gendersternchen seit Längerem, aber auch nicht immer durchgängig. Das ist ein Prozess. Ich habe es fast 40 Jahre nicht benutzt und in den letzten Jahren damit angefangen. Ich finde es aber gut, weil man sich auch selbst hinterfragt. Diese Pause, die man beim Sprechen des Sternchens macht, ist ein Moment, in dem man überlegt. Sprache ist Macht: Wenn wir formulieren, geht es darum, genau zu sein. Wir müssen uns bewusst sein, gerade als Medienschaffende, dass wir in einer Position sind, in der wir unsere Worte abwägen müssen. Ich möchte Nachrichten für alle Menschen machen, deswegen werde ich das Gendersternchen benutzen.

Ihre Vorgängerin Gerster war knapp 23 Jahre bei den „heute“-Nachrichten. Können Sie sich vorstellen, so lange einer Sendung oder einem Sender treu zu bleiben?

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Vorstellen kann ich mir alles, aber ich bin keine Person, die Pläne über einen langen Zeitraum macht. Vor fünf Jahren hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich mal die „heute“-19-Uhr-Nachrichten moderieren darf. Ich glaube es ist gut, auf Sicht zu fahren und sich sein Leben nicht mit langfristigen Plänen zuzubauen, weil am Ende immer alles anders kommt.

Die Öffentlich-Rechtlichen müssen aktuell mehrere Abgänge von Nachrichtensprecherinnen und -sprechern verkraften, die zu Privatsendern wechseln. Können Sie die Abgänge nachvollziehen?

Jeder und jede muss für sich schauen, was ihm oder ihr wichtig ist. Ich habe nicht das Bedürfnis, das ZDF zu verlassen, weil ich mich hier wunderbar weiterentwickeln kann. Manchmal ist es aber so, dass Leute Lust haben, sich in eine andere Richtung zu entwickeln, und dann kommt gerade das passende Angebot. Ich weiß also nicht, ob das in diesen Fällen eine generelle Abkehr von den Öffentlich-Rechtlichen ist.

Aber haben Sie es auch so erfahren, dass die Privatsender besser bezahlen als die Öffentlich-Rechtlichen? Das stand ja häufiger in der Kritik.

Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk wird aber durch Beitragsgelder finanziert, und da finde ich es wichtig, dass man verantwortlich damit umgeht und dass Honorare Grenzen haben, auch bei Moderator*innen. Viele von uns sind allerdings freiberuflich, da muss man sich natürlich absichern, aber man muss es auch in Relation sehen zu dem Durchschnittsverdienst in Deutschland.

Sie haben sich beruflich immer wieder mit Diversität und Interkulturalität beschäftigt. Wie ist das ZDF da aufgestellt?

Was die Moderator*innen angeht, ist das ZDF in Sachen Diversität vorne mit dabei. Da läuft es so, wie man es sich wünscht: Dass nach der Qualifikation geurteilt wird. So wie bei Wibke Bruhns, die 1971 die erste Nachrichtenmoderatorin der Bundesrepublik war. Sie hat auch den Weg bereitet für uns Frauen. Ich hoffe sehr, dass es auch selbstverständlich wird, dass es Nachrichtenmoderator*innen aus Einwandererfamilien und schwarze Moderator*innen gibt. Es ist wichtig, dass sich in den Medien die Bevölkerung widerspiegelt. Dass die nächste schwarze Generation sieht, dass es auch schwarze Moderator*innen im Nachrichten- und Politikbereich gibt und nicht nur bei den Musiksendern. Da ist das ZDF bei den Moderator*innen schon ganz gut aufgestellt, aber in den Redaktionen könnte sich noch mehr tun, was die Diversität angeht. Es gibt Studien, die besagen, dass ein Viertel der Deutschen aus Einwandererfamilien kommt, und nur ungefähr 5 Prozent der Journalist*innen aus Einwandererfamilien. In den Chef*innen-Etagen sieht es ähnlich aus. Das muss sich ändern.

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